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Elliot Moss ist gerade mal 22 Jahre alt, hat aber mit seinem Debüt-Album «Highspeeds» 2014 ein Album abgeliefert, das von schöpferischer Reife nur so erfüllt ist. Zeit mehr über diesen Do It Yourself-Musiker aus Amerika zu erfahren.

Ein umjubeltes Album, hunderttausende Views zu Songs wie Slip oder Highspeeds und diese intensive, kontrollierte Art seine Musik live vorzutragen. All diese Dinge Machen Elliot Moss zu einem kleinen Genie mit Hornbrille, ist doch der amerikanische Singer-Songwriter und Produzent gerade mal Anfang Zwanzig.

 

Nach zahlreichen Auftritten in den Vereinigten Staaten und sogar am sagenumwobenen Musikfestival «South by Southwest» in Austin verschlug es den Künstler aus dem verschlafenen Städtchen Mamaroneck dieses Jahr erstmals nach Europa. Umjubelte Auftritte am Reeperbahnfestival in Hamburg und weitere Konzerte später machte das Jungtalent Halt im Exil Zürich. Vor seinem Auftritt gab es für den Multiinstrumentalisten ein Negative White-Interview der besonderen Art: Ein Cap voller Zettelchen mit einzelnen Worten und die Freiheit dazu zu sagen, was er will. Elliot Moss Welt in Stichworten also.

 

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USA

«USA, das ist Heimat. Es ist auch der Ort wo meine erste Tour stattfand, was ziemlich toll war. Bis letzten September war ich noch nie wirklich ausserhalb von Amerika. Vielleicht ein-, zweimal nach Kanada, aber erst dank der Europa-Tour kam ich wirklich mal raus. Ich selber wohne zurzeit etwas ausserhalb von New York, also nicht gleich das Grossstadtleben wie man es sich vorstellt. Aber in Zukunft werde ich wohl versuchen nach New York zu ziehen, auch wenn das ziemlich teuer sein kann.»

Meine Brille

«Ich habe meine Brille über Ebay gekauft. Es war ein wirklich guter Deal, sie hat mich keine 60 Dollar gekostet. Vorher habe ich gut zwei Jahre lang Linsen getragen, aber das habe ich nicht mehr ausgehalten. So kam mir diese Aktion gerade gelegen. Wenn ich so eine teure Brille tragen würde, dann ginge sie sicherlich ständig verloren. Von dem her alles gut so.»

Lebensziele

«Lebensziele sind für mich meistens musikalische Ziele. So ist zum Beispiel mein momentanes Ziel die Arbeit an einem neuen Album. Zurzeit stecke ich gerade mitten im Prozess dazu, aber es steht noch einiges an. Ich verbinde stets Songwriting und Producing, da ich dies meist gleichzeitig mache. Schliesslich stecke ich alleine hinter den Stücken. So kann es auch kommen, dass ich ein Lied aufnehme, ohne dass es wirklich fertiggeschrieben ist. Aber aus diesem Vorgehen heraus entsteht auch die Inspiration, die es für weitere Songs braucht und auch um andere Stücke abzuschliessen. Wenn ich etwas direkt aufnehme, dann um die Idee nicht zu verlieren und das Ganze in eine sichere Zone zu bringen. So ist es schon fast abgeschlossen und die Idee verpufft nicht. Im Allgemeinen ist mir dieser Do it yourself-Vibe sehr wichtig, da du bis zum Ende alles selber unter Kontrolle hast und den Entstehungsprozess genau lenken kannst. Auch wenn ich zurzeit mittendrin stecke und es noch unordentlich wirken mag.»

Bon Iver

«Bon Iver, also Justin Vernon – das ist der Bruder meines Managers. Er ist wirklich einer der herzlichsten Menschen, die ich kenne, er ist unglaublich. Wir spielten auch an seinem Festival, dem «Eaux Claires» in Wisconsin. Das war mit Abstand einer meiner Lieblings-Shows in diesem Jahr. Justin ist ein toller Musiker und ein toller Mensch.»

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Musikvideos

«Ah, Musikvideos! Mein neustes Musikvideo ist erst gerade erschienen, ein schönes Werk zum Song Pattern Repeating. Es ist das erste Video, das ohne grosses Mitwirken von mir entstanden ist. Bei den anderen war ich auch für Konzept, Farben und so weiter zuständig. Dieses Mal gab ich all diese Dinge ab. Das Video wurde meines Wissens sogar hier in der Schweiz gedreht, der Regisseur lebt hier. Der Prozess dazu begann vor einigen Monaten und es ist schön zu sehen, welche schöne Symbiose er zu der Musik mit diesem Werk geschaffen hat. Mein persönlicher Favorit ist immer noch das Video zu Highspeeds das mit seiner Einfachheit und der repetitiven Aufmachung fasziniert. Es funktioniert eigentlich wie der Song selber, dieser ist schlussendlich auch wie ein Fragment, das sich stets wiederholt. Und auch der Text, der darin erscheint, zeigt diese Art von Wiederholung ohne jedoch zu langweilen.»

Vinyl

«Vinyl ist echt cool, ich liebe Vinyl. Zu Hause habe ich einen Haufen davon. Hier in Europa hat es mich fasziniert, als ich auf einmal mein eigenes Album als LP in den Händen hielt. Etwas, wovon ich immer geträumt habe, ich habe die Platte wohl wie ein Verrückter endlos lange angeschaut. Wenn wir auf Tour sind Plattenläden sowieso die wichtigsten Orte für uns – nebst den Lokalen in denen wir auftreten. Und natürlich gute Restaurants, wenn es ums Essen geht. Es ist immer toll auf diesem Weg neue Musik zu entdecken, von der du noch nie was gehört hast. Zudem sind die Plattenläden die Orte, welche dir in Erinnerung bleiben und die Platten sind sozusagen Andenken an den Aufenthalt.»

Fangirls

(Lacht) «Aha, Fangirls also. Ich meine Fans sind etwas Tolles, aber ich habe seit sechs Jahren eine Freundin. Sie kommt wenn möglich mit auf Tour. Aber klar, Fans im Allgemeinen sind natürlich wirklich liebenswürdig. Wenn jemand zu dir kommt und dir ehrlich sagt, wie sehr ihn deine Musik berührt oder wie toll das Konzert war, dann ist das wirklich schmeichelnd. Ich finde es toll, wenn die Leute im Publikum eine gute Zeit mit dir haben. Schlussendlich ist es auch eine Menge Arbeit. Du fliegst viel, hast Jetlag, fährst zum Teil stundenlang und bist auch mal 30 Stunden am Stück wach, schläfst vier Stunden und spielst dann eine Show. Da ist es wunderbar zu hören, wie sehr es den Leuten gefallen hat.»

Gitarren

«Oh Gitarren, jetzt kann’s losgehen. Meine allererste Gitarre war eine kleine, feine Silvertone mit einem Pickup. Diese bestand grundsätzlich aus Karton, es war eine Serie. Silvertone stellten ihre Gitarren in einer Fabrik in Neptune New Jersey her und ihre Modelle gehören immer noch zu meinen Favoriten. Ich toure mit einer Two-Pickup-Silvertone, nicht meine erste. Hier in Europa gibt es zudem einen wahren Gitarrenmagier, er repariert und restauriert nicht nur Gitarren, sondern verzaubert sie regelrecht. Man nennt ihn Flip-Skipy-Oh und er kommt eigentlich aus Holland, verbringt aber viel Zeit in Brooklyn. Er verwandelt diese einfachen Papp-Gitarren zu den wunderbarsten Instrumenten. Und seit er an meiner rumgeschraubt hat, kann ich nicht mehr die Finger von ihr lassen. Durch diese Liebe zu meinen Gitarren passe ich auch immer auf sie auf, wenn wir auf Tour herumreisen. Auf Flügen nehme ich sie lieber ins Innere, als dass sie im Laderaum landen. Es ist fast wie bei einem Kind, du schaust immer gut zu ihnen und sie danken es dir.» (lacht)

Einflüsse

«Für mich sind dies Leute aus allen Sparten, egal was sie tun. Ich lasse mich auch von Personen beeinflussen, die nichts mit Musik zu tun haben. Sie können mich faszinieren, was auch immer ihr Hintergrund ist. Die Art von Menschen, die lieben was sie tun und mit ihrem Weg andere regelrecht motivieren und vorantreiben. So finde ich auch durch Andere die Motivation und Energie Musik zu machen. Auch in meinem Umfeld habe ich direkt solche Leute. Zum Beispiel mein Bassist Evan, der von irgendwoher die Kraft hat immer Musik zu machen und Neues zu erschaffen. Wirklich die ganze Zeit. Er sitzt dann vor Ableton und schraubt an neuen Ideen rum, man könnte echt meinen er brauche keinen Schlaf. Ich hingegen sitze zum Teil daneben und gucke Fernsehen und denke mir dann «Okay, dann sind wir mal wieder fleissig» und öffne ebenfalls mein Macbook.» (lacht)

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