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Expellow und Under my Skin zeigten im Downi in Worblaufen, dass man keinen grossen Club oder gar ein Hallenstadion braucht, um das Publikum begeistern zu können. Ein Erlebnisbericht.

Es war mal wieder einer dieser Tage. Die Sängerin der Hauptband hat mich schon vor Ewigkeiten eingeladen, mal eines ihrer Konzerte zu besuchen und immer musste ich absagen, weil ich schon anderweitig unterwegs war. Doch am 21. November hatte ich tatsächlich noch nichts anderes vor und machte mich deswegen auf den Weg nach Worblaufen ins Downi. Für die Nicht-Berner unter unseren Lesern: Das Downi ist ein gemütlicher kleiner Laden gerade mal eine S-Bahn-Station und weitere 5 Gehminuten vom Berner Hauptbahnhof entfernt. Bei der Tankstelle einfach die Rampe runterlaufen und dann links die Wendeltreppe nach unten steigen. Der Name ist hier echt Programm!

Als Aufwärmer waren Expellow aus Zürich gebucht – wer mich kennt, weiss, dass ich für die Truppe auch an den Allerwertesten der Welt reise – und wer die Band kennt, weiss, dass sie innert Kürze grosse Stimmung aufkommen lassen können. An diesem Abend war die Band nicht ganz auf der Höhe, was die Gesundheit anbelangt, aber sie sind ja Zürcher und keine Amis – kein Grund, das Konzert abzusagen. Mik bellte ihre Vocals trotz angeschlagener Stimme souverän ins Mikrofon und auch der Rest der Band zeigte keine Anzeichen von Schwäche. Das Set war leider etwas kurz, machte aber dennoch Spass. Das Publikum kannte Expellow scheinbar grösstenteils noch nicht, aber mit ihrem Auftritt dürfte Expellow auch in Bern ein paar neue Fans dazu gewonnen haben. Das einzige, was mir auffiel, war, dass Mik aussergewöhnlich nervös zu sein schien. Ihre Ansagen waren ziemlich unsicher, obwohl es dafür keinerlei Grund gab. Sie müssen offensichtlich noch viel mehr Auftritte spielen. An alle Booker: Holt euch die Truppe! Es lohnt sich. Ihr aktuelles Album Modern Age Credo gehört zu meinen Top 5 des Jahres.

Nach der kurzen Umbauphase – die mich in diesem Fall überhaupt nicht gestört hatte, da ich die Zeit mit Gesprächen mit den einzelnen Expellow-Mitgliedern überbrücken konnte – ging es danach weiter mit Under my Skin. Das Berner Quintett um Sängerin Silvie Gaspar überzeugte mit einer Bühnenpräsenz, die man bei einer Band, die erst ein gutes Jahr auf der Bühne steht, nicht erwartet hätte. Gerade Drummer Tek the Machine lieferte hinter seiner Küche eine Show ab, die man sonst nur bei grossen Bands sieht. Silvie’s raue Stimme erinnerte zwischendurch immer wieder an die von Sandra Nasić von den Guano Apes, allerdings mit der Nonchalance der Four Non Blondes. Das Maiden Cover The Trooper und ihre Version von My Last Goodbye sorgten für eine grandiose Stimmung im kleinen Downi.

Von der Spielart und der Klangfarbe von Silvie’s  Stimme würde sich Under my Skin sehr gut als Vorband für ein Horrorpunk-Konzert eignen. Ich wusste ja, dass alleine Expellow die Reise ins Downi es wert sein würde, aber Under my Skin haben noch ein Paket draufgelegt. Das wird nicht das letzte mal sein, dass ich mir die Fünf angehört habe, und ich freue mich darauf, wenn ich einen Silberling der Truppe in den Händen halten kann.