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Sie kamen, sahen und spielten: In Extremo! Mit ihrer neuen Platte «Kunstraub» im Gepäck liessen sie es am Sonntagabend richtig krachen. Dieses Mal zwar ohne Pyro, dafür mit umso mehr Bass, Rock und einer saumässig spielfreudigen Laune. Eine sehr bewegende Show, von der man gerne etwas Tinnitus mit nach Hause nahm.

Artikel 2013-11-12 - In_Extremo_001

Das letzte Einhorn hat sichtlich Freude (Foto: Matt Hoffmann)

Wie lässt man ein Wochenende am besten ausklingen? Ganz klar mit toller Musik – vorzugsweise von In Extremo. Das haben sich wohl einige gedacht. Das Komplex 457 war, obwohl Montag vor der Tür stand, proppenvoll, wenn auch noch einige Karten unverkauft blieben.

Schon zur Vorband Hassliebe war der Club gut gefüllt. Zuerst verhielt sich das Publikum zwar zaghaft, doch die deutsche Rockband hatte den Auftrag, uns warm zu spielen und ein totaler Kaltstart wäre ungesund gewesen. Sie zogen ihren Plan durch und nach ein paar Songs und Animationsrufen lief alles rund. Am Schluss wurde Frontmann – und von weitem geschätzt Schwergewicht – Matthias Münch sogar auf den Händen von ein paar starken Burschen getragen, während dem er gekonnt weitersang. Hassliebe ein interessanter Mix aus Heavyness und Punk Rock waren für diesen Abend ein gut gewählter Act, welcher sich auch auf balladeskem Terrain bewegen konnte.

Kunstraub mit Getöse

Nach kurzer Umbauphase gingen die Sirenen los und das Publikum wusste, die Räuber sind im Anmarsch. Etwas laut für eine Diebesbande polterten sie auf der Bühne los. Gestartet wurde gleich mit dem Titeltrack des neuen Albums mit Kunstraub.
Vieles hat sich verändert und doch ist alles beim Alten geblieben. Einige der sieben Spielmänner kamen  im neuen Gewand; so zum Beispiel Yellow Pfeiffer und Flex Der Biegsame; sahen aber mindestens so sexy aus wie mit den früheren Outfits. Die neuen Songs wurden gekonnt eingebunden, so dass sie mit den alten Meisterwerken eine fein abgestimmte Show ergaben. In Extremo haben sich klar weiterentwickelt in Richtung Rockband mit mittelalterlichen Instrumenten, überzeugen aber weiterhin mit ihrer Vielseitigkeit und dürften bestimmt auf jedem Mittelaltermarkt spielen. Die neue härtere Gangart lässt dem Schlagzeuger Specki, welcher auch optisch erhöht spielte, sowie dem Bassisten Die Lutter und dem Gitarrist Van Lange mehr Spielraum. Der Sound wurde übrigens wie so oft schon im Komplex zuerst mässig gut abgeschmischt, kam mit der Zeit dann aber doch noch auf ein gutes Level.

Das Vorbild: Das letzte Einhorn

Die sieben Spielmänner hatten sichtlich Spass auf der Bühne. Frontmann Das letzte Einhorn führte das Publikum mit seinen flotten und frechen Ansagen durch den Abend und bedankte sich mehrmals beim total geilen Zürcher Publikum. Dass In Extremo gerne in der Schweiz spielen, betonen sie immer wieder und man merkt dies auch. Kein Wunder: Die Stimmung kochte, es wurde wild herumgepogt, mitgesungen und Zwischenrufe wie «Du bist mein Vorbild!» verstärkten wohl ihr Gefühl, am richtigen Ort zu spielen. Das Einhorn meinte zwar, dass man besser Dr. Pymonte als Vorbild nehmen würde. Was die Vielfalt der Musikinstrumente anbelangt, welche dieser Mann beherrscht, bin ich mit ihm einig: Marktsachpfeife, Schalmei, Hackbrett, Harfe und dann bedient er auch noch den Sampler. Schon fast kriminell so was! Doch trotz des phänomenalen Kunstraubs blieb die Polizei fern. In Extremo wissen halt, was sie tun.

Jeder Besucher nahm zum Schluss seinen eigenen Ohrwurm vom Konzert mit. Diejenigen ohne Stöpsel hatten daneben wohl noch andere Grüsse aus dem Ohr; nämlich vom Onkel Tinnitus.