Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Unglaubliche acht Jahre ist es her, seit Franz Ferdinand das letzte Mal eine Clubshow in der Schweiz gespielt hatten. Gross war der Ansturm auf die Tickets und das X-Tra konnte bereits im Januar ein volles Haus verbuchen. Beste Bedingungen für die ehemalige Speerspitze des britischen Indie-Rocks zu zeigen, dass sie keinesfalls an Relevanz eingebüsst haben.

Artikel 2014-04-06 - Franz Ferdinand - Artikelbild

Franz Ferdinand spielen vor vollem Haus (Foto: Roman Gaigg)

Der Konzertabend wurde vom englischen Quartett Teleman eröffnet. Ausser dem Schlagzeuger spielten diese bereits als Pete And The Pirates zusammen und waren nun bemüht, mit ihrem neuen Projekt dem Publikum ihr Debütalbum Breakfast schmackhaft zu machen. Ruhige Indie-Pop-Lieder, mit flächig angelegtem Synthesizer-Einsatz um die markant hohe Stimme von Tommy Sanders, zurückhaltend doch stets sympathisch vorgetragen. Etwas zu brav und unscheinbar. Ohne wirkliche Ecken und Kanten plätscherte ihr Auftritt dahin und auch ohne gross darauf vorzubereiten, was der Abend noch so zu bieten hatte.

Enthusiasmus und Spielfreude

Pünktlich wurde das Licht in der Halle gelöscht und mit dem gleichen Intro, welches Franz Ferdinand schon seit Jahren benutzen betraten sie die Bühne. Mit Bullet als Opener wurde von Anfang an klargestellt, dass die vier Herren keineswegs altersmüde, sondern noch immer an Enthusiasmus und Spielfreude reich sind. Obwohl der Song schon gut schmissig vorlegt, begnügte sich der Grossteil des dicht an dicht stehenden Publikums mit Mitsingen und ersten Eindrücke sammeln. Zu sehen gab es viel: Zum einen sind da die Visuals die über die Leinwand hinten flimmern – wild tanzende geometrische Formen, konstruktivistische Elemente, die schon seit Beginn ihrer Karriere in Artwork und Videoclips einen signifikanten Teil der Franz-Ferdinand-Ästhetik ausmachen. Und zum anderen das neue einheitliche Bühnenoutfit der Band, welches nicht an aufgezwungene Uniformen erinnert, sondern eher ein abgestimmtes Bild der Band vermittelt. Die Band selber war in Höchstform. Schlagzeuger Paul Thomson und Bassist Bob Hardy sorgten für den richtigen Rhythmus, die Posen von Frontmann Alex Kapranos sassen und das Rumtänzeln von Gitarrist Nick McCarthy hätte einladender nicht sein können, ob nun hinterm Mikrophon, am Keyboard, im Bühnengraben oder sonst wo.

Die von der Bühne ausgehende elektrisierende Energie, konnte auch von den Zuschauern nicht lange ignoriert werden und allerspätestens bei Do You Want To, dem Hit vom zweiten Album, sprang der Funken auch bis ganz nach hinten und das Konzert erhielt seinen ersten Höhepunkt noch im ersten Viertel. Doch noch etliche weitere Höhepunkte sollten folgen.
Wer Franz Ferdinand in den letzen zwei Jahren auf einem Festival erlebte, der kann sich vielleicht noch daran erinnern, wie sie aus ihrem Lied Can’t Stop Feeling ein grandioses Mash-Up mit Donna Summers I Feel Love bastelten. Vom Discohit lediglich noch einige Fragmente der Melodie entlehnt, geht Can’t Stop Feeling neuerdings direkt in Auf Achse über, einem Live-Klassiker der einige Jahre lang nicht mehr zum Standartrepertoire der Band gehörte.

Hits, Hits, Hits

Weitere einzelne Highlights hervorzuheben fällt schwer. Nicht etwa weil es keine gab, sondern weil der Schlussblock des Hauptsets quasi wie ein einziger, lang anhaltender Höhepunkt wahrgenommen wurde. Take Me Out bringt heute, wie damals schon vor zehn Jahren die gesamte Masse zum Kollektiv-Ausrasten. Neue Songs wie Love Illumination bildeten nahtlos eine Brücke in der Playlist, die Durchschnaufen nicht zuliessen. Und als die Stimmung gerade so schön auf dem Siedepunkt war, entschied sich Gitarrist Nick McCarthy zu einem Stagedive ins Publikum, um dort auf dem Rücken und von den Fans getragen seine Parts zu This Fire zu spielen. Dass sein Ausflug minutenlang und bis fast zum Mischpult nach hinten reichen würde, hatte er wohl nicht erwartet und bedankte sich deshalb, auf der Bühne wieder heil angekommen, beim Publikum dafür. Echt schön zu sehen, wie die Band selber auch enorm viel Spass an ihrem Auftritt hatte.

Auch als sie für den Zugabenblock wieder die Bühne betraten, wurden zunächst La-Ola-Wellen mit dem Publikum veranstaltet, was Franz Ferdinand übrigens jeweils nur mit dem Schweizer Publikum machen. Musikalisch hätte die Zugabe vielfältiger nicht sein können: Mit Right Action, dem Opener des aktuellen Albums, ein typisch flotter Franz-Ferdinand-Song. Darauf folgte ein Lied das zwei Tage zuvor gerade erst seine Livepremiere erlebte. Erdbeer Mund, die B-Seite zur kommenden Singleauskopplung Fresh Strawberries, ist vom in Bayern aufgewachsenen McCarthy komplett in deutsch gesungen und frönt zudem der Neuen Deutschen Welle. Einen weiteren Publikumsliebling wurde mit Jacqueline zum besten gegeben. Den passenden Abschluss des Konzertabends setzte die Band mit Goodbye Lovers & Friends. Von den Zuschauern gebührend gefeiert, wurde klar, dass Franz Ferdinand auch heute noch ihren Status als eine der besten britischen Indie-Rock Bands zurecht verdient haben.