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Danko Jones hat vor dem Durchbruch im Rotlichtmilieu gearbeitet. Sex zieht sich durch sein ganzes Werk. «Fire Music» macht da keine Ausnahme. Doch das Album lässt einen unbefriedigt zurück. Wir kennen die Gründe.

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Danko Jones haben sich ein überlebensgrosses Denkmal gesetzt (Foto: zvg)

Zugegeben, Rock’n’Roll Is Black And Blue war stellenweise richtig heiss. Aber im Gesamteindruck blieb das 2012 erschienene Album von Danko Jones ziemlich bluesig – zumindest für Danko-Verhältnisse.
Ich reisse den Umschlag auf und heraus purzelt Fire Music, das neuste Machwerk aus der kanadischen Riff-Schmiede. Insgeheim keimt in mir die Hoffnung auf ein Below The Belt Vol. 2 – Ach, wem mache ich was vor: Ich schreie diese Hoffnung laut heraus.

Das Messer dreht sich

Eine Wild Woman eröffnet das Feuer. Der neue Drummer Rich Knox drückt unaufhörlich. Knox kam frisch von Flash Lightning aus Toronto zur „hardest working rock’n’roll-band in the world“. Danko dehnt seine Silben über die Songs wie Kaugummi an den Sohlen deiner Chucks. Wir sind angezählt, heiss auf mehr, mehr Fire Music!

Und dann dampft das Trio richtig los. The Twisting Knife bläst uns kristallklaren Rock um die Ohren. Die Phrasierung der Zeilen ist unverkennbar und einzigartig.

And the knife will keep twisting,
Until I die!

Mit den choralen Woah-Oh-Oh’s wird The Twisting Knife zum ultimativen Live-Knüller. Gleich danach messerscharfes Gitarren-Gefräse. Überwältigend!

Faustkämpfe und Hüftschwünge

Links, rechts und dann ein Kinnhaken. Stille. Dann beginnt der Kampf. Gonna Be A Fight Tonight steht dem Tempo und der Energie von The Twisting Knife in nichts nach. Es geht genau so wild weiter. Bisher haben Danko Jones meine insgeheim laut ausgerufenen Wünsche nicht enttäuscht. Mit Body Bags rennen sie unaufhaltsam weiter, schnell und dreckig. Wie in den vorangehenden Songs setzen Danko Jones auch hier auf dezente, aber unglaublich wirksame Choräle. Gleich drei Songs, die man vermutlich nach einer Show kaum mehr aus dem Kopf kriegt.

Live Forever – Danko Jones drosseln ihre Fahrt etwas. Dafür bieten sie erneut einem feurigen Gitarren-Solo Raum. Do You Wanna Rock ist schlicht grossartig. Mango Kid aus Born A Lion ist zurück, wild und bereit für Schweinerein. Die neckischen Cowbells geben dem Vibe die nötige Würze. Die Kleider liegen längst schweissnass auf dem Boden und die Hüften kreisen immer weiter. Die Hüftschwünge gehen nahtlos in Getting Into Drugs über. Hier findet die Rock’n’Roll-Magie noch ihre wohlverdiente Anerkennung:

I like the Rolling Stones,
I like the Wu-Tang-Clan.
I wanna quit my job,
And start a rock’n’roll-band!

Die reine Seele des Rock’n’Roll

Plötzlich riecht es nach verbranntem Gummi. Watch You Slide. Ein Song, dem man sofort Auto-Verbot erteilen muss, ausser man hat ein verdammt grosses Bussen-Budget. Hochentzündliche Rockabilly-Getöse in packender Punk-Manier.

Nun braucht es eine kurze Pause. Schwer schnaufend kommt I Will Break Your Heart angestapft. Nach den vielen Arschtritten, die uns Danko Jones bisher verpasst haben, darf diese ordentliche Portion Heavy-Blues dann doch sein. Dafür sticht einem nun ins Ohr, wie geil die Band klingt. Man braucht sich nur die grossen Songs der Stones oder von Led Zeppelin anzuhören, um die offensichtlichen Parallelen zu ziehen. Dafür gibt es einen einzigen Grund: Sie geben den Instrumenten den Platz, den sie verdient haben. Hier und da schert eine Gitarre aus, dann plötzlich eine Kapriole von Drummer Knox. Das ist die reine Seele des Rock’n’Roll.

Ein überlebensgrosses Denkmal

Piranha ist dann wieder eine chaotisch schnelle Nummer, ganz nach der Handschrift der Band. Man muss gar nicht zu viele Schnörkel in die Melodie setzen. Für Danko Jones reicht eben quick und dirty. Das können sie gut, nein, am besten. She Ain’t Coming Home kreischt und klagt vor Seelenschmerz. Ein gelungener Abschiedssong für ein mit 36 Minuten viel zu kurzes Vergnügen. Es ist wie bei gutem Sex. Es bleibt die Lust auf mehr.

Mit Fire Music haben sich Danko Jones ohne jeden Zweifel ein überlebensgrosses Denkmal gesetzt. Nach 18 Jahren Geschichte und über dreissig transatlantischen Tourneen wird es Zeit, dass alle anerkennen: Danko Jones gehört zu den besten Rockbands überhaupt.

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Release
6. Februar 2015

Label
Bad Taste Records

Tracklist