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Die Klimakonferenz hat nicht gehalten, was ihre Teilnehmer im Vorfeld versprochen haben. Kaum einer ist darüber erstaunt: In den letzten Jahrzehnten hat die internationale Politik kontinuierlich bewiesen, dass ihr die Klimarettung nicht zu zu trauen ist. Da bleibt nur eine Lösung aus dem Schlamassel: Wenn du willst, dass was richtig gemacht wird, dann mach es selber.

«Wenn die Wirtschaft wächst, dann geht’s uns allen gut.» Eine Plattitüde, die mehr und mehr an der Realität zerbricht. Nichts kann ewig wachsen – auch die freie Marktwirtschaft nicht. Dazu kommt, dass das Wachstum darauf beruht, dass woanders jemand ausgebeutet wird. Zuletzt kann man in Bezug auf menschgemachte Gebilde allgemein feststellen, dass alles, was zu gross und zu komplex wird, irgendwann in sich zusammenbricht. So war es mit dem römischen Imperium, so war es mit der East India Company, und so wird es auch mit den Giganten der heutigen Wirtschaft sein. Doch noch klammern sich diese Riesen eisern an ihre Wachstumszahlen. Und damit die stimmen, wird produziert und produziert. Ein Teil dieser Güter landet ungekauft im Müll. Aber ein Grossteil findet tatsächlich Abnehmer. Getrieben von Werbung, und invaldiert durch Zeitmangel und Unwissen kauft sich der Durchschnittseuropäer eher ein neues Teil, statt das alte zu reparieren. Hier setzt eine der vielen Graswurzelbewegungen ein, die in den letzten Jahren Gestalt angenommen haben. Eine Bewegung, gewachsen als Antwort auf die Unfähigkeit der Politik, die sozialen, ökonomischen und ökologischen Probleme zu lösen.

Ein Beispiel: Die Länge des Stoffkreislaufs

2009 wurde in Holland das Konzept des Repaircafes entwickelt. Es handelt sic dabei um eine Plattform, wo Konsumente mit ihren defekten Gebrauchsgütern auf Fachpersonal treffen, das ihnen hilft, den kaputten Gegenstand zu reparieren. Schon unsere Omas haben bemängelt, dass «früher alles besser war» – insbesondere die Qualität. Was Oma damals einfach beklagte, das bestätigen heute Umweltwissenschaftler. Der Stoffkreislauf ist ungesund kurz. An der Pariser Klimakonferenz wurde sogar beschlossen, diesen Kreislauf zu verlängern. Ergebnis des Beschlusses ist – nun ja: der Beschluss. Ein Vorschlag, wohlklingend und gut gemeint, und dazu noch einen Topf voller Geld.

Da ist der Schweizer Konsumentenschutz schon einen Schritt weiter. Beim SKS setzt man auf die Graswurzelbewegungen. Wer ein Repair-Café gründen will, bekommt dort wichtige Informationen und Hilfestellungen. Die eigentliche Arbeit aber bleibt bei der Basisbewegung.

Die politische Dimension

«Eigentlich geht es uns ja gut.», sagt der Durchschnittsmensch im Westen. Aber anderswo geht es den Leuten nicht so gut. Sie gehen auf die Strassen. Sie schreiben wütendede Blogeinträge. Sie vernetzen sich. Im Zeitalter der digitalen Revolution hat der politische Alltagsaktivismus Dimensionen angenommen, die historisch einzigartig ist. Höchstens die Lesegesellschaften der Aufklärung können als Beispiel heran gezogen werden. Diese Zirkel, in denen im achtzehnten Jahrhundert die intellektuelle Elite Europas neue Ideen austauschte, finden sich mittlerweile online. Heute sind sie aber viel, viel breiter – etwas verallgemeinert könnte man sagen, die ganze Welt redet mit. Im Bereich der freien Softwareentwicklung führt dies zu Innovationen. Bei unterdrückten Völkern zu Revolutionen.

Die Revolution aber ist eine sehr krasse Form der Graswurzelbewegung. Meistens sind solche Strömungen leiser und unauffälliger. Eben wie Gras, dass kontinuierlich vor sich hin wächst. In ihrer modernen Form sind sie seit den Siebziger-Jahren Teil unserer Gesellschaft. Häufig gewinnen solche Basisbewegungen an Zulauf, wenn sich in der grossen Politik eine Krise abzeichnet. Die Leute suchen nach Alternativen, und finden diese häufig durch den Rat ihrer Mitmenschen.

Chancen und Gefahren

Auch in der aktuellen Flüchtlingswelle zeichnet sich das Schema ab, wonach die Politik pennt, während die Bürger das Problem selber managen. Hier offenbart sich auch ein Gefahrenpotential der Basisbewegungen: Während sich Viele als Flüchtlings- oder Integrationshelfer betätigen, wollen andere das Asylproblem auf die Harte Tour lösen, indem sie die Heime in Brand stecken. So schön und vielversprechend das Potential von Volksbewegungen auch ist, es birgt die Gefahr von Pöbelherrschaft, oder es lässt sich manipulieren.

Bleibt zu hoffen, dass sich Vernunft, Anstand und Empathie durchsetzen. Die Graswurzelbewegungen hätten tatsächlich das Potential, die Menschheit in ein friedliches Zeitalter zu führen. Und im neuen Geist der Nachhaltigkeit gesprochen, muss es nicht mal golden sein – funktional reicht.