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Hans Zimmer, bekannt für seine epischen Soundtracks, im Hallenstadion erleben zu dürfen, das allein war schon Grund genug für monatelange Vorfreude. Hohe Erwartungen sind immer etwas gefährlich. Allzu oft werden sie enttäuscht. In diesem speziellen Fall wurden sie allerdings übertroffen – mit Menschlichkeit, Emotion und einem Höllenritt, der nach Worten sucht.

Die Stimmung im Hallenstadion knisterte schon, bevor das Licht ausging. Gespannt, was sich dem geneigten Zuhörer mit dem Hang zu epischen Soundtracks und Höhepunkten der klassischen Art bieten wird, wurde Hans Zimmer mit tosendem Applaus begrüsst, als er diskret die Bühne betrat. Der deutsche Filmkomponist und Oscar-Preisträger ist nicht bekannt dafür, dass er viele Worte verliert, geschweige denn gerne im Rampenlicht steht. An diesem 26. Juni 2017 allerdings, bedachte er das Publikum mit vielen Gesten der Dankbarkeit und Wertschätzung.

Begonnen haben die ersten acht Minuten mit einem Medley aus den Filmen Miss Daisy, Sherlock Holmes und Madagaskar. Ganz locker stieg er ein, mit dem Piano und einem Mann an der Klarinette. Nach und nach kamen immer mehr Musiker auf die Bühne.

Der erste Gänsehaut-Moment passierte, als der Vorhang hinter den Musikern sich lüftete. Das Orchester stieg fulminant mit ein. Staunende Gesichter – ein Gefühl der Ergriffenheit über diese Wucht an Klängen. Kaum war dieser Moment vorüber, jagte der nächste Vorhang in die Höhe – der 15-köpfige Chor gab dem Erlebnis den Boden, den es den Zuschauern jedoch einen Moment entriss ob dieser überwältigenden Harmonie.

Tiefe Bewegtheit

Mystische Klänge entlockte eine der schillerndsten Figuren an diesem Abend seiner Flöte – Pedro Eustache versetzte die Audienz zu Beginn des Gladiator-Medleys mit so viel Herzblut und Gefühl in eine Stimmung, die durch Mark und Bein drang. Mit Czarina Russell nahm die Stimme den Platz am Mikrofon ein, die für eindrucksvolle und tief bewegende Gefühle sorgte.

Die Augen geschlossen formte sich die Arena der Gladiatoren um das Hallenstadion, schicksalsschwere Gefühle, die mit einem tiefen Seufzen nicht wegzuatmen waren. Hans Zimmer schickte uns einen Moment in die Hölle – um gleich darauf die Hand auszustrecken mit versöhnlichen Melodien, die schweren Gefühle auflösend in einen verträumten Rausch.

Das Lion King-Medley barg Überraschungen. Nach den ersten Klängen bot Lebo M mit seiner Tochter Refi ein Feuerwerk der Stimmen. Die rote Sonne der Savanne im Hintergrund fand sich das Publikum zurückversetzt in Kindertage mit dem wunderbaren Film. Satnam Ramgotra am Schlagzeug, der so eigenwillig wie einzigartig mit den Schlagstöcken hantierte.

Die Filmmusik zu Angels & Demons besass so viel Sentiment, dass mir die Tränen in die Augen stiegen.

Düstere, desperate Ambiance

Hans Zimmer und seine Crew waren richtig laut. Das wurde besonders deutlich, als die Soundtracks zu Batman ihren Weg durch die Reihen fanden. Es war imposant, düster und wild. Die Lichttechnik hat wirklich alles gegeben. Im Hintergrund waren grafische Darstellungen zu sehen. Die Lichtsäulen rasten von links nach rechts, stampften in die Mitte und hinterliessen den perfekten optischen Eindruck der düsteren desperaten Ambiance – er liess uns das alles im Schnelldurchlauf erleben. Bestimmt nur ein kleiner Eindruck dessen, was er während des Komponierens an Empfindungen haben musste. Und das wurde auf der Bühne von diesen wunderbaren Künstlern in Perfektion umgesetzt.

Interstellar – dieser Soundtrack geht unter die Haut. Guthrie Govan an der Gitarre, Hans Zimmer an der Orgel – vollendete Magie die nie hätte enden können. Die Luft knisterte, als hätte jemand Pappmaché-Sterne in den Himmel gehängt. Zum Greifen nah.

Grande Finale

De facto konnte Hans Zimmer nicht gehen ohne dem Publikum Inception zu schenken. Tat er auch nicht. Er lud die gespannten Menschen ein, die letzte Reise an diesem Abend zu erleben. Und dies tat er mit Genuss. Das Piano-Spiel hätte nicht gefühlvoller sein können. Guthrie Govan legte noch einmal sein ganzes Herz in diese Töne, die so eingängig wie einfach daher kamen. Ein Urgefühl, welches sich vom Bauch bis in die Haarspitzen bemerkbar machte, als das Orchester noch einmal sanft aber bestimmt zum Höhepunkt drängte. Herausgezögert hat er es – bis es kaum mehr auszuhalten war. Erlösung verschafften die letzten leisen Klänge. Fassungslos, dass dieses Erlebnis nun vorbei sein sollte.

Unter Standing Ovation wurden die Musiker und Hans Zimmer verabschiedet. Und uns bleibt nur eines. Hoffen, dass wir dieses Gefühl noch einmal erleben dürfen.