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Fast hätte ich einen Hitzeschlag erlitten, als ich mich vergangenen Montag in meinem brennend heissen Auto auf den Weg nach Zürich machte. Aber man muss bereit sein, Opfer auf sich zu nehmen. Besonders dann, wenn man die Möglichkeit hat, einen Blick in die Zukunft zu erhaschen.

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Und diesen Blick in die schon sehr nahe Zukunft gewährte an jenem Tag, an dem das Eis in den Händen so schnell schmolz wie Kindheitsträume, das Unternehmen Samsung an einem Medienanlass, in dem ich mich zuerst mit Hemmungen und nobler Zurückhaltung, später hemmungslos und mit ausgetrockneten Mundwinkeln an den angebotenen Getränken bediente. Ich war einer Einladung gefolgt, auf der in nüchterner Unternehmersprache die Präsentation von Virtual Reality-Brillen und verbogenen Bildschirmen – die aber nicht kaputt waren, keine Sorge, sondern absichtlich so gemacht worden sind – angekündigt wurde. Auch das ist Zukunft. Ich könnte jetzt in zahlreichen Anglizismen, so wie es die wirklich netten Leute von Samsung auch erklärt haben, hier niederschreiben, warum Curved Monitors genau diese Zukunft sind, von der ich rede.

Nein, bleiben wir bei der Wahrheit… Ich könnte es nicht.

Denn als die Präsentation, die übrigens in der Lounge des angeblich besten Kinos der Schweiz stattfand, in vollem Gange war, nippte ich an meiner Getränkeflasche, um die anderen Anwesenden bloss nicht merken zu lassen, dass gerade mein Gehirn nicht in vollem Gange war und grösste Mühe hatte, der Expertensprache zu folgen.
Ich höre den Leser ohnehin dankend aufjauchzen, wenn ich hier und jetzt in einfachem Deutsch sage: Die Zukunft gehört den gekrümmten Bildschirmen, weil sie irgendwie besser für’s Auge sind. Und wer will schon etwas hinterfragen, was besser für’s Auge ist? Schon die alten Römer – oder die Angehörigen irgendeiner anderen antiken Hochkultur – wussten, dass man Kostbares wie einen Augapfel hüten sollte.

Mit diesem Vergleich bin ich wieder in der Vergangenheit gelandet, und das auch noch bei den alten Römern! Schleunigst zurück in die Zukunft jetzt, genauer ins moderne Zürich an einem heissen Sommertag.

Mittlerweile im Kinosaal des besten Kinos der Schweiz, unter der Erde zwar, aber noch immer unglaublich heiss, wurden im zweiten Teil des Anlasses diese klobigen Brillen vorgestellt, die man sich über die Augen zieht und dann in eine virtuelle Realität eintaucht. Die virtuelle Realität ist zwar noch nicht so scharf wie unsere altbekannte, in der wir jedes Jahr die Steuern ausfüllen und einreichen müssen, aber es ist durchaus faszinierend, wenn man das Gefühl hat, beispielsweise durch einen dreidimensionalen Weltraum zu fliegen, und über, unter und von beiden Seiten erstrecken sich die Weiten eines computergenerierten Alls.

Faszinierend ja, aber jetzt nicht so, dass ich Tränen in den Augen gehabt hätte. Da muss schon einiges mehr kommen. Und ich ahne mit prophetischer Voraussicht auch schon, was genau da noch kommen wird, welchen Weg diese Entwicklung beschreiten wird.

Die Pornografie, liebe Leser, wird durch diese Technologien, deren Zeuge ich an jenem Tag bei Samsung wurde, revolutioniert. Nie wieder wird der Mensch einen Fuss vor die Tür setzen müssen, um seinen Drang nach körperlicher Nähe zu stillen. Wir werden uns diese helmartigen Brillen auf den Kopf stülpen und Helene Fischer von ganz anderen, bisher unbekannten Seiten kennenlernen können. Und ich rede keineswegs von einem Abstecher in die englischsprachige Popmusik.

Ein Hoch auf die Wissenschaft, auf den Erfindergeist und die Zukunft, die näher ist, als wir alle denken.