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Die «100 Jahre-Tour» der Ersten Allgemeinen Verunsicherung zeigt, dass sie im Geiste kaum gealtert sind. Ein Tänzchen hier, ein Schwätzchen da und ein bunteres Gemisch aus Alter und Klamotten wäre wohl kaum vorzufinden gewesen an einem anderen Ort. Eine Vorband brauchen sie definitiv nicht.

Nicht ausverkauft, aber dennoch mehr als gut gefüllt war das Zürcher Volkshaus. Vom Kind bis zu deren Grosseltern war wohl alles vertreten. Die Bühne farbenfroh dekoriert – mit Wolken und Palmen –, fingen EAV pünktlich um 20 Uhr mit einer textlich etwas modernisierten Fassung von Neandertal aus dem Album Watumba an. Modernisiert in dem Sinne, dass nun auch Facebook und Twitter einen Platz im Lied gefunden haben. Von wegen die älteren Semester würden das nicht mehr kapieren! EAV beweisen das Gegenteil und macht dazu noch von Anfang an Stimmung. Das Publikum singt mit, klatscht und ist bereits bei diesem ersten Stück aus dem Häuschen.

Danach folgt der Klassiker Banküberfall, bei dem sich Sänger Klaus Eberhartinger in gewohnter EAV-Manier in ein Kostüm legte, was für diesen Abend auch nicht sein letztes blieb, sondern in der Tradition, bei jedem Lied ein neues anzog.

Das Publikum wurde begrüsst und nebenbei erwähnt das Zürich ja eine Pflichtstation für ein Konzert sei und sie deswegen auch mindestens einmal im Jahr hier seien, wobei es auch schon wieder zwei Jahre her sei. Nun fragte er das Publikum in einer Handzeichen-Abstimmung nach dem Alter. Es war wirklich alles vertreten doch der grösste Teil war zwischen 30 und 43 Jahre alt. Er gab noch ein paar nette Ratschläge, wie das die Generation 50+ doch besser bereits mit der Hand im Blumentopf schlafen solle, um sich an die Erde zu gewöhnen.

Nach diesen Informationen und Hinweisen folgte das Lied Sandlerkönig Eberhard bei dem, kaum merklich, ins Mikrofon gerülpst wurde. Klaus teilte eine weitere Lebensweisheit mit dem Publikum. Wer 120 Jahre alt wird, ist nicht 90 Jahre lang 30, sondern 30 Jahre lang über 90. Gut, dass wir darüber nun endlich Gewissheit haben!
Bei Märchenprinz legte er ein flottes Tänzchen hin und wurde mit einem riesigen Applaus vom Publikum belohnt.

Sämtliche Klassiker kamen in dem zwei Stunden dauernden Konzert, zur Freude des Publikums, an ihre Ohren. Darunter auch Samurai, Nächte von Palermo, Kerkermeister, Die Russen kommen, Fata Morgana und Burli.
Einige Stücke wurden nebst Neandertal auch noch abgeändert, zum Beispiel Ding Dong wurde in dieser gespielten Kurzform mit netten Textstellen versehen wie «…vielleicht ist es die Merkel, die schuldet mir Harz IV» zu dem passend jemand im Merkel-Kostüm die Bühne betrat.

Die Einleitung zu Geld oder Leben wurde kurzerhand vom Publikum gesprochen und das ganze Lied mitgesungen. Das Publikum unterstützte die Band bei jedem Lied ausserordentlich und kam auch jeder Bitte nach. So auch bei Nächte von Palermo wo sie bereitwillig einen Mandolinenchor spielten (Wer es probieren will, soll mit offenem Mund eine Melodie singen und dabei den Finger ganz schnell im Mund hin und her bewegen oder die Zunge ganz schnell rein und raus strecken).

Bei Inspektor Tatü haben die Damen brav ihren Text «Hände an die Wand» und die Herren «Füsse in die Höh‘» gerufen, so wie es ihnen auch die netten Polizisten mit ihren Schildern zeigten. «Es gibt Leute, denen man nicht in einer dunklen Gasse begegnen will…», erzählte uns Klaus bei diesem Lied, «…den Polizisten! Ist hier gerade einer anwesend? Ist nicht böse gemeint, ich wollte nur mal einen sehen ohne etwas zahlen zu müssen.»
Als die Band gerade anfing Küss die Hand schöne Frau zu spielen gab es am Rand eine kleine Aufruhr. Zwei Damen suchten Rat bei den Securitas, da sie von zwei angetrunkenen Herren belästigt werden. Die Securitas griffen sofort ein und die Band machte weiter, bekam von alldem nichts mit.

Als Abschluss wurde nun nochmals Neandertal gespielt und die Band verschwand von der Bühne. Kam aber kurz darauf zurück und gab einen Mix aus den verschiedensten Songs wie abermals Ding Dong, Drei weisse Tauben, Copacabana und Neue Helden braucht das Land und einigen mehr zum Besten. Sie brachten zum Abschied eine textlich ganz umgeänderte Version von Küss die Hand schöne Frau und verliessen endgültig die Bühne.

Ich persönlich sah die Band zum zweiten Mal. Das erste Mal vor etwas mehr als zehn Jahren. Mein Fazit nach so langer Zeit: Die Herren altern nur äusserlich, innerlich sind sie genauso geblieben, wie damals, als sie die Songs aufnahmen. EAV sollte man einmal im Leben gesehen haben, nur umzusehen, dass man etwas hinkriegen kann, ohne in irgendeine Schublade zu passen oder sich selber anzupassen.

«Alle suchen wir doch nach Spiritualität, nur ich nicht. Ich suche Spirituosen.«