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Eine Geschichtsstunde mit Travis

Am Unique Moments Festival beim Landesmuseum Zürich werden während vier Abenden das Musikalbum als Kunstwerk zelebriert. Unter dem Motto «Time Of My Life – Albums Of A Generation» spielten am Eröffnungsabend die schottischen Travis ihr 1999er Hitalbum «The Man Who» in Gänze.

Der Sommer steht vor der Tür und mit ihm beginnt wieder diese herrliche Zeit von Festivals und Openairs. Lange Abende draussen verbringen und Livemusik lauschen, magische Momente erleben. Ebensolche Augenblicke verspricht das Unique Moments Festival, welches der Unvergänglichkeit der Musik frönt. An dem Ort, wo man tagsüber im Museum die Kulturhistorik entdecken kann, lässt sich abends im Innenhof des Landesmuseums wunderbar nostalgisch auf ein Stück Musikgeschichte zurückblicken.

Ein Festival mit Herzblut für Nostalgie

Kaum betritt man das Gelände, schallt Smells Like Teen Spirit aus einer Ecke, vorgetragen von The Human Jukebox, einer One-Man-Show, die für kleines Geld Publikumswünsche Karaoke darbietet. Der hübsch dekorierte Innenhof des Landesmuseums lädt zum Verweilen ein. Unter den Lichterketten und einem spektakulär riesigen Kronleuchter aus leeren Glasflaschen, geniest man das kulinarische Angebot oder man schmökert durch die kleine Pop-Up-Austellung der wichtigsten Alben aus der Pop- und Rockmusik. Ganz in Museumsmanier natürlich mit interessanten Fakten angereichert.

Aber eigentlich waren die meisten Besucher schliesslich wegen Travis hier. Die schottische Band befindet sich derzeit auf Tour um ihrem legendären Album The Man Who Tribut zu zollen. Jenes Album, das dem Quartett Ende der 90er-Jahre den grossen Durchbruch bescherte und den Grundstein ihrer Karriere legte. Ein Album also, dass es verdient hatte, mit einem Auftritt am Unique Moments gespielt und gefeiert zu werden.

Weil die Blütezeit von Travis nun schon einige Jahre zurück liegt und die Ticketpreise am Unique Moments sich eher am dicken Portemonnaie orientieren (98.– für Stehplätze / 200.– für überdachte Sitztribüne), war es verständlich, dass der Abend nicht ausverkauft war. So konnte man ohne gross zu drängeln kurz vor Konzertbeginn noch nahe der Bühne ein gutes Plätzchen finden.

Der Film als Ganzes…

Das anwesende Publikum war jedoch direkt Feuer und Flamme für ihre Lieblinge auf der Bühne und sang bereits beim ersten Lied Writing To Reach You kräftig mit. Die anfänglichen Unreinheiten im Soundmix waren rasch behoben und der Konzertabend verhiess gutes Gelingen.

Selbst die Wettergötter schienen an diesem Abend ausnahmsweise mal auf Seiten von Travis zu stehen. Der wolkenverhangene Himmel entleerte sich ganz ironiefrei auch dann nicht, als der Überhit Why Does It Always Rain On Me? gespielt wurde und Band und Publikum hüpfend und mit strahlenden Gesichtern sangen.

Fran Healy mit sichtlicher Spielfreude. Bild: Michelle Brügger

Eine Album-Performance lässt der Setlist natürlich keinen Spielraum. Oder wie Frontmann Fran Healy treffend beschrieb: Es sei wie den ganzen Film in einem Lauf zu spielen, im Gegensatz zu einem normalen Konzert, wenn sie nur jeweils Szenen daraus wiedergeben und variieren können. Ein sehr schöner anschaulicher Vergleich. So sind es dann auch fast schon die Anekdoten über das Album, die er zwischen den Songs erzählt, welche eine gelungene Abwechslung boten. Oder auch hier wieder von Healy passend auf den Punkt gebracht: Er komme sich ein bisschen so vor, wie ein Lehrer der den eventuell anwesenden jüngeren Personen im Publikum eine Geschichtsstunde erteilt.

Zugegeben, der unaufdringliche Charme des Sängers und seine bildhaften Umschreibungen verzückten mich mehr als gewollt. Aber im Wechsel mit der Musik, deren Wiedergabe übrigens ohne speziellen Schnickschnack wie Visuals oder übertriebenen Mitmachaufforderungen seitens der Band daher kam, passten diese kleinen Story-Häppchen ganz besonders.

…und einige weitere Szenen

Nach einem 50-minütigem Auftritt, war «der Film» The Man Who zu Ende performt. Inklusive dem Hidden Track (die gute alte CD lässt grüssen) Blue Flashing Light wurden alle elf Lieder des Albums wiedergegeben und Travis verabschiedete sich kurz von der Bühne für den zweiten Teil des Abends.

Was folgte war ein Potpourri ihres ausgedehnten Schaffens. Neben The Man Who hat die Band schliesslich noch sieben weitere Alben in ihrem bald 30-jährigen Bestehen hervorgebracht und auf jedem diesen gibt es Lieder, die es Wert sind gespielt zu werden. Auch wenn es ausgerechnet von meinem persönlichen Lieblingsalbum Ode To J. Smith kein einziger Song auf die Setlist schaffte.

Hits wie Closer, Flowers In The Window und Sing konnten natürlich nicht fehlen. Und das live sehr ungeschliffen dargebotene All I Want To Do Is Rock, das seit Beginn von Travis Karriere die heimliche Hymne der Band ist, lies Gitarrist Andy Dunlop regelrecht in Flammen aufgehen. Wirkte er das ganze Konzert über zwar schon sehr spielfreudig, schien er mir bei seinen Gitarrensoli aber immer etwas an der kurzen Leine gehalten. Nun schmetterte er dem Publikum satte Riffs entgegen und lies seinem inneren Guitarhero freien lauf.

Als Zugabe gab es dann noch einen Coversong, der bei jedem Travis Kenner Legendenstatus innehat, aber trotzdem immer wieder aufs Neue fesselt. … Baby One More Time von Britney Spears mit einer Schwermut und Ernsthaftigkeit vorgetragen, die dann wiederum im puren Kontrast stand, zum wirklich allerletzten Lied an diesem Konzertabend. Happy zauberte den mitwippenden Zuschauern wieder ein Lächeln ins Gesicht und entliess sie zufrieden in die Nacht.

Und zwar keinen Moment zu früh. Denn nur wenige Minuten nachdem der Schlussakkord dieses fast zweistündigen Auftritts durch den Innenhof des Landesmuseums verstrichen war, entschieden sich die Gewitterwolken doch noch für einen sintflutartigen Regenguss. Ah ja, kein Travis ohne Regen.

Anmerkung der Redaktion

Wir hätten euch gerne mehr Bilder vom Konzert gezeigt. Kurz vor dem Auftritt wurden den anwesenden Fotografinnen und Fotografen mitgeteilt, dass das Management von Travis sämtliche Bilder sehen und bestätigen will. Somit blieben uns nur zwei Momentaufnahmen der Show.