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Eine Fernbeziehung zu haben, heisst vielleicht fern von einer «normalen» Beziehung zu sein. Doch will man denn überhaupt eine normale Beziehung?

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Seit Anfang Oktober reisen mein Herz mein Gedanke und ich alle paar Wochen zwischen Regensburg und Luzern hin und her.

Doch wie funktioniert eine Fernbeziehung?

Jeder Ton, den das Handy von sich gibt, lässt das Herz höher schlagen. Jedoch muss man aufpassen, dass nicht auch die Handykosten luftige Höhen erreichen. Daher holt man sich am besten ein Abo vor Ort oder viele Briefmarken. Ja, der Gedanke, wie in alten Zeiten Briefe hin und her zu schicken, hört sich schon romantisch an, aber die Ungeduld, die uns durch die «Alles muss schnell gehen»-Kultur mit auf den Weg gegeben wurde, lässt uns lieber aufs Handy starren und unsere Daumen trainieren.

Schrecklich wird es jedoch, wenn durch die stundenlangen WhatsApp und FaceTime-Calls das Internet-Datenvolumen sich langsam zu Ende neigt. Doch dann werden drei Tage zur Kommunikations-Tortur. Die Augen beginnen jeden Ort nach freiem Wi-Fi abzuscannen. Manchmal ist man überrascht, wenn man vor dem Regensburger Dom einen Hotspot findet, immerhin für 30 Minuten, und manchmal wird man aggressiv, wenn es wieder rausfällt und man sich wie ein Obdachloser fühlt, der sich im Halbstunden-Takt auf die Suche nach einem warmen Platz machen muss, weil man von den Worten «Keine Internetverbindung» verfolgt wird. Doch zum Glück hat jeder Monat ein Ende und ein neuer beginnt, und mit ihm ein neues Datenvolumen.

Zwischen den Zeilen hat sich wohl nun so mancher gefragt, über was man eigentlich spricht. Was lässt die Gespräche zwischen zwei Menschen, zwischen zwei Ländern so lang werden?

Es sind die zwei Welten, in denen man lebt. Vor allem derjenige, der im Ausland ist, ist beinahe tagtäglich mit neuen Situationen konfrontiert. Man erzählt von der neuen Arbeit, der neuen Uni, den neuen Freunden, dem neuen Lieblingsessen, den neuen Kleidern und den alten Gewohnheiten und Routinen, die nun über Bord geschmissen wurden.

Sprechen wir doch gleich mal über die Routinen. Diese geben den Menschen Halt durch ein Gefühl der Sicherheit, durch das «Vorausschauen können». Sie deuten auf Verlässlichkeit hin, diese ist zum Beispiel sehr wichtig, wenn es um die abgemachten Telefon-Zeiten zwischen dir und dem in der Ferne geht. Doch zugleich können sie einengen, einem das Leben kleinkariert erscheinen lassen, wenn man während dem «Pendeln für die Liebe» das Gefühl hat, jeden Winkel der Umgebung zu kennen, die vor dem Zugfenster vorbeirast, man jedoch selbst Schuld ist, da man ja immer die gleiche Zugstrecke bucht. Klein-kariert sollte jedoch, wenn überhaupt, nur das Tischtuch sein, wenn man sich mit Freunden im Restaurant trifft, um aus der abendlichen «Melancholie des Vermissens» auszubrechen, oder ihnen von den schönen Wochenenden mit dem geliebten Menschen in der Ferne zu berichten und dabei die Augen, in der Erinnerung schwelgend, wieder so Glänzen, wie in den Stunden der Zweisamkeit.

An solchen Abenden stellt sich oftmals auch heraus, wer sich wirklich für dein Leben und die Höhen und Tiefen, die du erlebst interessiert. Und du wirst erfahren müssen, dass die Stühle um den von dir im Restaurant reservierten Tisch immer weniger werden, denn zu viel gelebtes Glück vertreibt paradoxerweise so mancher aus deinem Leben.

Das Kommen und Gehen wird zur Routine. Das Ankommen als Gefühl und Gegebenheit, wenn du wieder bei deiner geliebten Person bist und das Gehen, wenn du deine Jacke wieder vom Kleiderständer nimmst, einen Kuss bekommst und mit dem schwerem Koffer und Herzen zum Bahnhof fährst.

Für manche grenzt es an Verrücktheit alle paar Wochen für ein Wochenende solch eine Reise anzutreten, für mich gibt es keine Grenzen, wenn ich an den Menschen denke, den ich liebe.