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Die volle Ladung mit acht neuen Songs. Mit dabei sind unter anderem Fishbach, Yukno, Bedroom Eyes und Oiseaux-Tempête.

Jeden Freitag präsentieren wir in den «Songs der Woche» neue Musik aus aller Welt. Unsere heutigen Empfehlungen sind:

Yukno – Hund

Es ist eine pulsierende Melodie, die im Hintergrund wirkt wie Blut in den Adern. Hund ist die erste Single des Duos Yukno, bestehend aus den Brüdern Georg und Nikolaus. Ihr Debütalbum erscheint diesen Spätsommer.

Mit Hund unterstreichen Yukno schon heute eindrücklich die Prägnanz ihres Sound. Deutschpop, der mit elektronischer Unterstützung zu einer Grossstadt-Hymne avanciert. Der dezent schleichende Club-Beat kontert den Schmerz in den Lyrics: «Wenn du wüsstest, wie oft ich an dich denke – ich würd‘ dir leid tun.» Es geht um unbändiges Verlangen, unerfüllte Liebe: «Verzeih mir meine Gier, sie treibt mich immer nur zu dir, ich bin doch bloss ein Tier, die Schuld liegt nicht bei mir.»

Stalking als lyrisches Konzept? Gewagt, aber es ist in Hund doch eher als animalische Allegorie zu begreifen. Die Emotion als unkontrollierbarer und irrationaler Instinkt.

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Fishbach – Y crois-tu

Nachdem bereits Un autre que moi mit einem fesselnden 80er-Vibe in den «Songs der Woche» Raum fand, ist die 25-jährigen Französin Fishbach mit Y crois-tu zurück.

Die neue Single hat aber im Gegensatz zu Un autre que moi einen deutlich pathetischeren Zugang. Der treibende Groove fehlt, doch noch immer sind in Y crois-tu die Referenzen an die 80er-Jahre omnipräsent. Ein epochales Arrangement zelebriert das Flair zum Überlebensgrossen. Dazu springt Fishbach zwischen Autorität und Zärtlichkeit hin und her, ein leicht dunkler Hauch als roten Faden. Schliesslich stammt Fishbach aus Charleville-Mézières, der Heimat von Arthur Rimbaud.

Vor allem aber beseitigt Y crois-tu die letzten Zweifel: Die Musik von Fishbach hat ein unheimliches Potential. Sie ist faszinierend, intensiv und schleicht sich unter die Haut.

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Childhood – Californian Light

Sie kommen aus Nottingham, doch ihre Musik hat den Soul aus den USA. Die Rede ist von Childhood, die uns mit Californian Light betören wollen. Das schaffen sie zweifellos.

Aber was genau ist so packend am Sound dieser Band? Ist es der 70er-Retroschick, diese Kombination von Soul, Funk und sanftem Rock? Vermutlich schon. Hört man Californian Lights, fühlt es sich an wie eine Zeitreise. Die warme Stimme von Ben Romans-Hopscraft klingt, als käme er direkt aus der Vergangenheit, den Strassen der Südstaaten. Höchstpersönlich produzierte Romans-Hopscraft das neue Album Universal High, das am 21. Juli erscheinen wird. Das Album markiert einen Wandel, der krasser nicht sein könnte: Das 2014 erschienene Debüt Lacuna propagierte noch psychedelischen Indie-Rock.

Ist also Universal High und Californian Light bloss das Resultat einer strategischen Überlegung, auf den unaufhaltsamen Retromania-Zug aufzuspringen? Man ist versucht, das zu glauben. Andererseits klingt die Single einfach zu gut und authentisch, als dass man Childhood dafür böse sein könnte.

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Oiseaux-Tempête – Bab Sharqi

Die französische Band Oiseaux-Tempête präsentiert ihre neue Single Bab Sharqi nicht nur mit einem beklemmenden Schwarz-Weiss-Video, sondern auch mit dem Beweis, dass Instrumental-Musik nichts an Faszination eingebüsst hat.

Bab Sharqi vermischt psychedelische Gitarren-Eskapaden mit orientalischen Klängen. Was die vierköpfige Band damit erreicht, ist nichts Geringeres als einen berauschten Trip in eine ferne Welt. Beklemmend, unheimlich und abgründig erscheint diese Klanglandschaft vor dem inneren Auge. Und doch berührt sie uns auf eine Weise, die das Verlangen und die Neugier weckt.

Die Single wird zur musikalischen Untermalung einer Entdeckungsreise. Sie führt uns gleichermassen nach aussen – in die Welt hinaus –, wie nach innen – in unsere ureigensten Angstzustände und Abgründe. Zu Bab Sharqi erkunden wir unsere dunkle Seite mit einer Lust, die uns völlig fremd erscheint.

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Novo Amor – Carry You

Nichts ist emotionaler als ein Singer-Songwriter, der weiss, was er tut. Der britische Musiker Novo Amor gehört zu dieser Sorte. Mit Carry You lässt er uns in melancholischer Schönheit versinken. Ein Song, der schlicht beginnt und dann in einem pathetischen Klimax gipfelt, der die Herzen bricht.

Unheimlich süss-klebrig singt Novo Amor mit Falsett-Stimme: «Let it lead your love away/ I never strayed/ Let it bury you away/ In all your blame, in all your pain, I will carry you always.» Die Gratwanderung ist schwindelerregend. Man rechnet jeden Moment mit dem Absturz in den Kitsch. Auf wundersame Weise schafft Amor den Balanceakt – ein seltenes Kunststück.

Und wären die einflüsternde Stimme, die zärtliche Gitarrenmelodie und die epischen Streicher nicht schon genug, hat Novo Amor für die Single seiner EP Bathing Beach noch einen Gänsehaut-Clip produziert.

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Shabazz Palaces – Shine A Light

«Born on a Gangster Star» – Shabazz Palaces spielt mit dem Flair des Gangster-Raps, ist aber viel mehr. Die Streicher-Samples erinnern an The Moody Blues. So erhält Shine A Light eine galaktische Weite.

Die Single Shine A Light will sich schlicht nicht als reiner Rap kategorisieren lassen. Der Song flirtet mit Pop, vor allem aber dem Soul. Die Lines hallen im schwarzen All wider. Der Sound klingt kaum, als käme er aus dem Ghetto, dafür von einem weit entfernten Stern. Es ist dieser Kontrast zwischen Weltraum und Erdung, die in Shine A Light für Begeisterung sorgt.

Wenn sich diese Spannweite auch auf dem Album Quazarz: Born On A Gangster Star durchzieht, kann man durchaus ein innovatives Meisterwerk urbaner Klangkunst erwarten. Dafür muss man sich allerdings noch bis am 14. Juli gedulden.

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Bedroom Eyes – After I Was A Kid But Before I Grew Up

Hinter Bedroom Eyes steckt ein einzelner Musiker. Jonas Jonsson werkelt im nordschwedischen Städtchen Föllinge an seinem treibenden Pop-Rock. Nachdem Jonsson mit einer Demo-EP für Erstaunen sorgte, meldet er sich mit der Single After I Was A Kid But Before I Grew Up zurück.

Die Single kündigt das Album Greetings From Northern Sweden an, das im August erscheinen wird. Der atemlose Trieb im Song reisst einen unweigerlich mit. Unaufhaltsam spielt sich Jonsson in einen Rausch, den er mit unaufgeregter Stimme zelebriert. Dazu versieht er die Single mit einer Video-Hommage an die Serie Twin Peaks. Noch könnte man behaupten, Bedroom Eyes sei eine weitere austauschbare Indie-Band.

Aber das Fingerspitzengefühl für Harmonie, mit dem Jonsson in After I Was A Kid But Before I Grew Up hantiert, beweist, dass man von ihm Grosses erwarten kann. Denn trotz der Raffinesse klingt der Song nicht verkopft, sondern lebendig und juvenil.

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The Red Paintings – Deleted Romantic

Das Quartett The Red Paintings ist auf der Welt zuhause: in Australien, in England und den USA. Und sie sind viel unterwegs, spielten mit Mogway, Sigur Rós oder Gary Numan. Ihr Art Rock stösst auf offene Ohren. Mit der neuen Single Deleted Romantic kündigen sie ihr zweites Album an.

Es ist ein Song, der in den 70ern und den Rocklegenden wie Pink Floyd wurzelt. Doch was The Red Paintings in Deleted Romantic präsentieren, ist viel mehr eine neue Form der Gothic Ballade. Mit einem Steampunk-Video, einer fast schon mittelalterlich klingenden Gitarre, den sanften Streichern und dem melancholischen Piano. Die Band steigt hinab in die Gruft.

Der hauchende Frontmann Trash McSweeney meint zum Songwriting: «Andere erschaffen ein Album um ein Leben herum, ich erschaffe ein Leben um ein Album herum.» Zwar klingt Deleted Romantic nicht wirklich lebensfroh, doch bildet einen düsteren Kokon, ein separiertes Universum.

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