Am Karfreitag servierte Veranstaler Noxiris kein Fisch, sondern einen deftigen, elektronischen Zweigänger mit Solar Fake und Suicide Commando und zum Dessert drei Tanzflächen mit Musik für jede und jeden.

Der Schwarze Ball im Zürcher Club X-Tra, Heimat der langjährigen Party-Reihe More Than Mode, ist bereits für viele zum Pflichtprogramm geworden. Die Veranstaltung nimmt jeden Raum des Clubs in Beschlag und bietet stets grosse Namen der Schwarzen Szene für die Konzerte auf. Dadurch strahlt der Ball über die Landesgrenzen hinaus und Besucher kommen aus dem grenznahen Gebiet um der nicht alltäglichen Stimmung beizuwohnen.
Der erste Ball im Jahr 2012 stand unter einem elektronischen Stern, denn Solar Fake und Suicide Commando standen bereit um den mit roten Stoffbahnen drapierten Saal zu bespielen. Kurz vor Konzertbeginn wirkte der Saal aber noch erschreckend leer, im Vorverkauf gingen lediglich rund 350 Karten über den Tisch.

Es war am umtriebigen Musiker Sven Friedrich und seinem Projekt Solar Fake den Abend zu eröffnen. Mit dem ersten Auftritt in Zürich schwangen dementsprechend Erwartungen des Publikums mit. Doch Friedrich konnte sich auf eine Hand voll frenetisch jubelnden und applaudierenden Fans verlassen. Die tiefe Stimme, die man auch von den Dreadful Shadows oder Zeraphine her kennt, überrascht, denn sie wird von den zierlichen Zügen Friedrichs nicht erwartet. Obwohl sich Solar Fake den elektronischen Klängen widmet, so drücken die nachdenklichen, melancholischen Texte, die man sich von Friedrichs Musik gewohnt ist, durch. Mit der Zeit stellte sich allerdings eine gewisse Monotonie ein, da die Songs an sich nicht gross untereinander variierten.

Der Kontrast kam mit Suicide Commando aus Belgien. Die Gruppe um Frontmann Johan Van Roy darf sich wohl als eine der prägenden Bands für das Subgenre Aggrotech oder Hellectro bezeichnen. Lange vor Agonoize, Nachtmahr oder Combichrist jagte Suicide Commando aggressive, laute Töne durch die Boxen. So taten sie es auch am besagten Karfreitag und machten deutlich mehr Druck als Solar Fake, was alleine schon daran liegen mochte, dass ein echtes Schlagzeug auf der Bühne stand. Ein Instrument weniger, das aus der Konserve kam, machte den Unterschied.

Van Roy streunte auf der Bühne umher wie ein eingesperrtes Tier und warf dem Raum die brachialen Texte, die mehr plakative Phrasen statt Strophen sind, mit verzerrter Stimme entgegen. Der Sound ist Programm: brutal, hart, schnell. Heftige Bässe und kratzende Melodiefragmente dominieren das Gesamtbild. Die Songs öffnen die Welt der tiefen Abgründe der menschlichen Psyche. Liebeskummer, Suizid, aber auch politsche Themen werden in einer überzeichneten und direkten Weise aufgegriffen.

Unterstützt wurden die Botschaften von makaberen Hintergrund-Videos. Zu Hate Me waren die Lyrics auf einem nakten Frauenköper zu lesen. „Will death cure all pain?“ heisst es in Death Cures All Pain, während sich auf der Leinwand eine Frau den Unterarm aufschlitzt. Richtiggehend verstörend waren die Bilder von ausgemagerten, sterbenden Menschen in Afrika. Ohne Umwege transportieren Suicide Commando ihre Vorstellungen und schrecken nicht vor gesellschaftlichen Tabus zurück. Auch Cause Of Death: Suicide vermochte nachdenklich zu stimmen. Durchschnittlich eine Million Menschen pro Jahr entscheiden sich für den Selbstmord. Während des Songs läuft im Hintergrund ein Timer runter, nach 40 Sekunden ist der erste Selbstmord begangen. Am Ende sollten es mindestens sechs Tote sein. Keineswegs ermutigen Suicide Commando in diesem Track zum Suizid, sondern beschäftigen sich mit diesen Menschen, den Grenzgängern zwischen Leben und Tod und fragen: „Do you really want to die?“ Natürlich belohnten die Belgier ihre Fans auch mit den altbekannten Hits wie Bind Torture Kill, See You In Hell oder Hellraiser.

Das Publikum war zu Beginn verhalten, taute dann die eingefrorenen Beine auf und tanzte munter zu den treibenden Songs der beiden Bands. Nach den Konzerten verteilte man sich schnell auf den Floor, der die favorisierte Stilrichtung skandierte. Die Djs verwöhnten noch bis tief in die Nacht hinein.