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Wir haben uns am Wacken Open Air mit Esa Holopainen von Amorphis getroffen und mit ihm über Veränderungen, Wacken und natürlich das neue Album gesprochen.

Tales Of A Thousand Lakes am W:O:A (Foto: Sacha Saxer)

Tales Of A Thousand Lakes am W:O:A (Foto: Sacha Saxer)

Negative White: Amorphis ist seit gut 26 Jahren unterwegs, ihr seid also gleich alt wie dieses Festival hier.

Esa Holopainen: (Rechnet kurz nach) Ja, das stimmt ja wirklich.

Gestartet habt ihr als ziemlich düstere Death Metal Band, aber über die Jahre habt ihr euch in eine sehr progressive Heavy Metal Band verwandelt. Was waren die Gründe für diesen Wandel?

Oh, schon ganz am Anfang unserer Karriere, eigentlich schon nach dem allerersten Album, haben wir realisiert, dass uns gewöhnlicher Death Metal nichts neues mehr geben kann. Wir lieben diese Art von Musik und alles, was darum herum dazuhört, aber als Musiker mussten wir unsere Musik tiefer erforschen, mussten die Musik für uns interessant gestalten. Deshalb hatten wir damit begonnen mehr Melodien hinzuzufügen und probierten mit vielen verschiedenen Elementen innerhalb unserer Musik zu spielen.
Manchmal machst du damit halt Dinge, die die Leute nicht unbedingt mögen aber du machst etwas, was dir gefällt. Das ist so unser Ding.

Ihr macht die Musik also primär für euch und freut euch, wenn sie auch anderen gefällt?

Genau. Man muss leider ziemlich egoistisch sein im Musikbusiness, denn anders wären wir heute wohl nicht mehr zusammen.

Nun ja, zur Zeit sind nur noch drei Mitglieder aus der Gründungszeit mit dabei und auch Jan hatte sich zwischendurch mal eine Auszeit genommen.

Ja, das stimmt. Aber das gilt auch für mehr oder weniger alle anderen Bands, die schon so lange mit dabei sind. Schau dir doch nur mal Paradise Lost an. Die hatten ziemlich radikale Änderungen – auch musikalisch – in ihrer Karriere. Aber das ist eines dieser Dinge, das sie über die ganzen Jahren zusammengehalten hat. Wenn ihnen etwas Spass gemacht hat, haben sie es einfach gemacht.

Sie hatten ein paar Alben, die sehr überraschend klangen, als man sie das erste Mal gehört hatte.

Ja, das ist ein gutes Wort dafür. Überraschend. (lacht)
Aber mit ihrem neuen Album sind sie wieder ein Stück zurück zu ihren Wurzeln zurückgekommen.

Esa Holopainen in seinem Element (Foto: Sacha Saxer)

Esa Holopainen in seinem Element (Foto: Sacha Saxer)

Zu eurem neuen Album komme ich später noch. Ich möchte dich auch nicht mit meiner Meinung dazu irgendwie beeinflussen. Also starten wir ganz am Anfang. Die erste drei Alben bilden zusammen so etwas wie eine Einheit. Würdest du die nächsten Alben auch in solche Einheiten verpacken oder siehst du die eher als alle unter einem grossen Thema zusammengehörend?

Nun, wenn du es so anschaust, dann wirst du sehen, dass wir verschiedene Abschnitte in der Band hatten. Nach Elegy nahmen wir ein paar ziemlich unterschiedliche Alben auf. Und dann, als Tomi 2005 zur Band stiess, begann ein neuer Abschnitt. And nun, mit Circle, unserem letzten Album, denke ich, haben wir wieder einen neuen Abschnitt angefangen. Viele Elemente sind sehr ähnlich wie in den Anfängen der Band.

Das war ein Album mit einem sehr passenden Titel. Da ihr als Band den Kreis geschlossen habt. Und es ist ein sehr ausgewogenes Album noch dazu.

Ja, genau.
Ich denke, Circle war das Album, dass von allen am stärksten von Amorphis selber inspiriert wurde. Das persönlichste Album, wenn du so willst.

Ich wurde 1999 in einem Plattenladen auf Amorphis aufmerksam, als ich Tuonela im Regal sah. Seither habe ich euer Schaffen verfolgt und mich mehr als einmal über die musikalischen Experimente gewundert. Besonders mit Am Universum habt ihr eine ganz schön psychedelische Scheibe abgeliefert.

Ja, das stimmt. Ich würde Am Universum als unser experimentierfreudigstes Album bezeichnen. Für uns gab es damals keine Grenzen, wir konnten einfach alles ausprobieren, wonach uns gerade der Sinn stand und irgendwie kamen wir in diesen psychedelischen Groove. Manche Leute finden, wir haben zu viele solcher Elemente in das Album gepackt, aber für uns als Band war es eine sehr Scheibe. Und sie hatte auch viele Elemente, welche die Musik von Amorphis ausmachen, deshalb sind wird auch stolz auf sie.

Ich habe nie gedacht, dass sie nicht nach Amorphis klingt. Wenn man mal den Sprung von Elegy zu Tuonela gemacht hat, dann weiss man, dass man mit jedem neuen Album auf eine Überraschung gefasst sein muss.

Es ist schön zu wissen, dass wir auch solche Fans haben, die mit uns zusammen Freude an musikalischen Experimenten haben.

Heisse Show (Foto: Sacha Saxer)

Heisse Show (Foto: Sacha Saxer)

Danach ward ihr eine Weile lang etwas konstanter. Silent Waters wurde mit dem gleichen Produktionsteam aufgenommen wie Eclipse. Hat das Silent Waters geholfen oder eher behindert im Sinne von: «Eclipse hat super funktioniert, lasst uns das wiederholen.»?

Nein, ich denke Eclipse, Silent Waters und Skyforge haben nicht darunter gelitten, dass wir sie mit der gleichen Crew gemacht haben. Als Tomi zur Band stiess, waren wir geraden beim Abschluss der Arbeiten an Eclipse und wir fragten Marco Hietala von Nightwish, ob er uns mit der Vocal Production helfen würde. Die Chemie zwischen den beiden stimmte und das half uns allen.
Wir haben nie daran gedacht, nochmals das gleiche Album – ein gleichklingendes Album – aufzunehmen. Aber es ist sehr angenehm, mit Leuten zusammenzuarbeiten, von denen du weisst, was sie können und mit denen du dich sehr gut verstehst. Das gibt auch ein Gefühl von Sicherheit.
Aber irgendwann muss man einfach sagen: «Genug ist genug.». Deshalb wollten wir mit Circle auch in eine andere Richtung gehen.

Und Marco war zu der Zeit auch mit Nightwish sehr beschäftigt.

Ja, genau. Wir wollten Marco gar nicht erst fragen, ob er wieder mithelfen möchte, da wir wussten, dass für ihn jetzt Nightwish Priorität hatte.

Springen wir in die Gegenwart. Ich habe ein Statement gehört, dass ihr Under The Red Cloud für euer bestes Album haltet. Das sagt natürlich jede Band über ihr neuestes Album aber wieso denkst du, dass dies euer bestes Album ist?

Stimmt, das sagt tatsächlich jeder. (lacht) I denke, es ist eines der besten Alben, die wir gemacht haben. Wenn ich es in einem Satz ausdrücken müsste, würde ich sagen: «Es wird eines meiner drei Lieblingsalben von Amorphis.» Und ich glaube wirklich sehr stark daran. Für mich gibt es ein paar sehr wichtige Alben – Elegy und Eclipse – und es passierte so viel während dem ganzen Recording Prozess, was dabei herauskam, was wir durchmachten, um dahin zu gelangen. All dies verlieh dem Album eine ganz besondere Bedeutung für uns.
Wir haben noch nie so hart an einem Album gearbeitet, wie wir an Under The Red Cloud gearbeitet haben. Es warten lange, harte Tage und absolute Hingabe. Es geht nicht nur um die Musik – natürlich mag ich das Album – sondern mehr um das ganze Drumherum. Die Stimmung war einfach grossartig.

Tales Of Six Strings: Esa Holopainen (Foto: Sacha Saxer)

Tales Of Six Strings: Esa Holopainen (Foto: Sacha Saxer)

Wer singt eigentlich die weiblichen Vocals auf White Night? Ihre Stimme harmoniert wunderbar mit der von Tomi.

Das ist Aleah Stanbridge. Sie singt in einer Band namens Trees of Eternity. Die spielen eher düstere gothic-artige Musik. Sie und ihr Mann Juha, der auch noch bei Swallow the Sun spielt, leben in Örebro, was ganz in der Nähe davon liegt, wo wir unser Album aufnahmen und Jens von der Produktionscrew hatte die Idee, dass wir sie fragen könnten, ob sie mitmachen würde. Ihre Stimme passt perfekt zur Musik von Amorphis. Sie ist ein wenig düster, ein wenig traurig.

Das war eine sehr gute Idee. Er darf ruhig mehr solcher Ideen haben.

Oh ja, definitiv. (lacht)

Morgen spielt ihr zum mittlerweile fünften Mal auf Wacken. Was hat sich geändert, ausser der Grösse natürlich?

Ich wollte gerade sagen: «Die Grösse.» (lacht) Ich denke, es wird mehr Wacken und Wacken mit jedem Jahr.

Nächstes Jahr wird es wohl ein wenig weniger Wacken sein, da wir alle ein paar Kilo Wacken mit nach Hause nehmen werden.

Oh, wie wahr. Das muss das schlammigste Wacken aller Zeiten sein. Nur schon der Weg zur Toilette ist ein kleines Abenteuer. Aber es ist grossartig. Es hat sich in eine Institution gewandelt. Es sind so viele Änderungen. Das erste Mal, als wir hier spielten, das war im Jahr 1997. Motörhead und Rockbitch waren die Headliner und es ganze war nur ein kleines Feld mit ein paar Metalheads drauf.

Zehn Jahre später hattet ihr euren nächsten Auftritt. Ich schätze, es war eine ziemliche Überraschung für euch, als ihr gesehen habt, wo gross es inzwischen geworden ist.

Das kannst du laut sagen. Jedermann begann über Wacken zu reden und ich verstand das einfach nicht. Ich sagte allen immer wieder: «Was soll da so speziell sein? Das ist nur so ein klitzekleines Festival für ein paar Metalheads.» Ich hatte absolut keine Ahnung, wie gross es geworden ist. Als wir dann ankamen waren wir sehr, wirklich sehr überrascht. Es war nicht mehr das gleiche Festival. (lacht)

Werden wir morgen ein paar neue Songs zu hören kriegen?

Nein, unglücklicherweise nicht.

Oh, schade, ich hatte auf Dark Path gehofft.

(lacht) Nein, wir dachten darüber nach, aber der Sound von Tales Of A Thousand Lakes ist so verschieden. Wir haben die Gitarren anders gestimmt und wir wollten es nicht riskieren, die neuen Lieder so zu spielen.

Dann warten wir auf die Tour.

Ja, in Kürze. Ich bin sicher, wir werden die neuen Songs spielen… ganz oft! (lacht) Wir versuchen, möglichst viele der neuen Songs in die Setlist zu kriegen.

Und bringt Aleah mit für White Night.

Ja! Ja, das wäre echt was. Wir haben gerne Gastauftritte an unseren Shows. Und White Night ist ein sehr starker Song. Es wäre grossartig, sie dabei zu haben.