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Dessert Rock mit Desert – oder doch andersrum? Zu den Gigs am 24. September von Dead Meadow und Ølten servierte Food & Fuzz zuckersüsse Nachspeisen zum passenden Wüstensound. Nirgendwo anders als im Bad Bonn. Negative White konnte der Versuchung nicht widerstehen.

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Dead Meadow sorgten für Stimmung. (Foto: zvg)

Was assoziiert man nochmal mit Stonerrock? Genau – Desserts! Food & Fuzz bietet zu manchen Stonerkonzerten im Raum Freiburg hausgemachte Kreationen, letzten Samstag waren es Nachspeisen. Originell, ansehnlich und vor allem äussert lecker! Willy Wonka wäre stolz. So originell, dass ein Dessertbanause wie ich leider keine einzige dieser Süssspeisen benennen oder sich ihren Namen merken kann.

Doom Disco

Die Band Ølten aus dem Jura heizt die Bude erst mal so richtig ein. Sie selber beschreiben ihr Genre mit den Worten: «Ølten is a swiss heavy rock porn sludge instrumental trio and they play loud.» Verdammt richtig. Würde man Wut vertonen, käme das Ergebnis beinahe an den Sound von diesen bärtigen Jurassiern ran. Laut, schleppend, heftig. In einer tiefen Tonart spielen sie, und noch tiefer tragen sie Gitarre und Bass. Passt. Im Bad Bonn steigt langsam aber sicher erneut die Saunatemperatur, alles in allem Stoff für eine Psycho-Doom-Disco.

Nach dem ersten Act müssen sich  erst mal Ohren und Geist von dieser Teufelsmusik schonen und ich gönne mir einen Exorzismus mit weiteren Dessertnaschereien und White Russian. Die Desserts – ein echer Renner. Man schleckt sich genüsslich die Finger, überall hört man Gelobe und laute «Mmhhhs». Alles im Ticketpreis inbegriffen, man darf sich also genüsslich durch das Sortiment essen.

Me and the devil blues

Die Nebelmaschinen arbeiten tüchtig, als das zweite Trio die Bühne betritt. Dead Meadow aus Washington, die wandelnde Verschmelzung aus 70er Hard Rock und 60er Psychedelic Rock. Seit 1998 machen sie die Welt mit Songtexten über die Werke von J.R.R. Tolkien oder H.P. Lovecraft unsicher, das ganze mit ordentlich Fuzz. Nun spielen die drei Herren im Bad Bonn vor etwa 40 Nasen. Ein ruhigerer Auftritt als derjenige der Vorband, aber immer noch groovig und dreckig. Auch Dead Meadow setzen wenig auf Gesang, dafür auf teuflische Gitarrensolis. Das Ganze klingt wie Blues auf Acid. Als dem Gitarristen und Sänger Jason Simon schon beim dritten Song während dem Solieren eine Saite reisst, wird kurzerhand das bisher gespielte Gezupfe mit einer Loop-Maschine wiederholt, bis der Frontmann in seelenruhiger Manier eine neue Saite aufgezogen hat. Souverän das Problem gelöst und nach dem behobenen Fauxpas gleich sofort eifrig weitergeklimpert. Der Auftritt der Psychedelic Band bleibt solide und bluesig, laut, frech und familiär im Rahmen der kleinen Konzertbude.

Erinnerungen für den kleinen Hunger

Zwei tolle Bands, doch meinen Enkeln werde ich von diesem Abend mehr von den Desserts erzählen. Ticketpreis 27 Stutz, dazu das Essen inbegriffen – ein tolles Angebot. Leider nichts für Diabetiker. Es sei geraten, wenn Food & Fuzz erneut an einem Konzert teilnimmt und etwas vorbereitet – bis anhin fasten und hingehen!