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Am Samstag feierte der Spielfilm «Snowden» am Zurich Film Festival (ZFF) Premiere. Der Film von Oliver Stone ist unprätentios, wenig aufregend und lässt einen fast etwas unbefriedigt zurück – womit genau das gelingt, was wichtig ist. Denn damit zeigt «Snowden», dass diese Diskussion noch nicht abgeschlossen sein darf.

Es war eine Geschichte, die die ganze Welt aufrüttelte: Der Enthüllungsskandal um Abermillionen von gesammelten Daten unschuldiger Bürger, ausgelöst durch einen bleichen, dünnen Systemtechniker aus den USA, sorgte für Empörung und Enttäuschung.

Edward Snowden, der, schon kurz nachdem die Daten an die Öffentlichkeit kamen, seine Identität preisgab und beteuerte, sollte ihm ein fairer Prozess gemacht werden, wäre er sofort bereit, in seine Heimat zurückzukehren (denn der schlaue IT-Spezialist, der wusste, was ihm zu Hause blüht, befand sich längst im Ausland), wurde sogleich zum unfreiwilligen Helden. Obwohl man diesem jungen Mann, der keine zwei Gesichtsausdrücke zu beherrschen schien, irgendwie nicht sehr viel Sympathie entgegenzubringen vermochte.

Der Aufstieg in den Untergrund

Auch, wenn man sich vielerorts für ihn einsetzte, ihn mit Preisen überhäufte und sich darüber empörte, dass er in Russland Asyl erhielt, während ihn der Rest der (politischen) Welt verteufelte: Snowden wurde nie zum Sinnbild für Freiheit, zum Retter einer Generation erklärt, und die Hysterie um seine gute Tat verebbte bald. Was wohl schliesslich dazu beitrug, dass er – wenn auch in einem fremden Land und mit niemandem als seiner Freundin an seiner Seite – ein neues, mehr oder weniger normales Leben beginnen konnte.

Das Filmsubjekt Ed Snowden

2014 nahm sich die Dokumentarfilmerin Laura Poitras, die den Amerikanern schon wegen ihres Interesses am Irakkrieg und der kritischen Berichterstattung über das Amerika nach 9/11 ein Dorn im Auge war, seiner an. Der Film Citizenfour erhielt einen Oscar als bester Dokumentarfilm, und das bleiche Gesicht, das man aus Videos kannte, erhielt eine Geschichte, einen Hintergrund.

Mit Snowden wurde die Geschichte um den «29-jährigen Computerhacker», wie Obama ihn einst abschätzig nannte, erneut aufgegriffen. In Form eines Spielfilms erzählt Oliver Stone (Wall Street: Money Never Sleeps, 2010) aus dem Leben des jungen Genies, das keinen High School-Abschluss hat und sich im Militär beide Beine bricht, daraufhin aber bei der CIA angestellt wird und nach und nach vom konservativen Regierungs-Befürworter zum Zweifler an sich selbst wird.

In der Rolle von Snowden überzeugt Joseph Gordon-Levitt, dem es gelingt, den dürren Nerd gerade so aufzupeppen, dass man ihm den Rubik’s Cube-Süchtigen noch abnimmt, ihn aber um einiges sympathischer findet als das echte Exemplar. Damit schafft Stone den Balance-Akt zwischen dem dokumentarischen Inhalt und dem Genre des Spielfilms, das einen Kinogänger schnell skeptisch werden lässt.

Die Welt ein bisschen verändern

Obwohl es an der Inszenierung des Skandals etwas hapert, ist eins nicht zu bestreiten: Die Entwicklung, die Snowden durchmacht, um zu dem zu werden, was er heute ist, wird sowohl glaubhaft wie auch einfühlsam beschrieben. Es wird nicht auf pseudo-psychologische Kindheitstraumata oder Schlüsselerlebnisse, die nie stattgefunden haben, zurückgegriffen. Im Gegenteil: Snowden zeigt haargenau und durchaus kritisch, dass es eigentlich zu lange dauerte, bis der Geheimdienst-Mitarbeiter endlich begriff, was er da tat und was die Bedeutung für die ganze Welt war.

Der Film betont mehrmals, dass es Snowden schwerfiel, ein komfortables Leben aufzugeben, um «das Richtige zu tun», und er zeigt durchaus auch seine besserwisserische, paranoide und schlaumeierische Seite und die Charakterzüge, die einem nicht gerade als Erstes einfallen, wenn man an einen Helden denkt.

Und so ist Snowden durchaus geradlinig: Der Hacker ist kein Erretter einer Generation. Aber er wird vielleicht zu einem Diskurs beitragen, der immer wichtiger wird; und das ist alles, was er je wollte.

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Reguläre Spielzeiten

  • ab 6. Oktober 2016