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Feierabendgespräche beim Bier und pseudo-intellektuelle Frozeleien mit «Gsprüztäm Wissä». Ja, ich dachte die Hipster seien schon vorbei. Aber Mann, mit all den versammelten Barthaaren könnte ich eine Matratze füttern. Voll handmade und so. Trotzdem vermochte nichts die Stimmung zu trüben. Danke, Friska Viljor!

Bündner sind in der Schweiz bekanntlich beliebt. Für die Engadinerin Martina Linn, eine junge und hoffnungsvolle Singer-Songwriterin, war es deshalb leicht, das Publikum charmant zum Schweigen und Schwelgen zu bringen. Die gemächlichen Folksongs waren vermutlich keine Vorbereitung auf das Feuerwerk von Friska Viljor, doch wärmten sie immerhin mit samtigen Klängen die kühlen Glieder.

Friska Viljor liessen die Stimmung ab der ersten Note eskalieren. Die symapthischen wie melodiösen Schweden brachten die vordersten Reihen mit ihrem Indie-Folk-Pop sofort zum Schwitzen. Plötzlich verharrten Joakim Sveningsson und Daniel Johansson regungslos. Das Publikum johlte, pfiff und applaudierte. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schlug der Drummer Markus Bergqvist los, der Bass liess die Balken des Salzhaus‘ erzittern. Dann verschwand die Band und ein Synthie-Verschnitt von Beethovens Freude schöner Götterfunken erklang.
Ohne Mitmusiker kamen Sveningsson und Johansson zurück auf die Bühne. Boom Boom. Die werten Herren trafen nicht jeden Ton, stellten aber auch nicht diesen Anspruch an sich selbst. Fuck that shit, it’s Rock’n’Roll! Das machte sie greifbar, wie sie so verschmitzt grinsend auf der Bühne ihren Falsettgesang bemühten. Feinfülig stimmten die Musiker auch nachdenkliche Songs an, Johansson griff zur Trompete und verlieh dem Sound eine Prise romantischer Sehnsucht. Sie schrammten knapp am kitschigen Abgrund vorbei.

Mehrere hundert Tanzendwütende bewiesen, dass Friska Viljor mittlerweile auch in der Schweiz Fuss gefasst haben. Die Band verbreitete eine rundum positive Stimmung. Ein musikalischer Vitaminschub für die restliche Woche.