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Am 4. Juni fand im Kongresshaus das Konzert von Elvis Costello statt, der mit seinem Humor, Charme und dem «Spinning Songbook» die rund 1’000 Besucher verzauberte, die sich für seine Show einfanden. Zahlreiche Emotionen wechselten sich während dem Konzert ab: Freude, Trauer, Liebe, und manchmal auch ein bisschen Langweile. 

«You’ll be hearing songs all about love, and sex, and death, and dancing.» Mit diesen Worten richtete sich Costello, nachdem er pünktlich angefangen und die ersten vier Lieder seines Pflichtprogramms gesungen hatte, erstmals an das Publikum, und somit begann der spannende Teil des Abends. Seine Helferin Katerina Valentina Valentine, eine hübsche Blondine, die an ein Saloongirl erinnerte, ging durch die Zuschauerränge, um die erste Frau auszusuchen, die an diesem Abend das Glücksrad drehen durfte.

The Return of the Spectacular Spinning Songbook

Eine kurze Erklärung wie das «Spinning Songbook», das Glücksrad, funktioniert: Das Glücksrad hatte 40 Felder, darunter 1 Joker, 29 Liedertitel und 10 Spezialfelder. Drehte sich das Glücksrad so weit, dass es auf eins dieser Spezialfelder zeigte, so wählten die Musiker selber eins, zwei, oder sogar noch mehr Lieder aus, die sie dann für uns spielten. Die Glücklichen, die das Rad drehen durften, vertrieben sich dann die Zeit während dem Lied an einer improvisierten Bar und liessen sich von dem Kellner Champagner bringen, oder schwangen in der «Hostage-To-Fortune Go-Go Cage» das Tanzbein.

Around it Goes, Around it Goes, Where it Stops Nobody Knows

Endlich durfte nun die erste Frau an dem Rad drehen, und bei Turpentine stand es schlussendlich still – eigentlich ein schönes Lied, das sich aber zu sehr in die Länge zog und gegen Ende hin langweilig wurde.
Schon die zweite Dreherin landete dann jedoch einen Treffer mit Joanna, dem sogenannten Jackpot Titel. Bis auf den Pianisten und Costello selber verliessen alle Musiker die Bühne, und während die erste Klänge des Liedes erklangen, stieg Costello hinab ins Publikum, um den Menschen näher zu sein, während er eins seiner grössten Hits sang: She. Er schaffte es, jeden Zuschauer im Saal zu verzaubern mit seiner etwas heiseren Stimme und trieb sogar dem Einen oder Anderen ein Tränchen ins Auge. Es folgte Talking in the Dark, und nach zwei weiteren Drehungen von zwei jungen Damen Tokyo Storm Warning und Please Please Me. Der erste Mann auf der Bühne erdrehte sich Accidents Will Happen.

The Condemned Man

«Tonight’s first happy couple» war ein glücklich verheiratetes Paar, dass das Spielchen von Costello gerne mitspielte. Theatralisch liess sich der Mann auf die Knie sinken, um seiner Frau den von Katerina erhaltenen wild blinkenden Ring zu überreichen. Die Geschichte für den Grund dieses kleinen Schauspieles steht im Programmheft zu der Tour:

One Young man was so overcome by the awesome sight of the Spectacular Spinning Songbook that he dropped to his knees, produced a ring and asked his gal to marry him in front of more than 2000 witnesses.
She accepted…
Then hugged me first…

Auch bei diesem Paar fielen einige humorvolle Sprüche von Costello, unter anderem, dass sehr viele Lieder auf dem Glückrad stehen, die nicht von Glück oder Liebe handeln. Passend zu der Aussage blieb das Rad bei Condemned Man stehen, was für einige Lacher sorgte.

Das Paar schien sich jedoch gut zusammen zu passen und einer Meinung zu sein, denn die Frau erdrehte sich im Anschluss gleich nochmal dasselbe Lied. Costello jedoch hatte Erbarmen und schummelte ein bisschen, indem er weiter auf Beauty or Beast? drehte – eins der Spezialfelder, bei dem mehrere Lieder gesungen wurden, unter anderem All This Useless Beauty, eins der weiteren Highlights des Abends, und No Particular Place To Go, bei welchem Costello eine kleine Anekdote zum besten gab, wie er Chuck Berry bei den Song Lyrics of Literary Excellence Awards mit diesem Lied die Ehre erwies.

The Hammer of Songs

Die nächste Auserwählte durfte mit dem Hammer auf den “Hau den Lukas” einschlagen, wie man ihn von Jahrmärkten kennt. Mit voller Wucht liess sie den Hammer niedersausen, so dass er bis nach oben ausschlug. Jackpot! Unter allen Liedern durfte sie sich Eines auswählen. Die Dame beugte sich dem Publikum, das mit zahlreichen Zwischenrufen nach I Want You verlangte. Viele hatten auf dieses Lied gewartet, so dass man sich nun umso mehr freute und die Füsse kaum noch stillhalten konnte.

The Second Half

Die zweite Hälfte des Abends gestaltete sich vollkommen anders als die erste. Nun folgten die Musiker einem festen Programm, das aus Hits wie The Slow Drag With Josephine, In Different Nation und v bestand. Inzwischen in Höchstform, erhielt die ganze Band immer wieder Standing Ovations – zu Recht, denn jedes dieser Lieder war wieder ein Höhepunkt für sich. Ein ums andere Mal war der Saal erfüllt von atemloser Stille, so dass Costello mühelos ohne Mikrophon singen und Pfeifen konnte und grossartige Stimmgewalt bewies.

The Final (Countdown)

Ein gutes Konzert braucht ein grossartiges Ende, und diesem Prinzip folgte auch Elvis Costello. Ein letztes Mal durfte gedreht werden, und mit ein bisschen Schummeln seitens des Sängers zeigte der Pfeil schlussendlich auf Oliver’s Army.

Ganz so schnell liess die Band den Abend jedoch nicht zu Ende gehen, sondern spielte noch weitere Lieder, bis sich niemand mehr auf seinem Platz halten konnte. Der ursprünglich bestuhlte Saal verwandelte sich in einen Konzertsaal, wie man ihn kennt, in dem sich alle Zuschauer nach vorne drängten, eng beieinander standen und im Rhythmus der Musik die Hüften kreisen liessen, bis schliesslich die letzten Töne verklangen. Ein Blick zurück auf die Bühne folgte, bevor man das Kongresshaus verliess, um sich dieses Bild, dass die Bühne abgab, einzuprägen. Der Jahrmarkt der Gefühle, wie ich diesen Abend gerne nennen möchte, war nach knapp zweieinhalb Stunden zu Ende.