Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Am 5. Mai erscheint das Album «Forget to Remember to Forget» der Post-Punk-Band The John-Pauls. Bei uns kannst du heute schon exklusiv reinhören.

Nach einer selbstbetitelten Debüt-EP kommt nun endlich das erste Album der Post-Punker The John-Pauls. Das Quartett stammt aus einem Ort, an dem weniger Post Punk, sondern mehr Country erwartet wird: Austin, Texas. Doch Phillip, Mikila, Mark und Elizabeth John-Paul versehen es, einfache und zugleich faszinierende Musik zu erschaffen. Die flache, aber charismatische Stimme von Phillip wird von Mikilas fragilem Gesang kontrastiert. Untermalt mit einer reduzierten Instrumentalisierung, die trotz der sanften Indie-Folk-Plattitüden ihre melancholische Herbststimmung nicht verliert.

Aufgenommen wurde Forget to Remember to Forget von Matt Gerhard – live eingespielt in einem Haus im Süden von Austin. Es war eine nasse Herbstwoche in Texas. Und man kann es der Band kaum hoch genug anrechnen, dass sie nur zwei Stücke – Let’s Burn Down Westlake und Sweeden – von ihrer Debüt-EP für das Album übernommen haben. Denn nichts ist enttäuschender, als altes Material als neu anzupreisen.

Dafür ist auf diesem 10 Stücke vereinenden Album eine interessante Beobachtung zu machen. Während europäische Post-Punk-Formationen sich deutlich an den englischen Vorbildern aus den 80ern orientieren, scheinen bei den John-Pauls diese Zitate nicht mehr als Randnotizen zu sein. Stattdessen klingen ihre Songs mehr wie aus der Blutlinie von Velvet Underground und Lou Reed.

Während Free Chains tatsächlich noch wie eine britisch inspirierte Nummer daher kommt, löst sich das Schema bereits in Françoise Sagan auf. Das mag einerseits an Mikilas Stimme liegen, denn Frauenstimmen sind im Wave und Post Punk – abgesehen von Siouxsie oder Anne Clark – nicht breit bekannt, während Morrissey, Robert Smith, Ian Curtis oder Dave Gahan einen völlig anderen Stellenwert haben.

Bild: Bill McCullough

Gleichzeitig vermischt sich auch der monotone Gesang von Phillip in The House-Husband Stomp mit den Piano-Klängen zu einem sehr viel wärmeren Sound als wir es aus England gewohnt sind. Er erinnert zwar an Post Punk, doch da ist mehr: das amerikanische «Songbook des 20. Jahrhundert», geprägt von Reed, Young oder Morrison.

Dieser Stilmix ist auf Forget to Remember to Forget jedoch niemals penetrant. Er fällt einem zunächst gar nicht auf. Der Musik von den John-Pauls haftet etwas Organisches an. Die Kombination, die Evolution scheint natürlich und nicht erzwungen. Das macht das Album zu einem richtig angenehmen und lohnenden Hörvergnügen.

Forget to Remember to Forget

4
/5
5. Mai 2017

Release

Aagoo Records

Label

Tracklist

  1. Free Chains
  2. Françoise Sagan
  3. The House-Husband Stomp
  4. Now Won
  5. Oh Shit!
  6. Backwards Disaster
  7. Chuck Yeager
  8. Let’s Burn Down Westlake
  9. Sweeden
  10. I am a Songbird