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Moderat kamen nach Zürich um ihr drittes Album «III» zu präsentieren. Das Konglomerat aus zwei Bands vereint alles zwischen orchestral und digital.

Moderat (Foto: zvg)

Moderat (Foto: zvg)

Moderats Musik ist sehr elektronisch. Viele elektronische Musiker drücken bei ihren Auftritten vor allem Knöpfe und drehen Regler. Moderat haben in einem Interview gesagt, dass sie bei einem Auftritt möglichst viel live spielen wollen.

Vor dem X-Tra hatte sich bereits eine Riesenschlange gebildet, als ich mich spontan entschloss, zum Konzert zu pilgern. Die Lage sah relativ aussichtslos aus. Ein riesiger Haufen bunt durchmischter Menschen in allen Altersstufen und dazu noch die Tatsache, dass ich wusste, dass das Konzert bereits ausverkauft war. In der Hoffnung trotzdem noch ein Ticket zu ergattern, stellte ich mich der Menschenmasse und hoffte auf ein Wunder.

Ich hatte tatsächlich Glück. Jetzt war ich wenigstens mit einem Ticket ausgerüstet und die einzige Herausforderung bestand in der Boa Constrictor aus Menschen, welche in der Zwischenzeit nicht kleiner geworden war. Die Show hatte wider Erwarten auch noch nicht begonnen. Eine grosse Leinwand auf der Bühne wies darauf hin, dass die Band eine sehr dunkle Show geplant hatte und man deshalb auf jegliche Blitze oder Licht verzichten sollte.

Als die drei Herren von Moderat die Bühne betraten, kam Stimmung auf. Die zahlreichen Zuschauer begannen zu pfeifen und johlten dem Trio zu. In der Mitte hatte sich Sascha Ring am Mikrofon platziert, Sebastian Szari und Gernot Bronsert waren zu seiner Seite platziert. Auf der Bühne standen zahlreiche Synthesizer und andere Geräte. Nach einem soften Einstieg mit viel Gesang, feinen Perkussivelementen und wenig Bass erschien auf der Leinwand das Moderat-Logo und als ob das ein Zeichen gewesen wäre, begannen die drei jetzt erst richtig aufzudrehen.

Während die Show ihren Lauf nahm, wurde die Musik von Moderat auf der Leinwand hinter der Bühne mit dazu passenden Visuals und Scheinwerfer-Effekten untermalt. Teilweise fühlte man sich wie bei einem Kinobesuch. Da waren die Hände, welche ausgestreckt mit Flächen nach oben einen Anker bilden sollten und sich passend zum Rhythmus des Beats drehten. Zuerst Freiheit, dann plötzlich waren sie gefesselt.

Die Musik ist gekennzeichnet von starken Stimmungswechseln. Die brachiale Bassgewalt und das technoide Kickgewitter brachten die Masse zum Tanzen, einzelne Jubelrufe waren hörbar. Ekstatische Verzückung. Junglemusik. Tribaldance. Arpeggio, und immer wieder geschickte Überleitungen. Diese Momente wurden ergänzt durch kurze, weiche und melodische Flächen, Klangteppiche, die sich wie sanfter Nebel über den gefüllten Raum senken und einen Höhepunkt für sich bilden. Ein weisses Tuch auf der Leinwand, welches sich sanft bewegte und dann plötzlich rot färbte, passend von der Musik untermalt.

Da waren die Sonnenfinsternis, die roten Laserstrahlen und die roten Flutlichter, welche das Publikum wie Suchscheinwerfer der Polizei erfassten. Die Strobomomente fehlten auch nicht und zuckten im Takt durch den Raum wie Blitze bei einem Gewitter. Dazwischen gab es ganz kurze Ansagen von Sascha Ring, der beim Singen manchmal bei brachialeren Passagen Mühe hatte durchzukommen, was aber auch an der Mischung oder der Akustik des Raums lag.

Mystische Elemente sind Teil von Moderats Musik. Orchestral begegnet Digital. Die Gegensätze ergänzen sich und verschmelzen.

Ein spezielles Ereignis waren auch die Vögel, welche auf der auf der Leinwand erschienen und Formationen bildeten, die sich dann wieder veränderten und geometrische Formen bildeten. Kryptische Zeichen auf der Leinwand und Scheinwerfer, aufs Publikum gerichtet. Moderats Musik ist stark Build-Up/Drop orientiert. Ein Rhythmus, der sich stetig steigert, bildet in seiner totalen Steigerung, dem Build-Up, später den Drop, welcher sozusagen die Belohnung darstellt. Sowohl der Build-Up wie auch der darauf folgende Drop sind typische Merkmal cluborientierter elektronischer Musik, die auch in Zürich für eine begeisterte und tanzwütige Zuschauermasse sorgten.

Einmal beklagte sich Sascha beim Publikum, weil einige sich zu laut unterhielten: «Warum führt ihr hier Gespräche? Was gibt es hier zu besprechen? Das hier ist Musik, hört gefälligst zu.»

Auf der Leinwand bildete sich ein Sternenhimmel. Die Bässe verschwanden. Weiche Pads, begleitet von Saschas weicher Stimme, mit sanften Kicks untermalt. Als Steigerung dann wieder mehr Bass und perkussive Elemente, die ihren Rhythmus beschleunigen, der typische Build-Up. Auf der Leinwand erschien das Bild eines Stiers, der den Torero auf die Hörner nahm.

Nach einer knappen Stunde gingen Moderat zum ersten Mal von der Bühne und bekamen einen riesigen, länger anhaltenden Applaus von einem begeisterten Publikum. Nach weiteren drei Zugaben und dem zweiten Versuch sich von Zürich zu verabschieden, kamen die drei Musiker noch zwei weitere Male zurück und begeisterten das X-Tra mit ihrer Musik. Während diesen Zugaben schafften sie es stetig die Stimmung noch zu steigern. Sascha packte seine Gitarre aus und auf der Leinwand wurden Visuals von Comics gezeigt. Dann nahm die ganze Sache mit einer fantastischen Bassline ihr Ende. Für mich war der letzte Track der beste. So sollte es sein.

Moderat bringen einen Crazy Slow Future Beat, der an Ambient-Produktionen erinnert, zusammen mit Gewitterbässen und Bassdrums, die die Halle zum Beben bringen. So war es auch im X-Tra. Die Bässe waren im Bauch spürbar.