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Juhu, die Kaiser Chiefs sind wieder zurück! Neuer Schlagzeuger, neues Album, neue Tournee. Voller Vorfreude und etwas nervös, wie wenn ich eine alte Liebe wieder treffen würde, machte ich mich auf den Weg ins Zürcher X-Tra. Zuerst zum Interview und danach zum Härtetest ans Konzert.

Artikel - 2011-11-16 - Kaiser Chiefs - Artikelbild

Kaiser Chiefs 2011 in Zürich. (Foto: Nicola Tröhler)

Hatte mir Peanut, der Keyboarder der Kaiser Chiefs, erst noch vor wenigen Minuten im Interview versichert, dass europäische Fans sehr loyal gegenüber guten Livebands sind, konnte ich diese These noch nicht gerade bestätigen, als ich am Sonntag Abend das Zürcher X-Tra betrat. Um Punkt 20 Uhr, als die Vorband The Ramona Flowers die Bühne enterte, war die Halle nämlich ausser an der Bar, bei den an der Seite aufgestellten Lounge-Möbeln und direkt an der Absperrung noch desolat gefüllt.
Gut, der Name Ramona Flowers sagte mir zunächst auch nur wenig bis gar nichts und da ich auch keine Scott Pilgrim-Kennerin bin, hatte ich mich sogar zuerst noch gefragt, ob denn der Bandname in irgend einer weit entfernten Weise etwas mit dem The Killers Frontmann Brandon Flowers zu tun haben könnte. Obwohl meine Vermutung totaler Schmarren war, kam ich nicht umher bei ihrem Auftritt unweigerlich wieder an The Killers zu denken. Der Fünfer aus Bristol lieferte vielleicht nicht ganz so pompösen Indie-Rock fürs Stadion, wie ihn die heutigen Killers spielen, aber durchaus Material fürs Mainstream Radio. In der kurzweiligen halben Stunde, in der The Ramona Flowers Lieder ihres ersten Albums Dismantle And Rebuild zum Besten gaben, gelang es ihnen sogar überraschend gut das Publikum zum tanzen und mit klatschen zu bringen.

Zum Interview
Hier gibt’s unser Interview mit den Kaiser Chiefs (Englisch). Weiterlesen…

Zwar von einer vollen Halle weit entfernt, kann man doch sagen, dass sich das X-Tra noch anständig mit den besagten loyalen Anhängern gefüllt hatte, bis die Kaiser Chiefs dran waren dem Publikum einzuheizen. Also los, durch die Factory Gates hinein ins Vergnügen! Und bereits mit dem ersten kleinen Block an typisch wuchtigen Kaiser Chiefs Hits, bestehend aus Everyday I Love You Less And Less und Everything Is Average Nowadays, und dem nicht minder wuchtigem Ruffians On Parade hatte mich die Skepsis bereits komplett verlassen und ich spürte, dass die Kaiser Chiefs über die Jahre und trotz Schlagzeuger Wechsel nicht im Geringsten an Livequalität verloren haben.

Die Band spielte druckvoll und Sänger Ricky war wieder einmal mehr der Entertainer, der umher sprang, das Publikum animierte und es auch locker fertig brachte, mal eben in der ersten Reihe einige Autogrammwünsche der Fans zu erfüllen – wohl gemerkt gleichzeitig singend mit dem Mikrofon unter den Arm geklemmt. Sogar ein Publikumswunsch wurde stattgegeben, nachdem Ricky abgeklärt hatte, ob es denn für alle anderen in der Band in Ordnung ginge, wurde kurzerhand Na Na Na Na Naa von der Setlist gestrichen und stattdessen Heat Dies Down gespielt. Wobei ich mich dann nach dem Konzert gefragt habe, ob es denn nicht möglich gewesen wäre, einfach beide Lieder zu spielen. Denn mit einer Dauer von 80 Minuten, empfand ich das Konzert doch eher als kurz, wenn man bedenkt, dass die Kaiser Chiefs mit ihrem bereits fünften Album am Start sind und mir Peanut und VJ im Interview zuvor erklärt haben, dass sie alle Songs von Education, Education, Education & War spielen könnten.

Also vielleicht ist das nur meckern auf hohem Niveau, aber ein bis zwei Lieder mehr hätten sicherlich noch gepasst. Dafür waren die Chiefs umso erzählfreudiger. So berichtete Ricky welche «schönen Stellen» von Zürich er gesehen hatte und Peanut hatte das Vergnügen von der morgendlichen Exkursion zum FIFA Hauptquartier zu berichten, wofür er in gleichem Masse bejubelt und ausgepfiffen wurde, während es Ricky, der als einziger nicht mit ist, mit einem trockenen «I’m just glad I stayed in bed all morning» kommentierte.

Danach wurde es wieder Zeit für einen musikalischen Höhepunkt in Form der Hits Ruby und I Predict A Riot, bei denen man wieder gepflegt in der Halle umherspringen und mit grölen konnte. Auch die Zugabe mit dem ruhigeren Misery Company und dem gefeierten Oh My God als i-Tüpfelchen des Abends stimmten durchwegs zufrieden. Die Kaiser Chiefs können’s einfach immer noch. Und wenn mich jetzt einer fragt, was ich letztes Wochenende gemacht habe, antworte ich gerne mit «Oh, ich war bei den Kaiser Chiefs, so verdammt gut!»