Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Kurz hintereinander veröffentlichen Matto Rules und The Formers ihre neuen Alben beim Label Ambulance Recordings. Am 8. April waren wir beider Plattentaufe von The Formers dabei.

The Formers (Foto: Sacha Saxer)

The Formers (Foto: Sacha Saxer)

Die Berner Band Matto Rules hatte auch erste gerade ihr neuestes Album What Comes Around veröffentlicht (Negative White berichtete.) und spielte am 8. April im Vorprogramm für ihre Labelkollegen The Formers. Sie sorgte für einen ruhigen Einstieg in den Abend, hatte aber die undankbare Aufgabe, im einem mehr als halbleeren Exil die erst spärlich erschienenen Besucher aufzuheizen. Viele sind wohl vorher noch kurz an den nächsten Imbissstand gegangen, um sich zu verpflegen.

Die Musik biederte sich für meinen Geschmack etwas zu sehr dem Pop an, etwas kräftigere Beats vom Drummer oder etwas beherzteres Greifen in die Saiten hätte dem Sound gut getan. Dafür hätte man den leicht übersteuerten Bass gerne etwas herunterfahren dürfen. Der brummte zwischenzeitlich so übel, dass er die Stimme von Matthias Müller schlicht erdrückte. Sehr schade, den gesanglich konnte man absolut nichts aussetzen.

Ihre Bühnenshow hätte etwas mehr Bewegung ertragen können, aber da die Musik auch nicht sonderlich abwechslungsreich war, passte sie irgendwie dennoch. Trotzdem gibt’s Bands, die sich auch noch kleineren Bühnen viel mehr bewegen.

Das Traurigste war aber, dass der Sound im Exil, das einen sonst mit nahezu perfekten Abmischungen verwöhnte, an diesem Abend leider eher auf x-tra Niveau war. Kläglich wimmernde Gitarren über Bassbrei, sowas kannte man bis dato vom Exil nicht.

Immerhin stieg die Qualität gegen Ende des Sets ein wenig, und die Band spielte auch mit mehr Druck. Etwas zu spät, meiner Meinung nach. Die Truppe könnte nämlich definitiv gute Musik spielen, aber als sie fast 80% der Spielzeit benötigten, um in Schwung zu kommen, fragte sich sicher mancher, ob sie Matto Rules nicht für The Formers extra etwas zurückgenommen hatten.

The Formers zeigten klar, dass es an diesem Abend primär um sie ging. Endlich etwas Publikumsinteraktion. Aber nach rund eine Dreiviertelstunde Umbauphase drängte sich die Frage auf, wieso sie überhaupt eine Vorband engagiert hatten. Jeglicher Effekt war bis zum Start der Show von The Formers längst verflogen. Zwanzig Minuten sollten alleweil reichen. Dazu die spärliche Bühnenshow im knapp von hinten beleuchteten Nebel… Da wäre echt mehr gegangen.

Musikalisch konnte man wieder nichts bemängeln, aber performancetechnische liessen auch The Formers viele Wünsche offen. Auch der Gesang ist solide, wenn auch nicht auf dem Level von Matto Rules. Und dann kam das, worauf man echt hätte verzichten können. Trotz «Leihgabe» von Spencer’s Reto an den Keys konnte das Enjoy the Silence Cover nicht ansatzweise überzeugen. Klar, es braucht Eier, um einen solchen Song zu covern, aber dennoch sollte man das nur tun, wenn man eine Version hinkriegt, die mindestens so gut ist, wie das Original. Lacuna Coil hatten gezeigt, dass dies möglich ist. The Formers hatten hier leider gründlich versagt.

Immerhin rockte der Titeltrack des neuen Albums The Day We Get Started wieder. Aber zum Abschluss kam ein weiteres Cover eines Tracks, der schon zigmal gecovered wurde: Smalltown Boy von Bronsky Beat. Wie man aus dieser genialen Nummer einen solch seichten Bumm-Bumm-Pop-Song machen konnte und dann noch in den Spiegel schauen kann… Das wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Delain schaffte es, aus dem Song eine eigene akustische Nummer zu machen und Paradise Lost perfektionierten den Song in ihrer melancholischen Version. The Formers hingegen beförderten den Song in banale Gefilde und haben ihm jegliche Atmosphäre, Düsterheit und Existenzberechtigung entzogen. Die Jungs müssen mir echt mal erklären, wer sie so verärgert hatte, dass sie diese Rache auf die Menschheit loslassen mussten.

Was allerdings ebenso traurig war, war die Tatsache, dass sich die Musiker selber verpflegen mussten. Es sollte zum guten Ton gehören, dass man den Bands zumindest ein kleines Abendessen bereit stellt. Besonders, wenn man sie um 22 Uhr schon wieder rauswirft, weil man Platz für die Party braucht.

Invalid Displayed Gallery