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Am Mittwochabend ging’s im Komplex 457 kurz nach acht Uhr gleich zur Sache. Keine Vorband, keine Umschweife, die ersten Akkorde, Vorhang runter und einfach sofort FURT. Nur ein Drittel Ärzte, dafür mit einem grossen Orchester voller Dynamit; Farin Urlaub und sein Racing Team spielten direkt, lange und sehr intensiv. Lustige Verschnaufpausen, wie bei den Ärzten, gab es (leider) nur wenige.

2015-05-26_Farin-Urlaub

Farin Urlaub gab mit seinem Racing Team kräftig Gas (Foto: Marie Gfeller)

 

Mit dem Song Was die Welt jetzt braucht startete der Abend und es war augenscheinlich: Die kleine Welt des Komplex hätte definitiv noch mehr Platz gebraucht. Alle Tickets waren furt, weg, tschüss, sold out! Dicht gedrängt standen rund 2100 Leute im Saal und hatten zu Beginn etwas Mühe so schnell wie Farin Urlaub und sein Racing Team in Fahrt zu kommen. Mit dem zweiten Stück Glücklich schaffte die Truppe dann aber eine positive Grundstimmung und schon während dem dritten Song Heute tanzen schaltete auch das Publikum einen Gang höher. Farin trug mit ein paar motivierenden Worten noch dazu bei, dass sich das gesamte Publikum einmal nach links drehte und so fanden auch die hintersten Reihen heraus, dass man sich trotz extremen Dichtestress noch bewegen konnte.

Der ruhige Pol, der das Inferno auslöst

Es ist schon sehr beeindruckend, wie Oberarzt Farin immer extrem gechillt aussieht, auch wenn rund um ihn herum die Fetzen fliegen. Sein Charme und Witz sind einfach bestechend. Wo andere für ein bisschen Publikumsbeteiligung von einem Bühnenende zum anderen rennen müssen, steht er grinsend mit seiner Tasse da und bringt die Leute zu den wildesten pantomimischen Bewegungen. Das Tanzen selber ist ja ganz offiziell nicht so sein Ding. Aber seine grosse Klappe, die bewegt er gekonnt. Die lustigen Sprüche fielen im Vergleich zu den Konzerten der Ärzte, bei denen die zwei nötigen Sparringspartner dabei sind, zwar sehr knapp aus, doch waren sie gewohnt originell, geradeaus, hyper-ironisch und vor allem meist unter der Gürtellinie. Das Licht unter den Scheffel stellend, meinte er: «Sprachlich gibt es Intelligenteres, aber nicht von mir.»

Ruderclub und Pogoverein

Das Publikum machte handzahm bei all seinen Spässen mit und sorgte auch selber auf eigene Initiative immer mal wieder für Stimmung. So sass mindestens zweimal das komplette Mittelfeld am Boden und ruderte um die Wette. Das wäre dann also Farins persönlicher Ruderclub, welchen man bei anderen Bands ja eher nur an Festivals antrifft. Vielleicht waren die Sitzeinlagen aber auch nur leichte Ermüdungserscheinungen vom Stehen, Tanzen und Springen, denn wildes Pogo war Ehrensache. Farin und sein Team liessen fast keine Verschnaufpausen zu. Erst in der Mitte des Konzertes schlugen Furt etwas ruhigere Töne an wie mit dem Song Das Traurigste oder gegen Ende der ersten Runde A-Capella eingesungen ein besonderes geniales Stück Die Leiche.

2 ½ Stunden Furt

Die Konzertbesucher kamen an diesem Abend auf alle Fälle auf ihre Kosten: Furt spielten gute zweieinhalb Stunden, brachten alte und neue Stücke und gaben zwei Zugaben. Mit der Songauswahl präsentierte die Band ihre enorme Vielseitigkeit. Zum einen kommt diese durch die Vermischung verschiedener Stilrichtungen wie Ska und Reggae mit Punk zustande, was live vor allem durch die Bläser grandios rauskam. Zum anderen entsteht die Vielseitigkeit auch durch die Lyrics, welche von wunderbar satirisch bis zu sozialkritisch ihre Bandbreite haben. Gefehlt hat mir persönlich an diesem Abend der Song Insel, welche ich sehr gerne mal live gehört hätte. Furt spielt ja nicht einfach nur ab Platte, sondern bringt live noch eine schöne Variation rein.

Allem in allem ein geniales Konzert und Farin würde man ja sowieso Stücke abkaufen, welche man sonst nicht mal geschenkt haben möchte. In diesem Sinne einmal Pommesgabel für Farin. (Für diejenigen, welche das Konzert verpasst haben, Farins Worte: «Ah, das satanische Zeichen! Das kenne ich. Das heisst doch: Einmal Pommesgabel, bitte!»)