Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Basel und St. Gallen treffen in Zürich aufeinander. Nein, es handelt sich nicht um einen Fussballmatch, vielmehr um das Konzert der Kappolas und Velvet Two Stripes im Kaufleuten.

Velvet Two Strips (Foto: Janosch Tröhler)

Velvet Two Strips (Foto: Janosch Tröhler)

Voller Vorfreude machte ich mich auf den Weg ins Kaufleuten. Es war für mich das zweite Konzert des Summer Sounds Festival 2014. Der Saal des Kaufleutens war diesmal deutlich gefüllter als vor einer Woche. Muss wohl an Velvet Two Stripes liegen, diese Band ist extrem angesagt. Ein Sprecher betrat die mit Instrumenten überfüllte Bühne (was echt wunderlich war), nahm das Mikro in die Hand und legte los. Leider habe ich mir nur die Hälfte merken können. Denn ab dem Zeitpunkt, als es um die Coolness von Velvet Two Stripes ging, musste ich lachen. Er meinte, dass die Band, sobald sie auf der Bühne ist, extrem cool ist und das 20 Minuten das Quartett als die coolste Band der Schweiz betitelt hatte. Alles gut und recht. Aber der Satz danach passte so gar nicht. Jemand aus dem Publikum meinte relativ gut hörbar: „Und neben der Bühne sind sie nicht cool?“ Woraufhin der Sprecher genervt mit „das war gar nicht cool!“ konterte. Unglückliche Wortwahl. Kann passieren. Zurück zum Konzert.

Kapoolas aus Basel eröffneten den Mittwochabend. Der erste Eindruck – nicht schlecht. Der erste Song riss mich so gar nicht vom Hocker. Der zweite leider auch nicht. Beim dritten war ich schon aufmerksamer. Was mir jedoch extrem fehlte, war der Kontakt zum Publikum. Sie kamen auf die Bühne, spielten ihre Songs, sprachen ein wenig von Basel und à la wenn wir den Baslerdytschen Song nicht verstehen, sollen wir uns melden (sollte lustig wirken – war es aber nicht). Die Übergänge zwischen den einzelnen Liedern waren sehr experimentell, mal was anderes. Die fünf Basler fühlen ihre Songs, es macht ihnen Spass, was sie da machen. Der eine Gitarrist erinnerte mich komischerweise an einen Wackeldackel, welchen man mehr oder weniger oft in Autos antrifft. Sein Kopf war ständig in Bewegung, was auf alle Fälle zum amüsanteren Teil gehörte. Ihr Vorbild könnte Radiohead sein. Rein vom Sound her – verspielt, melodiös, abgedriftet. Ich werde mir die Jungs aus Basel nicht nochmals anhören, unter anderem wegen der Stimme des Sängers. Sie hat meinen Geschmack nicht getroffen.

Nach einer guten halben Stunde Pause legte Velvet Two Stripes los. Wow! Was für ein Start! Die Gitarristin trat auf die Bühne. Eine junge Frau mit einem Hut, rot-orange gefärbten Haaren, einige Ketten um den Hals und einer tätowierten Eule auf dem Schlüsselbein. Sie heizte dem Publikum ordentlich ein. Die Riffs passten, check, das Outfit passte, check, das Publikum fing an zu tanzen, check! Während alle Leute gebannt nach vorne schauten, drehte ich mich um und liess meinen Blick über das Publikum schweifen. Viele Augen waren geweitet, einige Mäuler standen offen und es roch nach purer Begeisterung. Anhand der Blicke der Menge deutete ich dies als Erstaunen. Ganz nach dem Motto, wie kann dieses junge Ding so gut spielen und rocken? Es ist in der Tat ein ungewohnter Anblick – aber so what! Mich begeisterte diese Tatsache umso mehr! Nach dem gelungenen Solo von Sara kamen ihre Schwester Sophie (Gesang), Franca (Bass) und Carlo (Drum) auf die Bühne. Und es ging los. Die vier rissen das Publikum in ihren Bann, ihre Bühnenpräsenz war zum Greifen nah. Kurz gefasst – der Gig war der Hammer! Ich bin selten so positiv von einer Band überrascht worden wie von den Velvet Two Stripes. Zwischendurch gingen alle bis auf Sara von der Bühne und liessen sie ein weiteres Mal alleine rocken. Der Grund dafür wurde kurz danach geklärt – ihre EP VTS wurde mit auf die Bühne genommen und feierlich getauft. Mit Schampus, Shots und allem, was dazu gehört. Das Konzert ging weiter und neigte sich nach und nach dem Ende zu. Was geblieben ist, sind gute Erinnerungen und einen neu gewonnenen Fan, nämlich mich.