«It’s only just begun.» Unter diesem Motto stand der Dienstagabend im Komplex, als die Schottin Amy Macdonald das Publikum bezauberte. Die Zeit verflog, so dass der Abend vorüber zu sein schien, bevor er begonnen hatte.

(Foto: Cornelius Fischer)

Der Schweizer Luca Little eröffnete den Abend mit gefühlvollen Liedern und starken Einlagen auf seiner Gitarre. Obwohl mit viel Talent und einer schönen Stimme gesegnet, vermochte er es nicht, das Publikum richtig mitzureissen. Es gab zwar durchaus Applaus und bei einigen schnelleren Passagen klatschte der Eine oder Andere im Takt mit, grösstenteils wurde jedoch laut geschwatzt und seine Musik fast in den Hintergrund gedrängt. Mit seinen eher langsamen Liedern war es für Luca jedoch auch schwierig, Stimmung zu machen, mag der Saal noch so gefüllt sein.

Und gefüllt war das Komplex 457 an diesem Abend wirklich. Schon am Einlass und später auch an det Garderobe und am Essensstand musste länger angestanden werden, und innen wurde jede Fläche ausgenutzt und bevölkert. Alle diese Musikbegeisterte waren nur aus einem Grund gekommen: Amy MacDonald, die ihre Konzertreihe hier in Zürich nachholte, nachdem die Auftritte im letzten Dezember aufgrund gesundheitlicher Probleme abgesagt worden waren.

Die Stimmung änderte sich schlagartig, als Amy mit einem zauberhaften Lächeln (und einem ganz geilen Outfit – diese Schuhe!) auf die Bühne trat. Das Publikum tobte, klatschte und jubelte um die Schottin gebührend zu begrüssen, es waren sogar Schottland-Fahnen aufgehängt worden, damit sich Amy heimisch fühlte. Einige Zuschauer gingen auch so weit, sich die Gesichter in Schottlands Farben zu bemalen – und Amy fragte natürlich prompt nach.

«Are you from Schottland or are you just fans of a crap rugby team?»

Dies war eine der vielen Gelegenheiten, in dem vor Lebensfreude nur so sprühende junge Frau uns zeigte, dass sie nicht nur hervorragend singen konnte, sondern auch noch witzig war.

«The benefits of a small venue is that I can see all of your faces, so I can see who’s not singing!»

Am mitsingen waren schlussendlich (beinahe) alle. Es spielte auch keine grosse Rolle, welches Lied Amy und ihre Band an diesem Abend spielten – die Stimmung war so oder so grandios, keiner konnte mehr die Füsse, Hände oder den Mund stillhalten. Auch Amy merkte man deutlich an, wie viel Spass ihr der Auftritt machte, wenn sie aus voller Kehle sang, ein Lächeln in die Menge warf oder ein kecker Spruch ihr über die Lippen kam.
Gesungen wurden an diesem Abend eine Vielzahl von Liedern mit einer guten Mischung aus fetzigen, langsamen und akustischen Stücken. Absolutes Highlight war meiner Meinung nach die akustische Version von Give It All Up, jedoch war die Stimmung wohl bei einem ihrer ersten Hits This Is The Life am Besten und danach nicht mehr zu übertreffen. Es ist beinahe schade, dass sie sich dieses Lied, das sich live noch um Einiges besser anhört als auf CD, nicht als grosses Finale, also als letzte Zugabe, aufgehoben hat. Dies ist im übrigen nicht das einzige Lied, welches sich am Konzert besser anhörte – ich persönlich finde, dies war das ganze Konzert über so. Live ist die Schottin einfach eine Wucht und ihre Stimme hat mehr als einmal Gänsehaut hervorgerufen! Dass ich das so empfinde mag aber auch an der allgemein bombastischen Stimmung im Saal gelegen haben.

Zum Schluss möchte ich hier nochmal meinen Redaktionsmitgliedern danken, die es mir ermöglicht haben, dieses grossartige Konzert mitzuerleben, dass tatsächlich einer der besten Auftritte war, den ich je gesehen habe. Vielen Dank! Und für alle, die ihre Konzertreihe in Zürich verpasst haben: Ich drücke euch die Daumen, dass es das nächste Mal mit den Tickets klappt! Dieses Jahr waren alle ihre Konzerte in Zürich restlos ausverkauft.

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