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Als ich einem Freund neulich die Handlung von «Mad Max: Fury Road» möglichst lebhaft schildern wollte, um ihn auch ins Kino zu locken, habe ich seine gesamte Wohnungseinrichtung zertrümmert. Nun antwortet er auf meine Anrufe und Nachrichten nicht mehr. Beim Schreiben von Texten hingegen sind keine Schäden an Möbeln zu erwarten. Zum Glück für mich.

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Von all den Charakteren, die in Mad Max: Fury Road vorkommen, dem neusten Werk von Georg Miller, Schöpfer der mittlerweile legendären Mad Max-Trilogie mit Mel Gibson in der Hauptrolle, tat mir die Eidechse, die ihr Schauspieldebüt in den ersten paar Minuten des Films gibt, am meisten Leid. Das Reptil gerät vollkommen unverschuldet in den Gaumen des hungrigen Max, nun gespielt von Tom Hardy, dem sie als Snack vor der aufreibenden Verfolgungsjagd dient, die gleich darauf ihren Lauf nimmt. Diese Eidechse bleibt so fast der einzige Charakter, der sein Ende nicht in einem spektakulären Stunt findet, während einer wilden Verfolgungsjagd oder in einem epischen Gefecht. Denn nach der Szene mit der Verspeisung des schuppigen Reptils ist Mad Max: Fury Road im Grunde genau das: Eine Aneinanderreihung spektakulärer Stunts, wilder Verfolgungsjagden und epischer Gefechte.

Klingt nach einem tumben Actionfilm? Ja, absolut. Allerdings müsste man tumbe Actionfilme zu einer neuen Kunstform erheben, wenn alle so gemacht wären wie der neuste Streifen um den einsamen Max, der, getrieben von den Geistern seiner tragischen Vergangenheit, durch das Ödland einer postapokalyptischen Zukunft umherstreift, auf der nie enden wollenden Suche nach Benzin, Wasser, Essen und Erlösung. Die Betonung aber liegt klar auf Benzin, denn das ist im wahrsten Sinne des Wortes der Treibstoff für jegliches Vorankommen in den endlosen Wüstenlandschaften, aus welchen die Erde nun besteht und die von den wenigen verbliebenen Menschen in archaischen Gefährten mit wahrscheinlich sehr schlechter Ökobilanz durchreist werden.

Schliesslich dreht sich auch die Handlung des Films – ja, es gibt eine – um das schwarze Gold, das man zu Benzin und Diesel für die überlebenswichtigen Gefährte macht. Im Grunde ein sehr aktuelles Thema und vielleicht mehr als das; vielleicht ist Mad Max: Fury Road mit dem Antagonisten Immortan Joe, der wie ein Diktator die knappen Ressourcen – Wasser und Öl – seines Wüstenreiches verteidigt und das Umland ausbeutet, eine düstere Zukunftsvision. Eine, in welcher der grausame Herrscher seine Schergen, deren erklärtes Ziel im Kampf der Tod ist, weil sie nur dadurch Zutritt in ein ewiges Leben nach dem Tod erhalten, auf die eine Frau hetzt, die sich seinem totalitären Regime widersetzt.

Zu eben dieser Frau gibt es übrigens eine lustige Geschichte: Furiosa, gespielt von Charlize Theron, war nämlich einer der Hauptgründe, warum die Blogger der US-amerikanischen Website «Return of the Kings» den Film boykottierten. Die kann nämlich besser schiessen als Max, ist mindestens genau so stark wie er und ein Badass, wie er im Lexikon stehen dürfte. Der Film sei gemäss den bloggenden Männern gedreht worden, um mit den spektakulären Stunts zahllose Männer in die Kinos zu locken – hat bei mir auch geklappt – und ihnen dann unterschwellig, in packenden Bildern eingewickelt, eine feministisch liberale neue Weltordnung in die vom Explosionsfeuerwerk aufgeweichte Hirnmasse zu indoktrinieren. Ob es bei besagten Bloggern noch genügend Hirnmasse hätte, um eine solche Indoktrination überhaupt durchführen zu können, kann ich bis zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Text schreibe, nicht mit Sicherheit sagen. Ich habe zumindest keine bleibenden Schäden davongetragen, erkenne auch keine ausgeprägten feministischen Züge an mir. Alles wie gehabt, nur hatte ich nach dem Film eine seltsame Sehnsucht danach, durch eine apokalyptische Wüstenlandschaft zu brettern und wilde Abenteuer zu erleben. Das will nicht viel heissen, denn nachdem ich die Filme von Harry Potter gesehen hatte, versuchte ich auch, über ein Jahr lang, meinem Haushaltsbesen das Fliegen beizubringen.

Diese Zeit ist nun eine Lücke in meinem Lebenslauf. Ich werde mir irgendeine glaubhafte Geschichte bei der nächsten Bewerbung bereithalten müssen.

Wenn ich nun schon bei Lücken bin: Es kursiert das Gerücht, dass Tom Cruise früher, bevor er ein berühmter Schauspieler und Vollzeitscientologe wurde, ein Gebiss wie ein Pferd hatte. Die Leute haben dem ambitionierten jungen Mann deshalb jegliche Chancen in Hollywood abgesprochen. Langer Rede kurzer Sinn: Tom Cruise liess sein Gebiss richten, und kurze Zeit später jagte er als Pilot Militärjets über die Kinoleinwände der Welt. Ich erwähne das deshalb, weil Immortan Joe, der Gegenspieler von Max und Furiosa, im Film eine Pferdegebissmaske auf dem Gesicht trägt und genau deshlab eine atemberaubende Präsenz ausstrahlt.

Die Zeiten ändern sich, vielleicht nähert sich sogar die Apokalypse. Gibt es eine bessere Art, sich darauf vorzubereiten, als Endzeitfilme wie Mad Max: Fury Road zu schauen und fettige Nahrungsmittel in sich reinzuschaufeln? Ich wage es zu bezweifeln.