Das Schweizer Rocktrio Spencer taufte vergangenen Freitag ihre EP «Sound of the Ambulance». Im Zürcher Stall 6 stellte die Band ihre frischen Songs im kleineren Rahmen vor. Doch der Spielfreude tat dies keinen Abbruch.

Spencer war damals Inhalt des ersten Konzertberichts überhaupt, als Negative White online ging. Die EP-Taufe zu verpassen, wäre ein Fauxpas ohnegleichen. Wer Spencer zudem einmal live gesehen hat, weiss genau, was einem entgehen würde.

Und so kannte man sich im ehemaligen Reitstall, einer einladenden Location, und traf alte Freunde. Warm ausgeleuchtet von ausgedienten Schirmlampen. Trotzdem: Der Stall 6 ist kein idealer Ort für Konzerte, vor allem für die fleissigen Pressefotografen. Da nebenan ein Theater aufgeführt wurde, war der Konzertbeginn erst zur fortgeschrittener Stunde angesetzt.

Als der Raum endlich abgedunkelt wurde, legten Spencer gleich los. Schon beim ersten Song riss die Verbindung zwischen Leo Niessners Gitarre und Verstärker, so wild bewegte er sich. Wie das Trio auf der Bühne richtig aufging, wird dem aufmerksamen Betrachter eines klar: Diese Musiker beherrschen ihr Handwerk. Auch ohne elektronische Einschübe, wie etwa im Song Timewarp bestechen die Jungs mit ihrem Können.
Insofern ist es fast eine Beleidigung, Spencer mit dem typischen Indie-Rock gleichzusetzen. Die Band ist musikalisch zu jeder Epoche der Gitarrenmusik vernetzt. Während der moderne Indie-Rock brav, politisch korrekt daher kommt, geben sich Spencer frech und dreckig. Kein Wunder, Niessner und Schlagzeuger JP Free sind Musiker der alten Schule. Die Rebellion fliesst immer noch in Spencers Blut. Get Out Grateful Dead handelt davon, wie die Hippie-Ikonen mit einem Bus LSD verteilten.
Sie wissen auch, kreativ auf die EP hinzuweisen:

Dann ging es ans Eingemachte. Going North wurde vorab bereits gehört. Ein Fernwehsong mit Mitsingpotential: «’Cause it feels like coooooming home!» – Wobei natürlich die Frage bleibt, was man im Norden will. In Zürich war es doch schon genug kalt! Mit The Sound of the Ambulance, dem gleichnamigen Titel, zog die Band an und brachte die Leute zum Tanzen.

Zeitreise: 20 Jahre zurück. Um Paschi Münger – dem neuen Mann am Bass – einen Gefallen zu machen, spielten Spencer einen Song, den Leo Niessner und JP Free vor einiger Zeit aufgenommen hatten. Dann fetzten sie richtig los. Eine rassige Rock’n’Roll-Nummer, schnell und mitreissend. Nochmals stellte Niessner sein Können an den Saiten unter Beweis. Aufbegehrende Gitarrensolis, auf dem Boden zu Füssen des Publikums liegend, sind sein Metier.

Für den darauffolgenden Stilbruch, entschuldigten sich die Jungs. Aber das sie Spencer seinen, würden sie es trotzdem machen. Es folgte Come Around. Ja, der Kontrast hätte krässer nicht sein können. Eine dunkle, düster-bedrohlich pumpende Ode an den Gothic-Sound. Die EP-Taufe schloss schliesslich mit Timewarp vom letzten Album. Nochmals wurde Öl ins Feuer gekippt.

Spencer lebt nicht nur von ihren Songs, die einfach für die kleine Bühne gemacht sind, sondern von der unglaublichen Spielfreude der Musiker. Egal, ob vor tausend Leuten oder zehn Nasen – sie geben immer alles. Grundehrlicher Spass an dem, was sie tun, macht Spencer so sympathisch, dass man mit ihnen gerne ein Bier oder zwei kippen möchte. Es ist der Band auch egal, wenn nur jemand im Publikum etwas mit ihr anfangen kann. Sie spielen dann einfach für diese eine Person. Geniessen tun sie es sowieso!