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Der Zürcher Musiker Fai Baba zeigt mit seinem fünften Album «Sad & Horny» erneut sein Faible für traurig-schöne Liebeskompositionen zwischen Desert-Blues und Garage-Folk und hat nicht nur neue Mitmusiker, sondern auch sich selbst gefunden.

Die Traurigkeit zweier dahin geflossenen Jahre wie auch die Freude von neu gefundenem Ansporn und Freunden in der Musik spiegelt sich auf Fai Babas neustem Album Sad & Horny. Der Zürcher Geschichtenerzähler – oder auch «Storyteller» wie es im Englischen so klangvoll heisst – musste zuerst einmal sich und auch seine alten Bandmitglieder verlieren, damit er sich anschliessend selbst richtig finden konnte und somit auch den definitiven Weg für sein fünftes Album ebnete.

Kurz nach meinem letzten Album «The Savage Dreamer» von 2014 habe ich eigentlich dieses Album schon aufgenommen gehabt. Es war an sich fertig und doch ging es irgendwie zu schnell, um schon wieder ein Release nachzuschieben. So lag dieses Album dann sozusagen einfach mal herum, was im Endeffekt nur gut war. In der Zwischenzeit ist darauf so einiges passiert. Anfang dieses Jahres habe ich aufgehört mit meiner alten Band zu spielen, also dem Bassisten und Schlagzeuger, mit denen ich während sechs Jahren unterwegs war. Aber gegen Schluss war die Luft total draussen. Nicht dass ich den Spass am Ganzen verloren hätte, doch es waren einfach nicht mehr die richtigen Weggefährten für all das.

Es waren nicht einfach Mitmusiker, die Fabian Sigmund, wie Fai Baba mit richtigem Namen heisst, hinter sich lassen musste, sondern auch gute Freunde. «Homies» wie er sagen würde, auf und abseits der Bühne. Er machte seine Musik nicht von ihnen abhängig und doch war es kein einfacher Schritt für ihn.

Der Do-It-Yourself-Musiker, welcher am Anfang seiner Karriere noch analog und mit Kassettenrecorder seine Songs zusammengeschnippselt hat, reifte über die Jahre hinweg nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch heran. Und genau da brauchte er spätestens nun Wegbegleiter, die auf der Bühne mindestens genauso reif sind wie als Persönlichkeit im Leben. Alte Mitmusiker gingen, eine Beziehung zerfloss und auf einmal war da Domi Chansorn (Bonaparte, Evelinn Trouble) als neuer Partner in Crime sowie der Ansporn dieses Album als Gesamthaftes abzuschliessen und in die Welt zu setzen.

Es hat mir damals niemand gesagt «Hey, du musst ein neues Album machen», sondern ich hatte selber grosse Lust etwas zu kreieren. Ich wollte etwas aufnehmen, das sich gut anfühlt. Etwas das man mehrmals anhören kann und sich nicht denkt «Ist ja irgendwie schon geil, aber ich hör’s mir dann lieber an, wenn ich betrunken Heim komme». Ich glaube nicht nur meine Musik wurde an sich reifer, sondern gewissermassen auch ich. So bescheuert das nun aufs Erste vielleicht klingen mag.

Bild: Peter Hauser

Fai Baba – Fabian Sigmund und Wegbegleiter Domi Chansorn. Bild: Peter Hauser

Mit der gewonnen Reife und frischem Elan, Domi Chansorn als musikalischem wie auch freundschaftlichem «Homie» sowie dem Willen dieses Werk an gewonnener Persönlichkeit reifen zu lassen, machten sich Fai und Domi Anfang 2016 daran die an sich fertigen Tracks neu aufzulegen und sozusagen definitiv auf Platte zu bringen. Chansorn spielte für Sad & Horny die Drums ein und das auf eine Art und Weise, wie nur er es kann: Er spielt keinen Rhythmus, er spielt Musik. Diese Quintessenz und das tief greifende Songwriting von Sigmund verschmelzen mit mal romantisch gehauchtem, mal traurig bittenden Gesang zu einem Album mit persönlicher Note heran. Zehn Songs sind darauf zu finden, jeder für sich stehend ein Genuss aber auch als Gesamtes ein sich ergänzendes Bouquet an Geschichten voller Rastlosigkeit, Hochs und Tiefs und der ewigen Frage, was und wo den nun die nährende Liebe ist.

Auf diesem Album kommt wirklich alles zusammen, eben genauso dieses Sad wie auch das Horny. Diese Mischung von Gefühlen, nachdem so viel passiert ist. Trennung nach sechs Jahren Beziehung, da kommt dann Trauer und Lust und alles auf einmal. Schlussendlich passen diese Dinge gut zusammen und reihen sich in diesen Blues hinein. Auf der einen Seite bist du traurig, auf der einen Seite willst du aber trotzdem was vom Leben haben. Nach solch langer Zeit in einer Beziehung musste ich mich gewissermassen auch erst einmal wieder selber finden. Es geht darum Fehler zu erkennen, sich selbst besser zu verstehen und all dies kam auf diesem Album zusammen.

Lieder wie die Vorabsingle Nobody But You zeugen von diesem Alltags-Blues zwischen zerflossener und neuer Liebe. Da treffende hallende, ja schier weinende Gitarren auf umgarnend treibende Drumparts. Fai Baba erzählt von sich, wie er nichts zu verlieren habe. Oder besser gesagt sowieso nichts mehr zu verlieren hat. Zwischen Psych-Rock-Welten, wuchtigen LoFi-Tracks und rauchigen Balladen wie dem letzten Song Straight Man, der dieses nüchterne und doch belebende Gefühl eines Film Noir-ähnlichen Albums schön zusammenfasst, erkennt sich auf  und zwischen den Zeilen den Weg welchen der Musiker in den letzten zwei Jahren zurückgelegt hat. Nun vorerst am Ziel dieser Episode namens Sad & Horny angekommen ist es eine wahre Genugtuung sich dieses Album mit voller Aufmerksamkeit anzuhören. Oder besser gesagt den Tragödien und Geschichten Fai Babas hinzuhören.

 

Sad & Horny

5
/5
25. November 2016

Release

A Tree In A Field Records

Label

Tracklist

  1. Find Me a Woman
  2. Nobody but You
  3. Don't Belong Here
  4. Can't Get over You
  5. Why Do I Feel so Alone
  6. The Master
  7. Fainted Lover
  8. Geographical Tongue
  9. Lucky
  10. Straight Man