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Dieser Schweizer Fotograf dokumentiert den Exzess auf Festivals

Während die meisten Fotografen ihre Linse auf die Künstler richten, sucht Pawel Streit einen anderen Blickwinkel. Er hält den Exzess auf Festivals anders fest.

Die Gitarren krachen, die Drums knacken. Das Obscene Extreme, ein Metal-Festival in Tschechien, ist im vollen Gang. «Jedes Mal erstaunt es mich erneut, was man am Obscene Extreme für ein Sammelsurium an Absurditäten antrifft», sagt Pawel Streit.

Pawel Steit. Bild: Simon Koy

Der Schweizer Fotograf hat in Luzern Kulturwissenschaften studiert und dabei die Leidenschaft für die Fotografie entdeckt. Er absolvierte diverse Fotografie-Praktika in Berlin und München, arbeitet heute als Assistent und realisiert nebenbei eigene Projekte.

Ein solches Projekt heisst «Nod’n’Pee», das eben am Obscene Extreme entstand. «Leute aus der ganzen Welt pilgern da hin um sich zu besaufen, auszutoben und Musik zu hören. Mein Plan war, diesen mehrtägigen Ausnahmezustand irgendwie fotografisch festzuhalten», erklärt Streit gegenüber Negative White.

Aufnahmen von verkleideten und durchdrehenden Freaks, die man auf den Festivals antrifft, gäbe es aber schon genug. Streit wollte etwas Eigenständiges schaffen.

 

Bild: Pawel Streit

Schlafen und urinieren

Das Konzept und die Motivwahl war am Ende einfach, meint Streit: «Ich knüpfte an meine Langzeit-Fotoprojekte an. Dösende und urinierende Leute fotografiere ich schon seit geraumer Zeit – einfach weil es auflockert und überall auf der Welt anzutreffen ist. Es sind unmissverständliche Gesten. Jeder versteht sie.»

Schlafende zu fotografieren sei meist keine grosse Herausforderung. Bei Pinkelnden hingegen könne es schon mal kompliziert werden. Pawel Streit erzählt eine Anektdote: «Ein stockbesoffener Typ drehte sich mal mitten beim Wasserlassen um und sprenkelte, mit einem Grinsen im Gesicht, den Raum zwischen uns ausgiebig.»

Andere lassen sich auch zu einem «Flirt» mit der Kamera hinreissen. «Auch die fröhliche Bereitschaft, mir den Schniedel extra nochmal präsentieren zu wollen, kam mir das eine oder andere Mal entgegen. Darauf hätte ich verzichten können, zum Schmunzeln brachte es mich aber trotzdem.»

Bild: Pawel Streit

Bild: Pawel Streit

Es sind Aufnahmen, die den Exzess zeigen. Dennoch sind es die stillen Momente, als ob man sich gerade im Auge des Sturms befinden würde. Diese Ruhe sei das Spezielle der Bilder, meint Streit. «Während nebenbei tausende von Besuchern Musik zelebrieren, die im Alltag mehrheitlich als nerventötender Krach wahrgenommen wird, verbrachten sie ihre einsamen Minuten oder auch Stunden in aller Seelenruhe, ungeachtet des ganzen Treibens um sie herum. Dieser eingefrorene Kontrast zwischen Fotografiertem und dem eigentlich Erlebten ist mein Beitrag an Absurdität zum ganzen Geschehen.»

Die ganze Bildstrecke «Nod’n’Pee» findest du auf der Facebook-Seite von Pawel Streit.