Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Anspruchslose Punkmusik sucht man beim Luzerner Trio Face The Front vergeblich. Der Erstling „Modern Values“ stellt den Hörer vor ungeschliffenen, ehrlichen Punkrock im internationalen Format.

jt. Die Geschichte von Face The Front begann bereits 2007, als sich Christian Limacher, Alain Schurter und David Thalmann dazu entschlossen, eine erste EP mit drei Songs aufzunehmen. Am 21. September 2012 erschien nun das Debüt Modern Values.
Das Album ist nicht nur der erste Wegweiser, den sich Face The Front setzen, sondern ein Schmelztiegel verschiedenster Genres. Die Einflüsse von gestandenen Bands wie Hot Water Music sind spürbar. Modern Values ist schnell, roh und trotzdem dicht. Die Melodien, die an den amerikanischen Punkrock aus den 1990ern und 2000ern erinnern, verlieren hin und wieder einen chancenlosen Kampf gegen die kompromisslosen Drums von Thalmann. Selbst wenn die Musik hart ist und unausweichlich auf sein Ziel zuhält, schafft Schurters Stimme mehr Spielraum. Gerade wenn ein Chorus zum Refrain einsetzt, wird die Verbundenheit zum Emo offen gelegt. Gleich verhält es sich mit den ruhigen Bridges wie in Modern Values / Cold Reading. Musikalisch wagen Face The Front wenig und gehen die bekannten Wege ihrer Vorbilder. Das ist im Grunde nichts Verwerfliches, auch wenn sich beim Hören schnell das Gefühl einschleicht, dass man das irgendwo schon mal gehört hat.

Um Welten interessanter sind die Texte, die über den vertrauten Sound gelegt werden. Wie das reaktionäre Greater Than Giants, in dem Sänger und Bassist Schurter dem Hörer zuschreit, er solle die Strassen zurückerobern: „This is a cause for alarm/ We’ll make them lose controle“. Und doch ist klar, dass es Face The Front nicht nur um den Krawall geht, sondern tatsächlich eine tiefere Botschaft dahinter versteckt ist. Dies wird umso klarer, wenn man das atmosphärische Cover beizieht. Auf dem Boden ein bedrückender Slum und im Himmel eine moderne Stadt voller Hochhäuser. Face The Front stellen die „modern values“ in Frage – mal wütend, mal verzweifelt. „These modern values don’t mean a thing“. Diese unsichere Beziehung zur heutigen Welt und Gesellschaft widerspiegelt sich in Sleeping With The Lights On wie in keinem zweiten auf dem Album: „This daily routine is dragging me down“.

Weil das Album durch die Texte derart viel hergibt, verzeiht man Face The Front auch den wenig innovativen Sound. Die Band zeichnet ein ehrliches Bild, das es der Aussenwelt erlaubt, in das Innenleben eines Menschen zu sehen, der zutiefst zerrissen ist von den Zuständen, die um ihn herum herrschen.

Release: 21. September 2012
Label: Sums Records

Tracklist
01. Greater Than Giants
02. Take It As It Comes
03. Stuttgart
04. Interlude
05. Sleeping With The Lights On
06. You Had Me At Hello
07. All My Secret Places
08. Conversations
09. Modern Values / Cold Reading
10. In Love With The Illusion
11. Outro
12. Fall Over Board (Bonus Track – Digital Release only)