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Du willst deine Band spielen sehen?

Du hast also eine Band, die mehr als nur im eigenen Proberaum und in der Kneipe gegenüber spielen will. Du hast Grosses vor, weisst aber nicht, wie du dahin kommen kannst. Wir haben für dich die Tipps vom Band Support Day vom Greenfield Festival.

Imperssionen-Foto-Christoph-Gurtner

Am zum dritten Mal ausgebuchten Band Support Day am Greenfield Festival stand ein Panel von drei renommierten Schweizer Bookern und dem Vertreter von Swiss Music Export Patrik Wydler Rede und Antwort. Mit Stephan Thanscheidt (Booking Greenfield), Martin Schrader (Booking Mainland Music), Martin Hunziker (Booking KiFF) und Jean Zuber (Swiss Music Export) sass eine geballte Ladung Wissen, was es braucht, um als Band gebucht zu werden, am Tisch.

Während einer guten Stunde gaben die vier Tipps zum Besten, mit denen sich Bands Gigs angeln können. Da nicht alle Bands die Möglichkeit hatten, an diesem Panel dabei zu sein, liefern wir hier eine Zusammenfassung.

Überlegt, wer ihr seid

Im Zentrum steht die Identität der Band. Seid euch bewusst, was ihr mit der Band und euerer Musik ausdrücken wollt. Es reicht aber nicht, diese Idee nur akustisch rüber zu bringen. Es braucht eine Onlinepräsenz, sei das Facebook, Bandcamp oder sonst was. Noch besser ist eine eigene Homepage, da man dort die volle Kontrolle über den Inhalt hat.

Gebucht wird nach Qualität und nicht nach Image, so Stephan Thanscheidt. Aber die Bühnenpräsenz ist ein wichtiger Faktor und deswegen sind gute Youtube-Videos von den Auftritten unabdingbar für neue Bookings. Aber bevor man an einem Festival spielen kann, braucht es viel Spielerfahrung. Dafür muss man halt am Anfang auch in den kleinsten Clubs spielen.
Und ganz wichtig: Diverse Festivals haben diese Bandcontests. Macht da mit! Egal, ob ihr gewinnt oder nicht, ihr seid schon mal auf dem Radar der Festivalbooker.

Martin Hunziker warf ein, dass es vor allem im Anfangsstadium in einem Markt wie der Schweiz keinen Booker braucht. Viel wichtiger sie die Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Booker reden auch untereinander und erfahren so einiges über potentielle Bands.

Bewerbungen – Auf den Punkt

Martin Schrader von Mainland Music ergänzte: «Wenn ihr euch bewerbt, schickt keine CDs!» Viele Booker haben gar keine CD-Laufwerke mehr an ihren Rechnern. Schickt einen Link auf eure besten 2-3 Songs. Gute Chancen habt ihr, wenn ihr konkret für einen Event anfragt, im Stil von: «Ich habe gesehen dass am x. nächsten Monat die Band XY spielt. Ich denke, wir würden super als Support passen. Hör dir doch mal unsere Demosongs an.» Dabei ist es wichtig, dass ihr darauf achtet, dass ihr in einer ähnlichen Liga spielt. Nicht, was die Qualität der Musik betrifft, sondern was die Anzahl Leute, die ihr ans Konzert ziehen könnt, angeht.
Wenn ihr euch so konkret für eine Show bewerbt, habt ihr sicher grössere Chance, als wenn ihr einfach eine weitere Death Metal Band aus dem Raum XY seid.

Wenn ihr euch bewerbt, beschränkt euch aufs Wesentlichste. Die Booker kriegen täglich Unmengen von Anfragen. Wenn ihr nicht gleich eine Antwort kriegt, nicht verzagen. Hartnäckigkeit wird honoriert, aber zu häufiges Nachfragen führt nur dazu, dass ihr auf der Shitlist landet. Alle 4 Wochen nachfragen gilt als vernünftiger Rhythmus. So zeigt man, dass man Interesse hat, ohne dem Booker auf die Nerven zu gehen.

Mobilisiert eure Fans

Was ganz wichtig ist: Ihr spielt nicht in einem Vakuum! Versucht, eine lokale Fanbase aufzubauen, die euch dann auch ausserhalb eurer Homebase unterstützt. Die Booker schauen auch auf Facebook Events und ähnliches um zu sehen, was für ein Potential eine Band hat. Ein aktives Streetteam hilft euch in einem Masse, dass ihr gar nicht zurückzahlen könnt.
Was ihr nie vergessen dürft: International gesehen ist die Schweiz mit Glück ein B-Markt. Darum fallen oft auch grosse Konzerte auf einen Wochentag. Am Anfang muss man sich mit nem Supportspot an nem Montag begnügen und kriegt mit etwas Glück gerade mal die Fahrspesen gezahlt.
Plattenverkäufe sind auch ziemlich irrelevant geworden, wichtig sind für Booker nur noch die Anzahl Tickets, die eine Band verkaufen kann. Je mehr Leute man zieht, desto grösser sind die Chancen, dass man gebucht wird.

Tourleben

Gerade was Touren angeht, ist die Region Deutschland, Österreich, Schweiz sehr angenehm. Im Allgemeinen kriegt man die Fahrspesen gezahlt, ein Dach über dem Kopf und was zu Essen. In England kann das Catering schnell mal aus ner Dose Cola und ner Tüte Chips bestehen. Touren in Osteuropa können oftmals sehr abenteuerlich ausfallen, was für gewisse Bands auch seinen eigenen Reiz darstellt. Für Metalbands ist Skandinavien auch ein sehr interessantes Pflaster, allerdings sitzt man da schon mal einige lange Stunden zwischen zwei Gigs im Bus.

Allgemein seinen internationale Touren nicht gross anders als nationale Touren. Oftmals kriegt man das Equipment gestellt. Man muss einfach mit den Leuten reden und alles im Vorfeld abklären.

Was Merchandising betrifft, waren sich die Panelgäste einig: Der Export ist eigentlich nie ein Problem. Ärger macht sowieso nur der Schweizer Zoll. Aber da ihr das Merch meistens sowieso im Ausland produzieren lässt, habt ihr bei der Einfuhr schon Steuern dafür bezahlt. Diese Dokumente müsst ihr auf jeden Fall aufbewahren und bei allen Reisen mitnehmen, damit ihr nicht nochmals Einfuhrzoll für eure Wahre zahlen müsst.

Finanzierung von Touren

Wenn ihr eine internationale Tour machen wollt, müsst ihr frühzeitig planen. Es gibt viele lokale Kulturförderungsstellen, die euch gerne helfen. Ihr seid aber nicht alleine. Wenn ihr eine solche Stelle ansprecht als Band, dann müsst ihr klar Auskunft darüber geben können, was ihr eure Ziele für die Tour sind. Ihr könnt da nicht einfach ankommen mit «Wir sind von der Band XY eingeladen worden.» Und ihr müsst rund 3 Monate vor der Tour alle wichtigen Daten zusammen haben.
So lange ihr keine Tickets verkauft, müsst ihr auch nicht damit rechnen, das ihr was verdient. Deshalb ist es wichtig, dass ihr eure Kosten niedrig hält. Auf den ersten Touren hat man keinen eigenen Ton- oder Lichttechniker, genauso wie keinen professionellen Fotografen.

Jean Zuber fügte an: Es gibt auch grössere Stiftungen, die mehr Mittel lockermachen können. Die haben aber auch entsprechend höhere Anforderungen. Da kommen komplizierte Gesuche auf einen zu. Die wollen Businesspläne sehen mit Einnahmen und Ausgaben. Was ihr dabei nie vergessen dürft: Es ist völlig legitim, dass ihr euch auf einer Tournee einen Lohn auszahlt! Diesen Lohn könnt ihr dann bei den Einnahen als Gagenverzicht wieder aufführen. Ist ein Nullsummenspiel, zeigt aber den Leuten im Stiftungsrat, dass ihr euch mit der Materie befasst habt.

Martin Schrader zeichnete ein sehr düsteres Bild auf: «Die Erfahrung zeigt: Bei der ersten Anfrage werdet ihr nix kriegen.» Aber ihr müsst bei jeder Tour wieder anfragen, denn wenn ihr dran bleibt und nicht aufgebt, dann wird irgendwann doch Geld gesprochen. Aber auch wenn ihr wisst, dass ihr beim ersten Mal nix kriegt, fragt dennoch an! So ist euer Name schon mal angekommen. Es braucht einfach Zeit und Geduld.

Und ganz am Schluss gibt’s noch das Hintertürchen Booker. Das sind auch nur Menschen. Die buchen auch lieber Bands, die sie toll finden. Wenn ihr einem Booker so gut gefällt, dass er ungehört die nächste Scheibe von euch kauft, habt ihr auch eine Chance, dass er euch für einen Supportslot buchen wird.
Martin Schrader formulierte das besonders schön: Auch meine absoluten Lieblingsbands kriegen die Venues, die sie füllen können. Es bringt mir nichts, meine Lieblingsband vor leeren Rängen im Hallenstadion zu sehen.
Für ihn gibt es im Wesentlichen zwei Gründe, eine Show zu veranstalten: Entweder mag ich die Band oder ich mag das Publikum, dass sie zieht. In jedem Fall muss aber das Gesamtpaket aufgehen. «Ich lebe ja davon.»

Das waren die Tipps, welche die vier Panel-Teilnehmer von sich gaben. Was sie den anwesenden Bands Face to Face noch weitergeben konnten, können und wollen wir hier auch nicht weiter breittreten. Schaut, dass ihr ein stimmiges Konzept habt und bleibt hartnäckig bei euren Anfragen!