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Junge Musiker unter der Lupe: Legend 69 aus Bubikon spielen eine Mischung aus hartem Rock und schnellem Punk. Mit „Where Happy End Ends“ haben sie eine gefühlvolle Ballade veröffentlicht. Wie passt das ins Konzept und was bedeuten die Erfolge an Bandcontests den Musikern? Negative White hat nachgefragt.

Metro, Dom, Terence, Mäde, Ammann (v.l.)

 

Janosch Tröhler sprach mit Legend 69

Gitarrenmusik assoziert man schnell mit kleinen und dunklen Clubs, engen Bühnen und stickiger Luft. Doch die fünfköpfige Band Legend 69 kommt aus der ländlichen Gemeinde Bubikon im Zürcher Oberland. Immerhin, der Proberaum der jungen Musiker befindet sich in einem Luftschutzkeller. Trotzdem meinen die Jungs frech:

„Landburschen braucht es!“

Angefangen hat alles in der Schule. Drummer Dominic „Dom“ Wetzel und die beiden Gitarristen Marc „Ammann“ Ammann und Marc „Metro“ Mettraux taten sich zusammen. Eigentlich sollte Ammann den Part des Bassspielers übernehmen, doch der setzte seinen Kopf durch und tauchte mit einer Gitarre zur Probe auf. Am Bass wurde dann Martin „Mäde“ de Jager verpflichtet.
Während zu Beginn Dom und Metro noch ins Mikro brüllten, setzte man bald auf die weitaus ausgereiftere Stimme von Terence „T“ Egger. Terence, der eigentlich noch bei einer Schülerband aktiv war, besuchte mit Begeisterung die Konzerte der Band.

„Ich weiss noch, wie ich für ein Vorsingen angefragt wurde. Ich dachte nur ‚Scheisse, ja!’. Damals habe ich noch in einer Schülerband gespielt, doch dort ging es heftig bachab.“

Somit waren die Legenden im Jahr 2008 komplett und treten seither mit unverändertem Line-Up auf.
Einer Frage muss sich die Band immer wieder stellen: Was bedeutet eigentlich ihr Name? Schlagzeuger Dom erklärte:

„2008 kam der Film ‚I’m Legend’ in die Kinos. Wir haben uns den Streifen zusammen angeschaut und dachten schon, dass der Typ mit dem Titel provoziert. Sowas mussten wir auch haben. Etwas, das die Leute sich merken können, bei dem sie denken, dass wir Arschlöcher sind, weil wir uns so nennen. Ich meine Legende – versuch’ das zu toppen.“

Legend alleine reicht dann doch nicht aus, es fehlt das Sahnehäubchen. Damals waren gerade Sum 41 oder blink-182 bei ihnen im Trend. Und bei 69 hat jeder so eine Vorstellung. Effektiv einen Sinn dahinter lässt sich nicht finden.

Die begeisterten Musiker sind vorlaut, aufmüpfig und geladen. Inspiriert vom Hardrock Nickelbacks und amerikanischen Metalcore, lassen sich auch immer wieder punkige Einflüsse – die sich eben in der Schulzeit entwickelten – finden. Resultat ist eine schnelle, vorwärts rasende Breitseite voll mit heftigen Gitarren und schonungslosen Drums. Die markante Stimme von Terence Egger bildet den Kontrapunkt zur harten instrumentalen Mischung. Gerne jagt er in höhere Tonlagen, vergleichbar mit diversen Beispielen aus dem Heavy Metal.
Es ist spürbar: Sie strotzen vor Selbstbewusstsein und wollen ganz nach oben. Doch die Hauptsache sei, dass man gut davon leben könne. Auf Privatjet und Lamborghini können sie auch verzichten, was nicht heissen soll, dass sie das Geld nicht nehmen würden.
Die Jungs sind überzeugt, dass sie es schaffen können. Dom meint, dass der Durchhaltewillen vorhanden ist. Jedes Tief habe die Band enger zusammen geschweisst. So haben sie enorm viel gelernt.

„Die begeisterten Musiker sind vorlaut, aufmüpfig und geladen“

 

Erfolge verbuchen konnten sie bereits an Bandcontests. Wie am Band-it belegten sie jüngst auch bei der ersten Runde des Red Bull Tourbus Contests den dritten Platz und kommen nun vor eine Fachjury. Diese bestimmt dann, für welche drei Bands es weiter geht. Nach Gigs an drei Schweizer Festivals winkt dem Sieger schliesslich eine Reise nach Amsterdam mit einer Studiosession für einen Song.
Richtig begeistert sind sie von diesem Podestplatz aber nicht. Da es lediglich um die Anzahl der Klicks gegangen sei, sage das nichts über musikalische Qualitäten aus. Nun sind sie vor der Fachjury richtig gefordert. Doch natürlich bleiben solche Wettbewerbe zwischen den Bands zentral, auch für Legend 69, denn schliesslich ist alles eine Frage der Bekanntheit.

Vom Erfolg und der Bekanntheit verspricht man sich einen finanziellen Gewinn. Dank dem Internet sind kostenlose Downloads zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Theoretisch steigen die fünf Musiker also in eine sterbende Brache ein. Sänger Terence widerspricht:

„Interessierte werden immer das Album kaufen.“

Und Ammann meint nüchtern:

„Heute verdienen die Musiker ihr Geld eh nicht mehr mit CD-Verkäufen, sondern mit Konzerten. Deswegen steigen auch die Eintrittspreise.“

Dom sieht auch einen positiven Effekt im Download, denn so verbreitet sich ein Titel schnell und ohne Aufwand seitens der Musiker. Und wenn den Leuten die Musik gefällt, besuchen sie vielleicht auch ein Konzert der Band und kaufen ein T-Shirt.

Mit Popmusik lässt es sich schnell erfolgreich im Mainstream mitschwimmen. Warum mühen sich also Legend 69 weiter mit der sperrigen, unpopulären Rockmusik ab? Dom echauffiert sich:

„Jeder macht das, jeder fährt auf der gleichen Schiene! Wir stehen dafür hinter unserer Sache und machen das, was wir cool finden. Wir verbiegen uns nicht und bauen einfach noch eine Geige ein, weil das gerade angesagt ist.“

Kürzlich veröffentlichte die Band die Ballade Where Happy End Ends. Ein eingängiges Stück Musik. Ist es etwas ein Schritt hin zur Massentauglichkeit? Terence verneint entschieden. Sie haben bereits lange an einer guten Ballade gebastelt, weil sie das Gefühl hatten, dass sie eine brauchten. So können sie besser bei den Frauen punkten, meinte der breitgebaute Sänger spitzbübisch. Zudem lässt sich so noch mehr mit der Stimmung an einem Konzert spielen, wenn mit einer ruhigen Nummer das Tempo rausgenommen und danach wieder voll aufgebaut wird.

Der Text der Ballade ist mit dem klassischen Thema Liebe verbunden. Natürlich in einer tragischen Art und Weise. Die eigenen Erfahrungen spielen selbstverständlich mit ins Songwriting ein. Domi sagt, dass Liebesschmerz etwas ist, womit sich jeder identifizieren kann. Alle kennen den Moment, an dem man sich von einem geliebten Menschen verabschieden muss, weil es nicht mehr funktioniert. Und dann ist da diese Leere, nachdem das Happy End eben nicht so stattfand, wie das zuvor versprochen und erhofft war.

Für Negative White griffen Legend 69 dann noch zu ihren Instrumenten und spielten einen Song mit dem charakteristischen, rockigen Sound.

 

Auch live überzeugen die Musiker, wie dieses Video vom Emergenza Bandcontest im Bierhübeli, Bern beweist.