Jedes Adjektiv würde zu Cäthe passen: wild, stürmisch, ebenso unsicher, ganz laut und in ihrer Ausstrahlung so ruhig. Aber Cäthe bleibt unbeschreiblich. Denn Cäthe ist ein Phänomen. Sie ist eine Art Ausnahmezustand. Und damit gastierte sie vergangenen Mittwoch mit ihrer «Ich muss gar nichts-Tour» in Berlin.

Es war stürmisch, als am vergangenen Mittwochabend mehrere hundert Musikbegeisterte das Astra in Berlin stürmten. Das Publikum bunt gemischt, von jungen Teenies bis ins höhere Alter – Cäthe zog sie alle an. Eröffnet wurde der musikalische Abend von dem Belgier Marco Z, der mit schwungvollen, dennoch entspannten Gitarrenakkorden glänzte. Darauf folgte die Berliner Band Super700, wobei manch einer die junge Sängerin wohl kurzzeitig für Cäthe hielt, dann aber schnell merkte, dass da die Differenzen doch enorm waren. So spielte die Band im Gegensatz zu Cäthe sehr melancholische, leicht psychedelische Songs, die das Publikum zu spalten schien: manche klatschen laut, anderen stand ein einziges Fragezeichen ins Gesicht geschrieben.

Nichtsdestotrotz ging es an diesem Abend in erster Linie um eine Frau: Cäthe. Das zierliche Energiebündel betrat um kurz nach 22 Uhr die Bühne. Leichtfüssig tanzend, und mit einer mächtigen Portion Ausstrahlung und ihrer lauten, rauchigen Stimme tauchte der gesamte Saal ab in eine andere Welt. Die Welt der Cäthe.

Offiziell als Catharina Sieland geboren, begann Cäthes Lebensreise 1982 in der damaligen DDR zwischen Berlin und Magdeburg. Kurz vor der Wende folgte ein Umzug nach Baden-Württemberg, wo die quirlige Sängerin den Hang zur Musik entdeckte. Mit 12 Jahren erhielt sie ihre erste Gitarre, wenige Jahre später landete sie in einer Musik- und  Gesangsausbildung. Im Jahr 2005 zog sie nach Hamburg, wo sie an einer Hochschule einen weiteren Musikkurs besuchte und schliesslich ihre jetzige Band kennenlernte. Fortan wurde geprobt, und geschwitzt. Ihre Musik sollte gehört werden. Fernsehauftritte wie bei Ina’s Nacht halfen den Bekanntheitsgrad zu steigern. Im Herbst 2011 erschien schliesslich das lang ersehnte Debütalbum: Ich Muss Gar Nichts.

Und dass sie nichts muss, dass weiss die junge Sängerin sehr gut. Aber sie will. Sie will singen, sie will Musik machen, und das mit Leidenschaft. Stark und anmutig, und dennoch so verletzlich in ihren Texten. Genau so zeigte sich Cäthe an diesem Abend in Berlin. Sie tanzte und lachte, und in einigen Momenten hatte man sogar das Gefühl, dass sie dem Wasser nahe stand – so glücklich schien das Energiebündel über den grossen Andrang an diesem Abend.

Und das Glück der Sängerin schwappte sogleich über: ob stämmige von Tattoos übersähten Männer oder etwas alternativen, intellektuelle Studenten, alle sangen und tanzten sie mit. Und während Cäthe ihren bekanntesten Song Unter meiner Haut zum Besten gab, erwies sich eine Zeile als perfekt zutreffend: «…unter meiner Haut, da steckt eine die sich traut». Denn Cäthe traut sich, sich selber zu sein. Irgendwie unbeschreiblich und ganz schön verdreht, aber unheimlich stark!

 

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