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Man nehme eine Portion Metal, eine Messerspitze voll eingängiger Synthiemelodien und schmecke dies mit einer Prise Glitzer ab – fertig ist das schmackhafte Menü à la Deathstars. Wer dem Z7 einen Besuch abstattete, durfte sich schwedische Haute Cuisine zu Gemüte führen und kennt nun das Geheimrezept: Die Jungs scheinen alle Zutaten einfach im Blut zu haben. Die lange Tournee mit Rammstein schien jedoch auch ihre Spuren hinterlassen zu haben.

Eine kleine aber feine Fangemeinde haben sich die Todessterne in den letzten Jahren in unserem Land aufgebaut und diese in regelmässigen Abständen mit einem Besuch beehrt – jedenfalls bis auf die letzten drei Jahre. Denn mittlerweile liegt es schon drei Jahre zurück, dass sie das letzte Mal hierzulande auftraten – kein Wunder, wurden sie am 17. März schon nachmittags sehnsüchtig erwartet. Als Supportact von Rammstein stehen sie seit Monaten täglich vor Millionenpublikum, was für sie aber anscheinend kein Grund ist, den Boden unter den Füssen zu verlieren. Entspannt wie eh und je genossen sie vor Einlass noch ein wenig die Sonne und ein kühles Bier und unterhielten sich mit den Fans.

Einige Stunden später wurde der Konzertabend von ihren Landesmännern von The Marionette eröffnet. Die sechs Jungs traten adrett im Smoking auf und dem Publikum mit ihrem kraftvollen, etwas an Sonic Syndicate erinnernden Melodic Death in den Hintern – oder versuchten es zumindest. Einige Fans dieser eher modernen Death-Metal-Spielart liessen sich von Zeit zu Zeit zögerlich zum Headbangen animieren. Die vielseitige Stimme von Sänger Alexander Andersson erntete anerkennende Blicke, doch obwohl sie nebst Deathstars schon mit einigen Szenegrössen wie Dark Tranquility oder den erwähnten Sonic Syndicate auf der Bühne standen, wirkte die ganze Band etwas angespannt und statisch. Nun, der Funke schien leider nicht vollständig übergesprungen zu sein – party hard geht definitiv anders.

Doch dann war es ja auch bald schon Zeit für Death dies hard und somit die Hauptband des Abends! Die mittlerweile stattliche Deathstars-Fangemeinde rückte vor der Bühne zusammen und die Luft knisterte förmlich vor Spannung, als sich die Halle verdunkelte und die Bühne in Nebel getaucht wurde. Mit den ersten Takten von Mark of the Gun erschienen schemenhafte Gestalten, welche urplötzlich in grelles Scheinwerferlicht getaucht und mit frenetischem Jubel empfangen wurden. Sofort fiel die gewohnt schräge Aufmachung der fünf Schweden ins Auge: Die überaus weiblichen Bewegungen des Sängers Whiplasher liessen sich auf den ersten Blick so gar nicht mit seinem männlichen Körper und der tiefen Bass-Singstimme vereinen –  sein Glitzermakeup und der rote Lippenstift setzten dem ganzen noch die Krone auf. Gitarrist Cat Casino blinzelte von Zeit zu Zeit hinter seiner toupierten Haarmähne hervor und spielte gewohnt kokett mit dem vorwiegend weiblichen Publikum, während Basser Skinny Disco den Fans in der ersten Reihe seine hüftlangen Dreadlocks um die Ohren peitschte und die Backgroundparts ins Mikro screamte.

Die Setlist beinhaltete ziemlich jeden Ohrwurm, der sich auf ihren letzten beiden Alben finden lässt: vom magischen Tongues bis hin zum russisch angehauchten Chertograd sowie der neuen Single Metal. Das wohlbekannte Blitzkrieg scheint an jedem Deathstars-Gig ein Höhepunkt zu sein und lädt auch die hintersten Reihen zum Refrain-Mitschreien ein. Wer die Band nicht zum ersten Mal erlebte, bemerkte womöglich den Hauch von Routine, der sich bei den Schweden eingeschlichen hat – die Rammstein-Tournee scheint ihre Spuren hinterlassen zu haben. Die Bemerkungen Whiplashers zwischen den Songs schienen etwas abgewetzt, die Performance der Bandmitglieder ein wenig zu einstudiert und die Interaktion mit den Fans, welche die Konzerte der Sterne sonst auszeichnet, hielt sich bedeckt. Es war zweifelsohne nicht ihr bestes Konzert, doch den Spass scheinen sie noch lange nicht verloren zu haben. Desweiteren ist nach drei Jahren endlich ein neues Album in Sicht, worauf man mit Sicherheit gespannt sein darf!