Der Februar startete mit einem besonderen Leckerbissen für Alternative Rockfans. Dispatch beehrten den Komplex 457 mit ihrem ersten Headliner-Konzert in der Schweiz.

Freitagabend, 1. Februar, die Woche im Büro ist schon langsam in Vergessenheit geraten. Die perfekte Zeit, sich ein wenig Musik zu gönnen. Und genau das haben sich gute 600 andere Leute auch gedacht und sind in den Zürcher Komplex 457 gepilgert um Dispatch zu sehen. Die Amerikanische Band ist schon seit 1996 unterwegs, hatte sich 20002 mal getrennt, sich aber 2004 wieder zusammengerauft und beim Reunionkonzert mal schnell 110’000 Zuschauer versammeln können. Die Jungs scheinen wohl was zu können. An einer Charity-Veranstaltung füllten sie gleich dreimal den Madison Square Garden in New York – was jeweils 20’000 Besuchern entspricht – und konnten so über 2 Millionen für wohltätige Zwecke sammeln.
Genau dieses Engagement und die Tatsache, dass sie trotz Weltruhm noch immer mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und sich nicht zu Schade sind, vor oder nach einem Konzert noch mit Fans ein Bierchen zu kippen, machen die drei Jungs so sympathisch. Dass sie nebenbei auch noch geniale Musik machen, droht schon beinahe in den Hintergrund zu geraten.

Doch an diesem Freitagabend ging es erst mal nur um die Musik. Mit den Südafrikanischen Kongos hatten Dispatch eine mehr als gelungene Wahl für die Vorband getroffen. Die vier Brüder spielen eine unterhaltsame und erfrischende Mischung aus Rock und Folk, mit Einflüssen aus Blues und Reggae. Durch diese Vielfalt kam nie Langeweile auf und Bassist und Frontmann Dylan war immer für ein Spässchen mit dem Publikum bereit. So auch, als Drummer Jesse den ziemlich komplizierten Mitsing-Refrain (“I wanna know”) vorstellte: “Usually we have some guys in the front with cue-cards, so we don’t forget our lyrics. Tonight though, they seem to be absent, so you’ll have to help us out.” Die Jungs hatten doppeltes Glück – das Publikum konnte sich die drei Worte merken und in der ersten Reihe standen tatsächlich ein paar Fans mit A4-Zetteln, auf denen “I wanna know” stand.

Und als wären Kongos alleine nicht schon gut genug, luden sie noch kurzerhand Moe von Moe’z Art auf die Bühne. Der kleine Rapper fügte sich perfekt ins Gefüge der Band ein und zusammen sorgten sie für einen der Höhepunkte des rund 45minütigen Sets.

Kongos sorgten für gute Stimmung, die auch die Umbauphase gut überstand und somit eine solide Grundlage für Dispatch lieferte. Ohne die Leistung des Supports schmälern zu wollen, es hätte sie nicht gebraucht. Dispatch kamen auf die Bühne und sie hatten den Saal in der Hand. Wie schon die Vorband vermischen die Amerikaner diverse Stilrichtungen und experimentieren mit immer neuen Kombinationen aus Rock, Blues, Folk, Reggae und einem Schuss Jazz. Die Spielfreude, die Energie und gute Laune der Band übertrug sich umgehend aufs Publikum, das von der ersten bis zur letzten Reihe rumhüpfte und mächtig Spass hatte. Gut zwei Stunden gaben die Bostoner Rocker alles – wechselten von Gitarre zu Percussion, von Drums zu Gitarre, sangen und spielten sich die Seele aus dem Leib. An so ziemlich jedem Konzert kriegt man als Besucher zu hören, wie toll dass der Abend sei und man hat oft das Gefühl, dass es leere Floskeln sind. Doch an diesem Abend nahm man der Band ab, dass sie sich wirklich über ihren ersten Headliner-Auftritt in der Schweiz gefreut hatten. Ein gelungener Abend für alle.

Wer noch nicht genug von Sänger Chad Urmston hat, sollte sich den 7. März vormerken: Dann spielt er mit seinem Nebenprojekt State Radio im Zürcher Dynamo.

 

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