Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Diorama oder Oomph – Welche Band war nun besser? Darüber scheiden sich wohl die Geister. Aber eines ist sicher, der zweite Schwarze Ball anno 2012 bot mit diesen zwei Acts und der nachfolgenden Party für fast jeden etwas.

Oomph in Aktion (Sacha Saxer)

nm. Gebannt lauschte das Publikum dem Pianisten Torben Wendt, welcher den Schwarzen Ball mit einem wunderbar sanften Keyboardspiel eröffnete. Ein passender Einstieg hat Diorama nach diesem warmen Herbsttag allemal gewählt. Der Saal im X-Tra war zu Beginn höchstens zu einem Viertel voll, doch nahmen ihn zunehmend schwarze Gestalten ein, welche sich in Schale geworfen haben.
Es ist ja alles eine Frage des Geschmacks, doch Wendts Klamotten passten nun wirklich nicht zusammen. Unten Baggypants, oben Nadelstreifenhemd und Jackett – der gute Mann benötigt wohl einen Stilberater. Und wenn wir gerade bei der persönlichen Kritik sind: Es wäre auch etwas Nachhilfe, was den Gesang betrifft, notwendig. Das Instrumentale von Diorama ist sehr vielfältig und abwechslungsreich, was man von Wendtss Stimme nicht behaupten kann. Sein Gesang geht von Mono bis Ton. Aber wahrscheinlich ist das eben genau Geschmackssache, denn die psychedelische Monotonie zauberte vielen ein Lächeln aufs Gesicht und animierte doch beachtlich viele zum tranceähnlichen Tanzen. Wendt begnügte sich bei seinem Auftritt mit ganz wenig Ansagen und liess die Musik und die Bewegungen sprechen. Zum Abschluss gab es noch ein paar Ferienfotos von ihm in, ich nehme an, Chile oder Peru. Was er uns wohl damit sagen wollte?

Oomph verlangte Humor und Stimmung

Nach diesem vergleichsweise seriösen Auftritt ging es mit der äusserst amüsanten Klamaukshow von Oomph weiter. Die sechs Herren kamen in ihrem Tournee-Outfit – als Seemänner verkleidet – auf die Bühne und zeigten von Beginn weg, wie man selbstbewusst mit Klischees spielt und sich dabei selbst auf die Schippe nehmen kann. Dero Goi präsentierte sich zudem mit aufgemaltem Jokerface, welches wunderbar zu seiner charakteristischen Persönlichkeit passt.
Goi merkte von Anfang an, dass das Publikum eine knallharte Nuss sein würde. Mit ihm hat die Band zum Glück nicht nur einen guten Sänger, sondern auch einen echten Profi in Sache Stimmungsmache am Werk. Seine Instrumente sind, simpel erklärt, strotzende Energie, eine grosse Portion Durchhaltewillen und viel Kreativität. Immer wieder forderte er das Publikum auf, zu schreien, zu hüpfen und zu singen; selber wäre da wohl fast niemand aus dem Publikum darauf gekommen. Und so kamen dann prompt ein paar Sprüche seitens Goi wie: „Auch selbstmordgefährdete, schwarze Leute dürfen Spass haben.“ Auch das Outro glich einem Seitenhieb. Oomph verabschiedeten sich (geplant oder nicht?) ironischerweise mit Always look on the bright side of life.

Wer also offen für Spässe war, der konnte sich über so manche Einlage amüsieren. So durften sich die weiblichen Gäste zum Beispiel an einem kurzen, leider zu knappen Strip von Goi zu You can leave your hat on erfreuen. Schunkelfreudige durften zu Seemannsrose gemeinsam hin und her schwanken und wer auf ganz kuriose Bilder steht, der wurde am Schluss bedient. Bei der zweiten Zugabe, welche durch laute Zugabe-Rufe erbeten wurde, kam Goi mit einem zuckersüssen Kleidchen auf die Bühne zurück. Der stark tätowierte stämmige Goi, sah im Kleid total ulkig aus.
Eine echt abwechslungsreiche Show; genau wie die Songauswahl. Oomph spielte Lieder von ihren ersten bis zu ihren neusten Werken, was einem extrem breiten Spektrum an Musikstilrichtungen entspricht. Musikalisch waren Oomph live hingegen schon besser unterwegs. Das ging aber nicht auf die Kappe der Band, sondern der Tontechnikern. Vor allem die ersten zwei bis drei Songs waren brutal schlecht abgemischt. Zum Glück bekamen sie das aber noch gut in den Griff.

Eines hatten die schwarzen Seelen nach diesen zwei Live-Acts garantiert, genügend Diskussionsstoff über Musik, Kleidung und Humor.

Fotos: Sacha Saxer