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«I nime äs Tram, I stige ine Zug, Fahre uf Züri, u de nime ni ä Flug. U i mache was i wott U nümme was si wie, Gniesse mis Läbe, u i chume nime hei.»

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Besser als der Schweizer Mundart-Sänger Gölä kann ich es fast nicht beschreiben. Nur den letzten Satz müsste ich nochmals überarbeiten, aber ich lasse ihn mal so stehen, um in Gedanken das Gefühl der Freiheit noch etwas zu zelebrieren. Ende März habe ich meine sieben Sachen geplackt und bin ins Auslandssemester ins bayrische Regensburg aufgebrochen.

Bodybuilder und Landliebe

Viel konnte ich wirklich nicht mitnehmen, nur das Nötigste, denn 23 Kilo sind schneller erreicht als geglaubt und Gewichte stemmen ist nicht gerade mein Hobby. In meinem Zimmer in Regensburg erwarten mich jedoch einige Hanteln, denn mein Zimmervermieter ist Bodybuilder. Ich habe ihn via Facebook in einer «Zimmersuche in Regensburg- Gruppe» kennengelernt. Er war mir von Anfang an sehr sympathisch, obwohl seine Fotos mich zuerst etwas abgeschreckt haben. Aber man kennt es ja – harte Schale, weicher Kern – was auch auf ihn zutrifft. Er lebt als Wohngemeinschaft zusammen mit drei Männern und einer Frau in einer Doppelhaushälfte, umringt von Feldern, Wiesen und Wäldern, Stadtleben mit Landliebe-Idylle. So gefällt’s mir, da braucht’s nur noch ein bayrisches Dirndl. Nun ist er für ein Praktikum nach München und ich passe solange auf eine Hanteln auf.

Bierkasten-Möbel

Die WG-Jungs sind so richtig bayrisch, überall stehen Bierkästen herum und das Wohnzimmer sieht mit Dartscheibe an der Wand und Tischkicker neben dem Sofa eher aus wie ein Jugendtreff. Oder halt eben wie eine Junggsellen-Bude. Was ich vor dem Einzug nicht wusste war, dass ich ausser einem Bett und einem kleinen Sofa und natürlich den Handeln, nichts in meinem Zimmer habe. Inspiriert durch meine trinkfreudigen Mitbewohner, richte ich mein Zimmer nun mit leeren Bierkästen ein, was erstaunlich gut aussieht und mit 1.50 Euro pro Kasten günstiger nicht geht. Ich habe nun einen Nachtisch, einen Couchtisch und einen Schreibtisch in Bearbeitung – die Handwerkerin in mir freut sich. Für den Schreibtisch habe ich mir im Baumarkt noch ’ne dünne Holzplatte gekauft, allerdings hat er bis jetzt erst die Höhe von zwei Bierkisten. Also musste ich noch zweimal im Supermarkt an einer Kassiererin vorbei, die ihre Gesichtsmuskulatur zu einem «Hää-Ausdruck» verzieht, wenn ich nebst Brot, Gemüse, Nudeln und Käse einen leeren Kastenbier aufs Rollband lege.

«Bist de nen Studi, fährst de umsonst!»

An der Uni ist es wie bei der Post: Immer wenn man was will, muss man an einem Ticketautomaten eine Liste von Knöpfen durchgehen und daneben nach dem richtigen Wort suchen. Dann kommt ein Zettel mit einer dreistelligen Zahl heraus, die meist so hoch ist, dass nicht abzuschätzen ist, ob man eine Stunde oder eine Woche vor dem Sekretariat warten muss. Am besten nimmt man sich ein Buch oder in meinem Fall einen Skizzenblock mit, um die Wartezeit zu überbrücken. Oder man liest sich jeden Flyer durch, der an der Wand hängt, dann ist man auch für eine Weile beschäftigt. Doch das Warten lohnt sich – vor allem, wenn man danach mit dem frisch ausgestellten Studentenausweis in der Hand in den frühen Abendstunden endlich auf den Bus rennen kann und im Geldbeutel nicht die letzen Cents für ein Ticket zusammenkratzen muss, denn: «Bist de nen Studi, fährst de umsonst!» – Servus, tschüss!

In meiner Kolumne «Die Schweizerin und die Lederhosen» werde ich in den nächsten Monaten immer wieder über meine bayrischen «WG-Bubn» und das Leben mit und ohne Dirndl berichten.