Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Mit Chevelle, Disturbed und Avenged Sevenfold in einem rauchigen Raum – das geile Konzerterlebnis wurde definitiv getrübt.

Pünktlich wie eine Schweizer Uhr eröffneten am Sonntag die US-Amerikaner Chevelle den Metalabend. Ich hatte noch nie etwas von den Jungs zuvor gehört und war dementsprechend erwartungslos. Zu Beginn des Konzerts konnte man den Sänger kaum hören, dies wurde aber von den Soundtechnikern – wahrscheinlich bestmöglich – sehr schnell behoben.

Bestmöglich, da es in der Halle 622 in Oerlikon von der Akustik her, nach meiner Einschätzung, kaum super ideal klingen kann. Die Halle ist sehr gross und ein langer Schlauch. Als ich am Schluss – und dazu kommen wir noch, wieso ich mich dort befand – ganz hinten stand, hatte ich zumindest das Gefühl, dass es dort extrem hallte.

So oder so konnte mich der Sänger von Chevelle nicht sonderlich überzeugen. Instrumental spielte die Band hingegen sehr gut. Unsere kleine Truppe war sich am Schluss einig, dass der derzeitige Frontmann Pete Loeffler, der zugleich sang und Gitarre spielte, sich aufs Zupfen konzentrieren und die Band einen neuen Sänger suchen sollte. Zusammen mit der Lichtshow jedoch insgesamt eine aushaltbare Vorband.

Nostalgie mit Disturbed

Als zweite Band standen Disturbed auf der Bühne. Schon ab den ersten Tönen gab es eine Portion Hühnerhaut – Nostalgie pur – für mich. Disturbed waren quasi mein Einstieg in den Metal. Das Album The Sickness hatte es mir in jungen Teenagerjahren sehr angetan und während diesem Konzert merkte ich, dass die älteren Songs immer noch ein Feuer in mir entflammen. Aber auch die Performance zum neueren Song The Light zündete mehr als nur ein Handylicht an.

Disturbed-Frontmann David Draiman und seine Bandkollegen lieferten vom A bis Z eine klasse Show. Durch seine sichere Ausstrahlung hatte er eine wahnsinnige Bühnenpräsenz und seine Stimme klang wie ab Platte: Klar und stark. Zusammen mit den feuerspeienden Säulen ein echt starker Auftritt.

Es hat mich ein wenig erstaunt, dass die Stimmung im Publikum nur mässig war. Zum Schluss versuchte Draiman die Zuschauer noch zu einem Circle Pit anzustacheln, aber auch das verebbte schnell wieder. Es passte dazu, dass der ruhigste Song, das Cover The Sound of Silence, am meisten Anklang fand. Als ich den Song zum ersten Mal am Radio hörte, hatte ich seine Stimme sofort erkannt und war sehr erstaunt, auf welcher Schiene Disturbed gelandet waren. Draimans Stimme passt aber einfach wunderbar zu diesem Stück und live mit Begleitung auf dem Piano kam die Nummer ebenfalls extra stark rüber.

Das trübende Erlebnis

Vielleicht fehlte den meisten Zuschauern einfach der Sauerstoff zum abgehen. Bereits nach Chevelle wurde die Luft nahezu unverträglich in den vorderen Reihen. Obwohl das Konzert ausverkauft war, war die Menge eigentlich ertragbar und man konnte immer noch gut nach vorne oder hinten durchkommen.

Man brauchte aber echt eine Schere, um die Luft zu durchschneiden. Es gibt ja immer den einen oder anderen Dummen, der eine Kippe anzündet. An diesem Sonntag hatte es aber zu viele dieser Assis, welche keine Rücksicht nahmen. Ich hörte immer wieder Leute, denen es zu viel wurde und sich nach hinten oder nach draussen verzogen. Auch ich stand zuletzt – und dies obwohl wir einen Raucher in der Truppe hatten! – noch tapfer alleine vorne, weil die anderen nach draussen wollten wegen dem Rauch. Gegen Ende des Konzerts wurde es auch mir zu bunt und ich ging nach hinten.

Die Verantwortlichen der Halle 622 haben hier ihre Verantwortung nicht wahrgenommen, obwohl sie rechtlich Massnahmen riskieren (der einzelne Raucher übrigens ja auch). Das Security Personal müsste durchgreifen. Wenn es derart ausartet wie an diesem langen Konzertabend, dann wäre zumindest eine Durchsage angebracht, um auf das Rauchverbot aufmerksam zu machen.

Auf meine E-Mail an die Halle 622 habe ich noch keine Antwort erhalten.

Ein Lichtblick mit Avenged Sevenfold

Das Konzerterlebnis war durch den Ärger, Ekel, Husten und brennende Augen getrübt. Der Stimmungsaufheller Musik respektive Metal – oder genauer – Avenged Sevenfold hatten also einiges zu tun.

Ich war bei Avenged Sevenfold bis anhin nie so recht sicher, was ich nun von ihnen halten soll. Nun weiss ich mehr: Die Stimme des Sängers ist meist nicht ganz mein Geschmack, aber instrumental finde ich die Band echt genial.

Der Drummer zeigte unter anderen bei seinem Solo sein Können und die Gitarrenriffs sind einfach extrem geil. Die sechs Bildschirme auf denen unterhaltsame, zum Teil auch politisch angehauchte Clips gezeigt wurden, machte die Show extrem kurzweilig.

Die Band strahlte eine sehr sympathische Bühnenpräsenz aus und animierte das Publikum zum mitmachen und mitsingen. Gegen Schluss hatte Avenged Sevenfold zudem eine kleine Überraschung im hinteren Teil der Halle parat; ein riesig grosser Astronaut stieg vor der Sitztribüne für einen Song in die Höhe. Da sie eher selten in der Schweiz zu Besuch sind, hat es sich trotz allem gelohnt, bis ganz fast zum Schluss zu bleiben.