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Die deutsche Torhüterin Nadine Angerer gilt als eine der weltweit besten Fussballerinnen. So erhielt sie nicht nur die Auszeichnung zu Europas Fussballerin des Jahres 2013, sondern wurde auch zur Weltfussballerin des Jahres 2013 ausgezeichnet. Die zweifache Weltmeisterin und fünffache Europameistern schildert, warum Fussball auch nur Fussball ist, erklärt, weshalb es schwierig ist, Sport und Ausbildung unter einen Hut zu bringen, und verrät, was sie in Amerika besonders beeindruckt hat.

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Nadine Angerer am Ball (Foto: CP Colvin Photography)

Frauenfussball verglichen mit dem Männerfussball –  was fällt dir spontan dazu ein?

Nadine Angerer: Dass es dieselbe Sportart ist. Es gibt für mich keine Unterschiede, es sind die gleichen Regeln etc. Aber natürlich weiss ich, worauf die Frage ausgelegt ist. Falls damit das Einkommen gemeint ist – auch da mache ich keine Unterschiede zwischen Männer und Frauenfussball, sondern vergleiche uns eher mit anderen Frauen-Mannschafts-Sportarten. Da geht es uns gut.

Wie hat sich der Frauenfussball, deiner Meinung nach, in den letzten drei Jahren verändert?

Ich kann es nicht genau beurteilen, wie sich der Frauenfussball exakt in den letzten drei Jahren verändert hat. Ich kann nur sagen, dass die Zahl der jungen, aktiven Fussballerinnen stetig steigt. Auch hat sich das Spiel in puncto Schnelligkeit, Technik und Taktik enorm gesteigert. Das Interesse ist generell gewachsen.

Eben erst standest du noch für Portland in der amerikanischen Frauenliga NWSL im Tor. Mit der deutschen Nationalmannschaft bereitest du dich nun auf die kommende Weltmeisterschaft in Kanada vor.
Wo liegen die Unterschiede zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Frauenfussball? ?

Der amerikanische Fussball ist unglaublich schnell. Die Amerikanerinnen sind enorm laufstark. Der Schwerpunkt in Europa liegt mehr bei der Technik. Besonders in Portland sind die Fans unfassbar. Bei unserem letzten Heimspiel waren knapp 20’000 Zuschauer im Stadion. Das ist enorm. Das habe ich so noch nicht erlebt.

Wie ist der Stellenwert einer professionellen Fussballspielerin in Amerika verglichen zu Europa?

Der Stellenwert ist derselbe, bis auf dass in den USA gewisse Spielerinnen sehr von den Medien gepusht werden und somit auch mehr Geld durch, unter anderem Marketing verdienen. Das fehlt in diesen Dimensionen in Deutschland.

Du wurdest bereits mehrfach ausgezeichnet unter anderem zur Weltfussballerin des Jahres 2013 und Europas Fussballerin des Jahres 2013. Dennoch scheinst du sehr auf dem Boden geblieben zu sein.
Wie wichtig sind dir solche Auszeichnungen?

Diese persönlichen Auszeichnungen bedeuten mir sehr viel, und ich habe mich über jede Einzelne sehr gefreut. Nichtsdestotrotz bin ich mir bewusst, dass diese Leistungen ohne ein gut funktionierendes Team nicht möglich gewesen wären.

Wie gut lässt es sich allgemein als Fussballspielerin leben?

Generell bin ich mit meinem Leben sehr zufrieden, so wie es ist. Ausgesorgt habe ich bei weitem nicht, aber das Wichtigste für mich ist, das ich zufrieden und glücklich bin.

Du hast neben dem Fussball spielen mehrere Ausbildungen gemacht. Unter anderem bist du ausgebildete Physiotherapeutin.
Wie wichtig ist es für junge Spielerinnen neben dem Fussball noch eine Ausbildung bzw. ein Studium zu machen?

Ich denke, dass es sehr wichtig ist eine Ausbildung bzw. ein Studium zu machen. Wobei ich auch sehe, wie schwierig es für junge Spielerinnen geworden ist, eine Ausbildung bzw. ein Studium und Fussball unter einen Hut zu bringen. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Anzahl der Lehrgänge und Turniere für die Jugend Nationalmannschaften rapide zugenommen hat. Die Anzahl der wöchentlichen Trainingseinheiten hat sich – im Vergleich zu vor fünf bis zehn Jahren – verdoppelt.

Hast du schon Pläne, was du nach deiner Karriere machen möchtest?

Ich habe so viele Pläne, mal schauen was noch alles kommt…

Was wünschst du dir für den Frauenfussball in Zukunft?

Ich wünsche mir mittelfristig für alle Bundesliga-Spielerinnen eine Semi-Professionalität und langfristig, dass jede von ihrem Beruf als Fussballerin leben kann.

Was wünschst du dir für dich in der Zukunft?

Weiterhin ein erfülltes Leben.

Nadine Angerer
Nadine Angerer wurde am 10. November 1978 in Lohr am Main in der nähe von Frankfurt geboren. Ihre Karriere startete die Deutsche als Stürmerin beim ASV Hofstetten. Bei einem Sichtungsspiel ersetzte Angerer eines Tages die verletzte Torhüterin, wurde dabei entdeckt und in die Bayernauswahl aufgenommen.
Ihr Debüt bei der deutschen Nationalmannschaft feierte sie bereits 1996, wobei sie in den darauffolgenden zehn Jahren als Ersatztorhüterin kaum eingesetzt wurde. Im Jahr 2007 stand sie schliesslich an der WM in China im Tor. Dort holte sie sich nicht nur den Weltmeistertitel, sondern auch den der besten Torhüterin des Turniers: Sie war in allen sechs Spielen ohne Gegentor geblieben war, was zuvor keiner Torhüterin und keinem Torhüterin je bei einer Weltmeisterschaft gelungen war. In den vergangenen Jahren spielte sie unter anderem für den 1. FFC Frankfurt, in Australien für den Brisbane Roar FC und in dieser Saison für Portland in Amerika.