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Zugegeben, die Eishalle Wetzikon ist sicher nicht die Location, in der man sich fünf Acts an einem Abend vorstellt. Eluveitie & Friends verwandelten die eisige Atmosphäre jedoch in einen brodelnden Kessel, in dem die Stimmung stellenweise zu kippen drohte.

Chrigel Glanzmann in seinem Element (Foto:Matthias Hoffmann)

Chrigel Glanzmann in seinem Element (Foto: Matthias Hoffmann)

Aber fangen wir am Anfang an. Die Nacht vor dem Konzert meinte es Frau Holle sehr gut mit der Schweiz und besonders der Region Wetzikon. Nur der stetige Einsatz des Winterdienstes machte es möglich, dass alle Fans und Akteure zur rechten Zeit am rechten Ort waren.
Bereits um 16:00 Uhr gab die Schweizer Band Miracle Flair den Auftakt in den Konzertabend.

Abgesehen von ein paar Schwierigkeiten mit dem Ton zu Beginn war dies ein durchaus angenehmer Auftritt, der in meinen Augen und Ohren allerdings eher in die Atmosphäre des mini Z7 passen würde. Das aus einem einfachen Grund: Die Sensitivität in Nicole Hartmanns Stimme verlor sich leider total in der Halle und kam so nicht zur Geltung. Ich freue mich, die Band in einer anderen Location nochmals zu hören.

Schweizerische Stimmgewalt

Die nächsten Schweizer schlugen musikalisch einen Richtungswechsel ein. Abinchova bewiesen in der darauf folgenden Stunde, dass Mythen und Sagen ganz schön real werden können, wenn man sich denn darauf einlässt. Ich bin ja nicht von Haus aus die Freundin des Growls (Grölen), aber Abinchova integrieren die melodiösen Parts perfekt in die harten Passagen, sodass auch ich zu einem Hörerlebnis komme. Nur schon die Anwesenheit eines Streichinstrumentes lässt mich in der Regel mit einem verzückten Grinsen vor der Bühne stehen. Hier wurde die Geige aber auch noch gefühlvoll gespielt. Leider waren auch hier die weiblichen Parts des Gesanges von Tonschwierigkeiten betroffen, was besonders schade war, denn die Stimmen von Nora und Patricia harmonieren einfach zu gut mit der Härte die seitens Arnaud ins Publikum gehämmert wird. Auch dieser Auftritt war sehr kurzweilig. Er hätte gerne noch etwas länger dauern dürfen.

Blues-Rock aus Schweden

Die Band von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte, enterte nach Abinchova sofort die Bühne. Blues Pills aus Schweden kümmerten sich mit ihrer eigenen Art ums Publikum. Der Bruch, der stattfand, war dann vielleicht etwas zu hart für den Moment und den Bierpegel, den die meisten der Besucher schon hatten. Blues-Rock war angesagt. Dieser war, wie man sich das vorstellt, Performance-technisch eher reduziert. Die Stimmfarbe von Elin Larsson ist nicht mit anderen zu vergleichen und hinterliess Gänsehaut. Es war Musik zum Zurücklehnen und geniessen. Auch diese Band gerne nochmals in einer kleineren Location.

Pyrotechnik der Extraklasse

Schon die Umbauphase für den nächsten Act war ein Event für sich. Instrumente, für die man keinen Namen kennt, standen auf der Bühne, den Pyrotechnikern standen die Schweissperlen auf der Stirn. Na? Natürlich – In Extremo standen in den Startlöchern um die Halle nun endgültig zum Kochen zu bringen. Dies war auch keine Kunst, man hätte meinen können sie seien der Headliner an diesem Abend. In Extremo lieferten einfach wie immer die perfekte Show. Von Papierschlangen, die mit lautem Knall in die Menge schossen über Feuerkugeln bis hin zum Glitzervulkan war einfach alles vertreten, was man sich bei so einem Auftritt wünscht. Nicht nur die Männer auf der Bühne waren mehr als nett anzusehen – (und Mädels, ihr geht sicher mit mir einig – DAS WISSEN SIE AUCH!) auch der Sound war einwandfrei. Das Beeindruckende an Konzerten von Bands wie In Extremo ist ja immer wieder die Vielfalt der Instrumente, für die wir wie schon erwähnt keine Namen mehr kennen. Besonders angetan hat es mir das Harfenspiel von Dr. Pymonte. Wenn hartgesottene Kerle mit Flöten und Harfen hantieren, dann kann man eigentlich nur verzückt dastehen und es einfach toll finden. Über die Stimmgewalt des letzten Einhorns Michael Robert Rhein müssen wir uns gar nicht erst auslassen. Die geht mehr als unter die Haut.
Auch das Publikum dankte der Band mit Applaus, der nicht mehr enden wollte. Die Frage ob Eluveitie das noch toppen können drängte sich zwangsläufig auf.

De Ruef vo de Bärge

Wer die Band kennt, weiss allerdings, dass dies problemlos möglich war. Nicht weil die einen besser als die anderen waren. Nein, Eluveitie hat das Heu einfach auf einer ganz anderen Bühne. Diese wurde für den Auftritt des Headliners übrigens nochmals extra vergrössert.
Das Publikum war sehr aufgedreht und die ersten Moshpits waren schon beim Intro zu erkennen. Moshpits machen ja auch nur Spass, wenn man selber gerne mit dabei ist. So kamen einige der Zuschauer in den zweifelhaften Genuss eines riesigen Moshpits, der von oben betrachtet schon eher auf der brachialen Seite einzuordnen war. Die Gemüter derer, die nun so gar keine Lust darauf hatten, kühlten sich aber auch schnell wieder ab, denn das Geigenspiel von Nicole Ansperger sorgte für die nötigen melodiösen Parts. Es war das erste Mal dass ich Eluveitie ohne Meri Tadic gesehen habe und ich muss sagen – Nicole ist ein mehr als würdiger Ersatz. Überhaupt war der ganze Auftritt, das Finale an diesem kalten Tag dem Jahresende nahe so voller Kraft und Power, wie man es sich nur wünschen konnte.
Wirklich helvetische Stimmung machte sich breit als Anna Murphy ihre Drehleier zur Seite packte und De Ruef Vo De Bärge anstimmte. Nun bekam auch ich Gänsehaut und feierte mit der Masse mit die den Text mitgrölte.

Fazit: Ein Abend voller Gefühle und eine Palette an Musik die durchaus nach Wiederholung schreit.

Eluveitie
In Extremo
Blues Pills
Abinchova
Miracle Flair