Nachdem man unfreiwillig Montagmorgens aus dem Bett gescheucht wurde und sich mal wieder fragte, warum man denn so früh aufstehen muss, dem wurde am Abend genau diese Frage beantwortet. Seeed im Hallenstadion Zürich sorgten für ein fast ausverkauftes Haus und bombige Stimmung. Doch leider muss das Schweizer Publikum immer erst wachgerüttelt werden, diese Aufgabe übernahm der US-amerikanische Rapper und Produzent Theophilus London.

Seeed kickten das Hallenstadion weg (Sacha Saxer)

Seeed kickten das Hallenstadion weg (Sacha Saxer)

lb. Ungeduldig warteten die Menschenmassen schon Stunden vor dem Konzert auf den Einlass. Gedrängel, Geschwafel und viel Bier und andere Substanzen wurden zelebriert und konsumiert. Dann endlich die Türöffnung. Danach dauerte es noch eine geschlagene Stunde bis sich Theophilius London auf der Bühne zeigte. Er eröffnete mit einem eher ruhigen, chilligen Lied und steigerte sich in der halben Stunde, in der er auf der Bühne sein durfte, zusehends. Am Ende herrschte sogar bei den fast nicht wachzurüttelnden Schweizern Partystimmung. Schade, denn der US-amerikanische Rapper hatte eigentlich mehr verdient, als den lausigen Applaus, den er erntete, und dass gerade mal die vordersten paar Reihen mittanzten, sprach auch für sich.

Doch davon liess sich Theophilus London nicht einschüchtern, er tanzte, schrie vor Begeisterung – dieses “Aouwh” hätte man gar Michael Jackson zuschreiben können – sang mit vollstem Elan, rappte und animierte das Publikum zum hüpfen, mitklatschen, Arme mitschwenken und lobte seine Unterstützung auf der Bühne. Davon stach vor allem der Bassist hervor, der immer mal wieder zum Tänzer umfunktioniert wurde, wenn es grade mal keinen Bass-Part zu spielen gab.  Und wenn das Publikum diesem jungen Mann etwas genauer zugeschaut hätte, wäre der weitere Abend vielleicht etwas ästhetischer verlaufen.
Nach einer halben Stunde bedankte sich Theophilus London und räumte die Bühne für Seeed. Die brauchten aber noch etwas mehr als eine weitere halbe Stunde, um die Bühne um zu bauen und das Publikum im Hallenstadion wurde immer unruhiger. Vereinzelte Pfiffe und Rufe hallten nach vorne. Sie zeigten ihre Wirkung, denn kurz nach Neun stand Seeed auf der Bühne.

Seeed eröffnete mit einem ruhigeren Intro ihres Orchesters und gaben dann gleich Vollgas. Mit ihrem Hit Dancehall Caballeros stellten sie sich selbst dem Publikum vor und erzeugten Tanzstimmung. Natürlich marschierten und tanzten Seeed selbst ebenfalls auf der Bühne herum. Ob man den Tanzstil mag oder nicht, darüber lässt sich sicherlich streiten, aber immerhin waren die Jungs durchgehend im Takt und führten die einstudierten Moves gemeinsam und synchron durch. Das selbe würde ich gerne vom Publikum behaupten, aber die Massen, die sich zwar zum Takt bewegten, spalteten sich in drei Untergruppen:

Die erste Untergruppe hatte die Musik im Blut und tanzte ungehemmt und mit wackelnden Hüften und gezielten Schritten durch die Menge. Hier wurden nicht nur Hüfte und Arsch geschwenkt sondern wirklich getanzt, mit Arm und Beineinsatz, mit Rythmus im Blut und einem Lachen auf den Lippen.
Die zweite Untergruppe versuchte es der ersten gleich zu tun und hätte sich wohl selbst ausgelacht, denn der Versuch war eher jämmerlich. Dennoch wurde mit vollster Überzeugung die Tanzgöttin/der Tanzgott des Abends zu sein durch die Menge gewippt. Alter – egal!
Und die dritte Untergruppe machte das, was sie wohl auch immer im Ausgang machen: Versuchen möglich lasziv ihr Hinterteil zu schwingen, um sich dabei sehr sexy zu fühlen und dabei mehr wie eine Ente, die nicht gebraten werden will und deshalb versucht davon zu watscheln, auszusehen.

Aber darauf kam es an diesem Abend nicht an. Sondern darauf, Spass zu haben und das Publikum hatte offensichtlich Spass. Es wurde mitgesungen, geklatscht und das ohne Aufforderung! Seeed spielte eine ganze Palette von Liedern. Von ihren ganz alten Alben, bis zu ihrem neusten. Brachten Klassiker wie Schwinger und Aufstehen. Kämpften sich von ruhigen Reggae Liedern zu Tanz-Hiphop durch und Peter Fox brachte sogar seine damalige Single Alles Neu mit auf die Bühne und erntete dafür anhaltenden Applaus.
Erwähnenswert waren auch die Übergänge der Lieder, die mit Scherbenklirren eingeleitet wurden und die fantastische Lichtershow, die den Abend über erleuchtete. Ein sehr gelungenes Konzert mit bombigen Beats, Tanzstimmung und ein geretteter Montagabend.

Fotos: Sacha Saxer

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