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Das Januar-Loch ist vorbei, die ersten neuen CDs kommen in die Läden. Emanuel Reiters Debüt-Album gehört dazu. Singer/Songwriter-Pop eines Bayern, der in der Schweiz eine neue Heimat gefunden hat. Sein Album handelt allerdings von der Heimat des Herzens.

Eine neue Singer/Songwriter-Scheibe flattert in die Redaktion und landet schlussendlich mal wieder in meinen Händen. Der Münchner Emanuel Reiter, der das Wiesn-Städtle gegen die Metropole Uzwil getauscht hat, tauft am 18. Februar sein Debüt-Album Von Guten & Anderen Zeiten in eben dieser Grossstadt, bevor sie dann am nächsten Tag offiziell in den Handel kommt.

Schon beim Titel und spätestens bei der Durchsicht der dreizehn Songs umfassenden Tracklist schwant mir übles. Alles Deutsch… das hatte ich doch schon einmal. Ach ja, Tiemo Hauer. Nun denn, es hilft nichts. Rein mir der Scheibe und mutig auf Play gedrückt.

Gleich der erste Song begrüsst einen freundlich mit «Hallo, wie geht’s dir?» und irgendwie fühle ich mich an Nur zu Besuch von Die Toten Hosen erinnert. Hallo, Wie Geht’s Dir? kommt zwar etwas fröhlicher daher, hat aber einen ähnlichen Vibe. Schlagzeug, Piano und Gitarre sind wunderbar aufeinander abgestimmt, so dass sich die Instrumente gegenseitig ergänzen, ohne aber irgendwie auszubrechen. Der Gesang legt sich wie eine warme Decke über die Instrumentierung und Emanuel hat es tatsächlich geschafft, den Song nicht in die Schlagersparte abdriften zu lassen, sondern ihn solide im rockigen Pop zu verankern.

Musikalisch gesehen funktioniert das gesamte Album auf diese Weise. Die meisten Songs sind verträumte Liebeslieder mit eingängigen Melodien. Allesamt radiotauglich und es würde mich nicht wundern, wenn man den einen oder anderen Titel auch hierzulande «On Air» hören wird. Was sie von dem ganzen 8/15-Pop-Gedudel abhebt, sind die Texte, die vielschichtig und oft voller Tiefgang sind. Das Spiel mit bunten Metaphern, Mitsing-Refrains und authentischen Lebenserfahrungen sorgt für einen Mix, der sowohl «Casual Listeners» wie auch Leute, die sich gerne in den Lyrics eines Songs verlieren, zu begeistern mag.

Für meinen Geschmack kommt das Album als Gesamtes etwas zu schmalzig rüber, ist zu stark Friede-Freude-Eierkuchen. Mir fehlen die Ecke und Kanten, die Kontrapositionen, der Facettenreichtum. Von Guten & Anderen Zeiten hat sich auf Liebeslieder eingeschossen und behandelt diese mit einer Inbrunst, von der sich viele andere anstecken lassen dürfen. Aber ich persönlich wünsch mir mehr. Zum Glück gibt es das auch.

Emanuel hat als erste Single den Track Hin & Weg gewählt und dazu ein sehr sympathische Video, welches an verschiedenen Orten in Zürich gedreht wurde, aufgenommen. Eine gute Wahl, welche das Album gut repräsentiert.

Der stärkste Song ist aber meiner Meinung nach Ich Weiss Nicht Wie (Die Eine Liebe). Diese Suche nach der einen wahren Liebe, die wir alle kennen, und Emanuel hat es geschafft, die richtigen Worte dafür zu finden, ohne im Kitsch zu landen. Alleine der Text ist Pathos in Reinkultur. Herzschmerz pur. Dazu die musikalische Umsetzung… dieser traurige Ansatz, dieser zurückhaltende Rhythmus in der ersten Strophe. Und dann dieses Helle im Refrain. Aber die wahre Grösse zeigt sich im Einsatz der Violinen, die das Gefühl von auf Schicksal’s Schwingen getragen zu werden perfekt transportieren. Grandios. Für mich der beste Song des Monats.

Alles in allem ist das Album leider etwas verspätet herausgekommen. Ursprünglich sollte es schon letzten Sommer/Herbst erscheinen, doch der beste Zeitpunkt wäre vor genau einer Woche gewesen, dann hätte man seiner Liebsten einen Strauss Liebeslieder schenken können.

Release:
19. Februar 2016

Label:
Phonector

Tracklist:
01 – Hallo, Wie Geht’s Dir?
02 – In Guten & Anderen Zeiten
03 – Wiedersehen
04 – Ich Weiss Nicht Wie (Die Eine Liebe)
05 – Meilenweit
06 – Am Hafen (Prelude)
07 – Zurück Zu Dir
08 – Aussergewöhnlich
09 – Hin & Weg
10 – Ich Will Nur Dass Du Weisst
11 – Ab Ans Meer
12 – Alles Gute & Viel Mehr
13 – Danke