Der Regen hielt am 12. Juni niemanden davon ab, nach Winterthur zu reisen. Sowohl jung als alt drängten sich in die Eulachhalle, um eine Band, die Musikgeschichte geschrieben hat, zu sehen – Lynyrd Skynyrd. 

Trotz der frühen Türöffnung füllte sich die Halle erst kurz vor oder während dem Konzert der Vorband langsam. Da Molly Hatchet die gesamte Tour abgesagt hatte, sprang kurzfristig die Emmentaler Band Chickenhouse ein und versuchte, das Publikum warm zu machen. Chickenhouse, die es schon seit 1989 gibt, wurden als cooler Liveact angepriesen, erfüllten diese Erwartung meiner Meinung nach nicht ganz. Sie waren nicht schlecht, aber nichts besonderes – sie stachen nicht aus der grossen Menge an Rockbands heraus. Als Vorband waren sie ganz OK, jedoch passen sie wohl besser in einen gemütlichen Pub, wo man ihren Sound im Hintergrund hören kann, als in eine Halle gefüllt mit erwartungsvollem Publikum. Auch beim restlichen Publikum riefen sie eher mässige Begeisterung hervor.

Zweieinhalb Stunden nach Einlass war es dann so weit. Die riesige Bühne schien beinahe leer, neben vier Mikrophonständern waren nur zwei Keyboards und ein Drumset aufgebaut – was auch richtig so ist, denn Lynyrd Skynyrd fasst ganze sieben Mitglieder, davon vier Gitarristen, die genügen Platz benötigten, um sich frei bewegen zu können.

Gleich von Beginn an war das Publikum Feuer und Flamme für Lynyrd Skynyrd, was nicht zuletzt damit zusammehing, dass man die Freude der einzelnen Bandmitglieder an ihrer Musik deutlich anmerkte. Jeder einzelne von ihnen ist ein starker Charakter, ein Showman, der das Publikum auch alleine unterhalten können, und als gesamtes sind die Sieben einfach gewaltig, mitreissend, und machen sehr, sehr viel Spass. Besonders aufgefallen ist mir persönlich der Gitarrist Rickey Medlocke, der auch nicht davor zurückscheute, sich mal kurz über die Security, die stocksteif dastehen musste, lustig zu machen.

Die Amerikaner spielten an diesem Abend insgesamt 13 Lieder und dazu noch eines als Zugabe. Besonderes Highlight waren ganz klar Hits wie Simple ManSweet Home Alabama und Free Bird, jedoch auch Tuesday’s Gone überzeugte mit dem kurzen Einsatz der Mundharmonika. Mit tosendem Applaus und lautem Gejubel bedankte sich das Publikum für diese Lieder, und jeder, der die Texte wusste, sang aus voller Kehle bei den Liedern mit – sogar die zwei Jungen, die ganz vorne an der Bande standen und mehr als nur einen wohlwollenden Blick der Band auffingen. Lynyrd Skynyrd schien sich ehrlich darüber zu freuen, dass an diesem Abend drei verschiedene Generationen zueinander fanden – «the old ones, the in-betweens and the young», wie Sänger Johnny van Zant betonte. Bei Bands, die schon seit über 40 Jahren im Musikbusiness sind, ist das Publikum sonst eigentlich, was die Alterklasse betrifft, selten so sehr durchmischt. Dies liegt aber auch daran, dass die Sieben heute noch überzeugen. Ich kann zwar keinen direkten Vergleich ziehen zu der originalen Zusammensetzung von Lynyrd Skynyrd, von der nur noch Gitarrist Gary Rossington in der aktuellen Formation spielt, jedoch haben diese Musiker ihren Job hervorragend gemacht und diejenigen, die eher kritisch zum Konzert gingen, überzeugen können.

Für mich gehört der Auftritt zu den Top-Ten Konzerten!

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