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Mehr als vier Jahre ist es her, als Sum 41 das letzte Mal in Zürich ein Konzert spielten. Eine Menge hat sich seither im Leben der Kanadier getan: Dem Tod von der Schippe springen, personelle Umstrukturierung und ein neues Album sind die Pfeiler ihres Comebacks.

Musik ist ein treuer Lebensgefährte. Sie hat mehr Macht als nur die Hintergrundbeschallung in sonst stillen Räumen zu sein. Sie kann Menschen zusammen bringen, der Soundtrack auf dem Höhepunkt deines Lebens sein, oder dir beistehen, wenn es dir schlecht geht. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass die Musik von Sum 41 durchaus in der Lage ist, alle genannten Punkte zu erfüllen.

Und bestimmt würden mir die 1500 anderen Besucher vom ausverkauften Konzert am Freitag auch Recht geben. Grösstenteils Menschen in meinem Alter, die gerade fröhlich vor sich hin pubertierten, als Sum 41 mit ihrem Album All Killer, No Filler 2001 grosse Wellen schlugen, aber auch viele die zur damaligen Zeit noch in den Windeln steckten, versammelten sich in der Halle des Komplex 457. Sie alle wollten auf der «Don’t Call It A Sum-Back»-Tour ihre aktuellen und damaligen Helden feiern.

Doch zunächst einmal gehörte die Bühne der Vorgruppe Pærish. Eine junge alternative Indie-Rockband aus Paris, die optisch irgendwie bunt zusammengewürfelt wirkte, umso besser aber musikalisch harmonierte. Ihre Musik ist sehr melodiös, die zackigen Riffs in Kombination mit Sänger Mathias Court eher hohen Stimme, verliehen dem Ganzen eine poppige Note. Während ich mir ihr Debütalbum Semi Finalists auf die geistige Liste von «Musik in die ich reinhören will» setzte, blieb die Mehrheit des Publikums unberührt von ihrem Auftritt.

Die Halle war mittlerweile proppenvoll und die wartende Menge vertrieb sich die Zeit zwischen den Bands indem es lautstark mit der musikalischen Beschallung mitsang. Volle Punktzahl an die Person, die für diese Playlist von Rocksongs die jeder kennt verantwortlich war. Aber schliesslich wurde es Zeit den Abend mit Sum 41 auf ein neues Level zu katapultieren. Und das funktionierte recht schnell. Beim zweiten Song Fake My Own Death wurde bereits artig mitgesungen und beim darauf folgenden The Hell Song ging dann definitiv die Post ab. Rauchsäulen, Konfettiregen und vor der Bühne die tobende Masse, die die Halle im Handumdrehen zur Kollektivsauna umwandelte.

Die Kanadier feuerten auch musikalisch mit der Konfettikanone. Alles was im Sum 41 Kontext ein Hit ist, wurde hervorgekramt und aufs Publikum losgelassen. Ein toller Querschnitt von Altem bis zum aktuellen Album 13 Voices. Dazwischen ein Schlagzeugsolo vom 2015 zur Band dazu gestossenen Frank Zummo und ein Gitarrensolo von Dave «Brownsound» Baksh, der bewies, dass er trotz ehemaligen musikalischen Differenzen zu Recht wieder Teil der Band ist.

Das seit einigen Jahren fest in der Setlist verankerte Cover von We Will Rock You wurde meines Erachtens jedoch etwas unnötig als Stimmungseinheizer eingesetzt. Die darauf folgenden Klassiker Still Waiting und In Too Deep hätten die Meute schon genug aufgeputscht. Aber so addierte sich die Gesamtspielzeit von Sum 41 auf fast zwei Stunden.

Dass die Band heutzutage noch so mitzureissen vermag, ist nicht selbstverständlich. Während Frontmann Deryck Whibley auf der Bühne umher wirbelte, wollten vor meinem geistigen Auge die Bilder von Derycks Spitalaufenthalt, nachdem er sich fast zu Tode gesoffen hatte, nicht weichen. Gut dass sein Körper die Notbremse gezogen hatte und ihm so eine zweite Chance ermöglichte. Auch Deryck ist sich bewusst, dass er ohne seine Fans nicht hier stehen und per formen könnte. Weshalb er sich immer wieder beim Publikum bedankte und ihnen den Song War widmete, der von seinem Kampf zurück ins Leben handelt. Denn Musik hat mehr Macht als nur die Hintergrundbeschallung in sonst stillen Räumen zu sein.