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Der Pöstler hat heutzutage für so manche Frau einen ganz anderen Stellenwert, als nur ein «Rechnungs-Bote» zu sein. Er ist ein Mann, der weiss, was Frauen wollen. Er bringt’s einfach!

Foto: Noemi Hermann

Foto: Noemi Hermann

Ich würde mich nicht wundern, wenn es bald eine Datingseite namens «Secret Pöstler» gäbe. Denn meine Freundin sieht den Pöstler beinahe öfters als mich. Mit glitzernden Augen und einem Lächeln à la Silvie van der Vaart bei ihrer «Zahnzwischenraumreinigung» öffnet sie ihm die Haustür. Ich weiss, innerlich bebt sie, wenn sie das weiss-orangene Päckchen sieht. Sie quietscht: «Jaaa, ich will», als er sie nach ihrer Unterschrift fragt. Dann reisst sie ihn auf – mir wäre lieber den Pöstler als den Karton, dann wäre die Abfallbilanz unseres Dorfes wohl um einiges besser und die Strasse nicht eine halbe orange-weisse Berliner Mauer. Ja, wenn sie den Pöstler aufreissen würde, würde in ihrem Schlafzimmer wohl endlich mal was anderes knistern als das Seidenpapier, das ein Paar neue Schuhe umhüllt. Wenn sie den Pöstler aufreissen würde, hätte sie doch endlich ihren Traummann, ihr Gesamtpaket. Endlich einen, der anpackt, der pünktlich ist und weiss, wie lange die Post heute noch geöffnet ist.

Doch dann wäre da plötzich kein «gelber Engel» mehr, der die Nachbarsfrauen vor der Stylepanne rettet. Dann stünden meine Nachbarsfrauen weinend vor dem Schrank, wie vor einem Kühlschrank mit abgelaufenem Aktionsfleisch. Dann würde der Pöstler nur noch bei meiner Freundin klingeln. Dann hätte meine Freundin endlich mal wieder die Kleider an, von denen sie sich nicht trennen kann. Dann könnte ich endlich wieder aus der Ausfahrt fahren und sie könnte etwas sparen. Dann würde sie sich endlich wieder daran erinnern, wie geil der letzte Sommer war, als sie das schwarz-weisse Tupfenkleid anhatte, das nun zuhinterst im Schrank hängt. Dann würde sie endlich mal wieder in der Kiste landen und schreien vor Glück.