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Nach vier Jahren: Endlich ein neues Album von Peter Kernel. «Thrill Addict» heisst die neue Scheibe und fügt sich wunderbar in Peters Welt ein. Ein Album, welches man sich anhören sollte.

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Was verbindet die Schweiz und Kanada? Vielleicht vieles, aber die wichtigste Verbindung sind Barbara Lehnhoff (der kanadische Teil) and Aris Bassetti (der Schweizer Teil). Zusammen ergibt das Peter Kernel, eine «Art Punk»-Band, wie sie sich selbst beschreiben.

In der Tat ist die Musik von Peter Kernel nur schwer zu definieren. Am ehesten hört sich die Band wie eine eingängigere und angenehmere Version von Sonic Youth an. Aber mit Vergleichen tut man dem Duo unrecht, denn was sie abliefern, ist eigenständig, überraschend und gut. Sätze wie «Die Hören sich an wie Band XY» sollte man gar nicht im Zuge mit Peter Kernel nennen.

Thrill Addict heisst das neue Album, besteht aus 12 Liedern (zu zweien gibt es ein Videoclip). Herausgekommen ist es wie die vorherigen Alben (How To Perform A Funeral, 2008; White Death Black Heart, 2011) bei ihrem eigenen Label «On the Camper records».

Mit dem Lied Ecstacy beginnt das neue Album. Ecstacy, oder eher das Glücksgefühl nach dem Konsum, trifft auf das ganze Album zu, es macht Spass es zu hören. Ein gut gewähltes Einstiegslied. Verzerrter Bass, verzerrte Gitarre und Ari Bassetti’s melancholisch anmutender Gesang. Aber auch die lyrischen Komponente verströmen eine Melancholie:

The Thing is I’m falling down
Falling from the sky.

Kurz danach beginnt Peters Kernels eigene Wechselspiel des Gesangs. Zuerst der Mann, dann die Frau, beide zusammen, all das in beliebiger Reihenfolge. Der Gesang von Barbara Lehnhoff dürfte auch einigen bekannt vorkommen, sie ist auch die Stimme hinter Camilla Sparksss.

Doch weiter mit dem Album. Der Klang der Musik orientiert sich an den bereits bekannten Stücken der vorherigen Alben. Aber die Musiker sind es sich nicht zu schade, neue Elemente einzufügen. So etwa die Trommeln in High Fever (wird da auf Blech geschlagen?). Der Rhythmus der Lieder variiert häufig, oftmals kommt er mit einer Indie-Rock-Attitüde daher. Tanzbar, fetzig sind die passenden Adjektive.

Bei High Fever offenbart sich auch ein weiteres Element des Songwrittings: Wiederholungen. Immer wieder, immer wieder dieselbe Zeilen. Was geschrieben, was geschrieben, was geschrieben, was geschrieben keinen wirklichen Reiz ausübt, übt ihn bei Peter Kernel aus. Immer wieder die selben Zeilen sorgen für einen tiefen Sog, aus dem man nur schwer entkommen kann (und nicht entkommen will).

Thematisch geht es im Album Thrill Addict vorwiegend um das Zwischenmenschliche. Liebe, Zuneigung oder Abneigung. Bei Your Party Sucks gibt es den Wandel vom Anfänglichen Schonen (We don’t have / Nothing else / Take my Hand) zu unschönen Ende. Aber auch die Identität ist ein Thema bei Supernatural Powers: It’s not about / Being the best.

Peter Kernel variiert bei den Texten, aber eben auch bei den Melodien. Die Instrumente sind teilweise wütend und verärgert, manchmal traurig oder einfach euphorisch. Der Gesang tut es ihnen gleich. Mal singt das Duo sanft und scheu, mal laut und aggressiv.

Gerade durch diese Vielseitigkeit im Rahmen ihres Stils ist das Album spannend. Weder sind sie die Ramones und produzieren 1’000 sich gleich anhörende Liederm noch erfinden sie sich bei jeder neuen Veröffentlichung neu.

Peter Kernel macht nicht Musik für die Party (wie auch der Titel Your Party Sucks), sie machen Musik für die nachdenklichen Momenten, driften aber nicht ins folkige-belanglose à la Mumfords and Sons ab. Der Grundtenor ist eher traurig. Es ist eine Band, die ohne Flirtereien mit Pop auskommt und gerade dadurch Musik kreiert, die unbedingt angehört werden sollte.