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Die Songs der Woche #79

Diese sechs Songs der Woche musst du gehört haben: Vom düsteren Pop von Amanda Mair bis zum Bier mit Satan von Jett Screams. Von Paisley, über Amorph und Yukno, bis zu Tuvaband.

Jeden Freitag präsentieren wir in den «Songs der Woche» neue Musik aus aller Welt. Unsere heutigen Empfehlungen sind:

Amanda Mair – Rush


Wer von «Spiegel Online» das Attribut «neue Popgrösse aus Schweden» erhält, ist vermutlich wirklich einen genaueren Blick wert. Doch fremde Fazits sind selten akkurat. Doch diesmal sollten die anderen Recht behalten: Die 23-jährige Amanda Mair hat mit Rush einen überwältigenden Song geschaffen.

Doch Rush ist nicht einfach eine weitere generische Mainstream-Single. Es ist ein dunkler, reflektierter Klangteppich. Mair stellt den Rausch einer physischen und emotionalen Verbindung zweier Menschen ins Zentrum – und die Sehnsucht danach. «Rush handelt von leidenschaftlicher Anziehung und destruktiver Sucht, die dich die schmerzhaften Fehler immer wieder machen lassen», sagt Mair über ihr jüngstes Stück.

Rush ist einer von fünf Songs, die auf ihrer neuen EP To The Moon zu hören ist. Veröffentlicht beim Label Despotz Records, die bereits mit Adna einen wahren Kunstgriff taten. Trotz seiner düsteren Atmosphäre ist Rush ein mitreissender wie tanzbarer Track. So muss moderne und gute Popmusik klingen. 
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Amorph – Skin

Amorph ist ein sechsköpfiges Kollektiv aus Basel, das im November ihr erstes Album Where We Grow Tongues veröffentlichen wird. Was sie heute mit der Single Skin präsentieren, öffnet einen kleinen Spalt in eine komplexe Klangwelt.

Dabei existiert Amorph bereits seit sage und schreibe zwölf Jahren. Doch die sechs Musiker haben sich Zeit gelassen, mit Stilrichtungen experimentiert, sich nach und nach an das herangetastet, was sie nun zum Teil mit Skin zur Schau stellen: Ein aufregendes, wildes Konstrukt. Ein Song wie ein spannendes Buch, dessen Geschichte mit jeder neuen Seite eine unerwartete Wendung zu nehmen scheint.

Skin ist ein kniffliges Rätsel. Verwinkelt sind die Rhythmen, vertrackt die Tempo- und Melodienwechsel. Als roter Faden führt uns die Stimme von Julian Zivy durch das Amorph-Labyrinth. Eine fantastische Reise beginnt. Denn wenn etwas an Skin überaus begeistert, ist es die schweisstreibende Arbeit an den Instrumenten. Amorph scheuen keine Mühen, aus ihren Werkzeugen das Maximum herauszuholen. Mit überwältigendem Ergebnis. 

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Tuvaband – Trees

«Bäume und Menschen haben viel gemeinsam», sagt das Duo Tuvaband über ihr neuste Single Trees. «Die Single handelt davon, dass uns vielleicht das gleiche Schicksal ereilt, wenn wir Regenwälder abholzen.» Diese These manifestieren die Norwegerin Tuva Hellum Marschhäuser und der Brite Simon Would bereits in der ersten Zeile: «The trees are talking, they talk behind our backs, ‚cause we fell trees, we fell people.»

Die melancholische, bedauernde Stimmung, die Trees verbreitet, bildet einen krassen Kontrast. Denn hört von dieser ökologischen Thematik, denkt man automatisch an den lebensfrohen Optimismus der Hippies. Doch Tuvaband klingen traurig, fast schon resigniert, beinahe ohnmächtig.

Diese Ohnmacht in Trees hat aber eine konträre Wirkung: Anstatt ebenfalls in die Lethargie zu fallen, macht das Herz einen Sprung und man denkt sich: «So kann das nicht weitergehen! Jetzt muss etwas geschehen.»

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Paisley – Waste

Die deutsche Rock-Band Paisley hat uns bereits vor einigen Monaten mit This Town zum Abfeiern mitgerissen. Mit dieser Single haben sie es gar in unser «Best of Songs der Woche» geschafft. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an ihren neusten Wurf namens Waste.

Und das kompromisslose Quartett aus Berlin enttäuscht nicht: Waste ist alles andere als Abfall. Eine atemlose, zielstrebige Rock’n’Roll-Kettensäge – irgendwo zwischen Britpop und Psychedelic. Jung, wild und ohne Plan B, aber mit einem grossen Traum: Rock’n’Roll als Lifestyle. Liam Floyd, David Barth, Fabian Catoni und Luis Darko nehmen das nicht auf die leichte Schulter; sie arbeiten pausenlos, touren wie Wahnsinnige durch Europa.

Das hört man auch in Waste. Hier ist kein Solo zu lang, kein Ton zu viel. Ein Rocksong, der sich nimmt, was er braucht, ohne sich zu überfressen.

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Yukno – Blut

Nochmals alte Bekannte, nochmals Kandidaten des «Best of Songs der Woche». Bühne frei für Yukno. Nach den Singles Hund und Sonne gönnen uns Yukno mit Blut einen ersten Einblick in ihr Debütalbum Ich kenne kein Weekend, das – leider – erst im Frühjahr 2018 erscheinen wird.

Das grosse Thema auch hier: die Liebe. Mit all ihrer Schönheit und Bosheit. Yukno nehmen uns weiter auf ihrer Reise von der Strasse in Hund, über das Bett in Sonne, hinaus in die Wildnis. «Für dich würd‘ ich Blut verlier’n, um dich nicht zu verlier’n», ertönt es im Refrain. Ein Ausspruch jugendlichen Liebe, doch wie bei Hund bleibt diese Liebe nicht erwidert. Die Songzeile verkörpert aber auch die Grausamkeit der Liebe, die bis zur Selbstaufgabe führen kann.

Untermalt wird diese Thema, wie man es von Yukno erwartet: Ein treibender, funkiger Beat. Ein penetrant cooler Groove, der vom Gehör direkt ins Gebein wandert.

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Jett Screams – Satan, It’s You

Aus dem Berliner Untergrund hinaus in die grosse Welt: Jett Screams sind ein Geheimtipp aus der deutschen Hauptstadt. Say Ten! heisst ihr neue EP, und Satan, It’s You macht sich als Single auf, die Herzen der Rocker zu erobern.

Stilistisch lehnen sich Jett Screams mal locker zum Stoner rüber, dann flirten sie mit luftigem Indie-Rock. Aber hey, solange ein Bier auf dem Tresen steht, lässt es sich feiern. Satan, It’s You ist tatsächlich der perfekte Soundtrack für einen umnebelte Nacht in einer schummrigen Bar. Eine leicht schleppende, aber groovige und melodiöse Nummer, die am Schluss explodiert wie eine Bombe. Und Sänger Jett Screezy verneigt sich vor Joe Strummer und heult wie der Clash-Mann in London Calling.

Der Übermut und die Zuversicht sind stetige Begleiter von Jett Screams, einer Band, die erst nur aus Jett Screezy und seinen Heimaufnahmen bestand. Das hinderte Screezy natürlich nicht daran, bereits Konzertanfragen anzunehmen. Dann, betrunken auf einer Neuköllner Halloweenparty, kamen Tara Terror und Kill Richter dazu. Diese Geschichte passt zur Band und zum Sound: Alles geht irgendwie auf, nur kein Stress.

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Radioshow und Playlist 

Am Sonntag sind die Songs der Woche um 20 Uhr auf radio-meltdown.ch zu hören. Lass das Wochenende mit gutem Sound ausklingen!

Die Songs der Woche gibt’s auch als Playlist. Einfach abonnieren und jeden Freitag neue Künstler entdecken: