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Der Samstagabend stand in Fribourg ganz im Zeichen des Stonerrock. Unser Gastreporter war dabei, als Karma To Burn die Bühne einnahmen.

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Karma To Burn (Foto: zvg)

An einem regnerischen Samstagabend fanden sich zahlreiche Besucher am Bahnhof von Fribourg ein, um im lauschigen Nouveau Monde einen vielversprechenden Stonerrockabend zu zelebrieren. Zu jedem Act bot «Food & Fuzz» deren Lieblingsspeise als passenden Gang an. Ein aussichtsreicher Abend für kommende Nackenschmerzen und gesättigte Schlemmer. Besonders mit Karma To Burn als krönender Abschluss.

Sons of Morpheus – Freiburger Croque-Monsieur

Ein erster Appetithappen: Beim beginnenden Trio des Abends wirken die Zuschauer eher verhalten, bestaunen dafür umso mehr die bluesige Gitarrenarbeit des Frontmannes. Ganz klar, hier steht die Klampfe im Vordergrund! Mit Rastalocken und Zylinder spielt der Gitarrist, als wäre er der Sohn von Jimi Hendrix selbst, bloss in der beinharten Wüste von Kalifornien geboren und von Pitbulls aufgezogen. Abwechslungsreiche Solos erwecken Heimweh nach Palm Springs, auch wenn man noch nie dort war. Karma To Burn überrascht die spielenden Herren vor dem letzten Song mit Schnaps, als dankender Abschluss für eine gemeinsame sechswöchige Tour durch Europa.

Dog Days – Ramen mit Saisongemüse

Die Vorspeise ist angerichtet! An diesem Abend spielen sie noch im Nouveau Monde, schon am nächsten Tag in London am Desertfest: Die junge Freiburger Band Dog Days. Bei der Instrumental Stonerrock Band sitzt jeder Ton massgeschneidert. Die Band überzeugt mit einer Coolness, als würde man gerade eine Bank im Smoking überfallen. Sie bringen Bewegung unter die Zuschauermenge. Beissende Gitarrenverzerrungen erfüllen den Saal, der Kopf wippt mit. Es wird einem nicht langweilig, schleppende Stonerrockballaden lassen träumen, bevor sich diese beim 28 Theme (aka Broholmer) in leidenschaftliche Alpträume verwandeln.

Hey Satan – Rindsteak mit Baked Potatoes

Zeit für den Hauptgang: Die Aggressivität von Hey Satan trifft einen wie eine Faust aufs Auge. Wütend wird ins Mikrofon geschrieen, da wurde wohl jemand als Kind auf dem Pausenplatz zu oft herumgeschubst. Die beiden Gitarristen der Lausanner Band sprühen vor unbarmherzigen Riffs, kein Kopf bleibt still. Zuletzt springt die Aggression der Künstler auf das Publikum über: Der erste Moshpit entsteht. Dieser würde sicherlich nicht der letzte bleiben, denn Karma to Burn wird bald auf der Bühne stehen. Die Vorfreude steigt!

Karma To Burn – Apfel-Wähe mit Absinth-Parfait

Das lang ersehnte und süsse Dessert… Der Boden bleibt klebrig, die Nebelmaschine dröhnt und der Saal ist rappelvoll. Die Herren aus West Virginia laden zum Kriegstanz ein. Während der ganzen Vorstellung bleibt die Mitte in der Menge, wild, euphorisch und rauferisch. Es regnet Bier, ganz zum Vergnügen der Band. Frontmann und Gitarrist William Mecum lallt zum Publikum: «Go wild. I don’t fucking care!» Gesagt, getan.

Die Herren bringen die Wüste nach Freiburg. Trocken, staubig, erbarmungslos und schweissnass. Die Cowbell ertönt, die Menge jubelt. Der Bassist von Sons of Morpheus lässt sich über die Zuschauerköpfe tragen. Über eine Stunde lang wird feinster Instrumental-Stonerrock geliefert, ein hartes Riff jagt das nächste. Der Nacken schmerzt. Der Durst wird grösser, die Muskeln müde. Die bierbäuchigen Klampfenschwinger beenden mit ihrem Song 20 ihr Set, ehe sie nach zahlreichen Umarmungen und Jubelrufen eine rohe und unbarmherzige Zugabe servieren.

Alles nimmt ein Ende…

Zwei Jahre lang war das Nouveau Monde nicht mehr ausverkauft, doch dank einem gelungenen Konzept von «Food & Fuzz» und einem Spottpreis (Fr. 20.- !) für einen langen Konzertabend konnte die Ticketgrenze wieder einmal ausgelastet werden. Sowie Stonerrockliebhaber als auch Gourmets kamen voll auf ihre Kosten. Das Tanzbein wurde geschwungen, der Kopf in Mitleidenschaft gezogen und Bier landete auf den Schuhen, Hosen oder im Magen. Der Konzertabend liess das kalte Frühlingswetter vergessen und entführte die Zuhörer in die raue Wüste, Lärm inklusive. Gerne wieder. Bitte so bald wie möglich.