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Nach 20 Jahren Bandgeschichte probieren die Donots mal etwas anderes: Ihr neues Album «Karacho» ist durchgängig Deutsch gesungen. Ob das Experiment funktioniert, erfahrt ihr hier.

Donots – Karacho (zVg)

Mit dem zehnten Studioalbum getrauen sich die Jungs aus Ibbenbühren ans Songwriting in deutscher Sprache. Nach 20 Jahren Songs auf Englisch zu schreiben, war dies eine echte Herausforderung. Ursprünglich geplant als Geburtstags-EP, die zum Gratis-Download zur Verfügung gestellte werden sollte, entwickelte sich ein komplettes Album daraus – die Jungs hatten einen Kreativschub.

Während Die Toten Hosen mit dem Alter ruhiger wurden, ist bei den Donots der Name des Albums Programm: Karacho ist alles andere als ruhig. Dreckiger, (t)rotziger und vor allem ehrlicher Punkrock, der immer noch zeitgemäss ist – heute mehr denn je.

Karacho startet mit dem fast hymnenhaft anmutenden Ich mach nicht mehr mit in eine vierzehn Lieder umfassende Achterbahnfahrt und wendet sich mit Dann ohne mich an die aktuell grassierende «Man wird doch wohl noch sagen dürfen»-Mentalität der Rechten. Hallo, Pegida!
Wenig Mitleid haben die Donots mit Selbstmitleid und zelebrierter Depression. Dafür aber verpacken sie ihren Hohn darüber mit umso mehr Humor in die Emo-Hymne Junger Mann zum Mitleiden gesucht.

Auch den übrigen elf Songs hört man den Spass, den das Quintett beim Schreiben der Songs hatte, sehr gut an. Besonders Ingo Knollmann, Sänger und Texter der Band, hat ganze Arbeit geleistet. Gerade bei Punk ist es nicht einfach, gute Texte in deutscher Sprache zu liefern, die nicht gleich kitschig klingen. Damit es nicht dazu kam, hat er seine masochistische Seite einer akustischen Schocktherapie ausgesetzt: «Ich hab mir freiwillig im Radio so Sachen wie Pur und Rosenstolz angehört; einfach, damit der Shit-Detector geeicht ist.»
Das hat scheinbar einiges gebracht, denn auch die Ballade Immer noch klingt nicht schnulzig. Und auch bei Kopf bleibt oben denkt man nicht, dass dies die ersten Songs sind, die Ingo auf Deutsch geschrieben hat:

Meine Teenage Angst ist längst erwachsen
Die Nähte an meinen Zweifeln platzen
Und trotzdem denk ich «I don’t wanna grow up»
Die Uhr sagt nein, das Herz sagt doch.

Ein wunderbares Punkalbum, das Vorfreude auf die kommende Tour weckt, denn die Lieder laden zum Mitgröhlen und munterem Mittanzen im Moshpit ein. Für Donots-Fans ein Muss, aber auch für jeden anderen Punkfan eine klare Kaufempfehlung.

Release
20. Februar 2015

Label
Universal Music Group

Tracklist
01 – Ich mach nicht mehr mit
02 – Dann ohne mich
03 – Junger Mann zum Mitleiden gesucht
04 – Problem keim Problem
05 – Du darfst niemals glücklich sein
06 – Kaputt
07 – Weiter
08 – Kopf bleibt oben
09 – Hier also weg
10 – Strassenköter
11 – Das Ende der Welt ist längst vorbei
12 – Besser als das
13 – Immer noch
14 – Hansaring, 2.10 Uhr