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Nein, wir Schweizer tun es nicht oft, nicht so wie die Bayern, darum bin ich nun ja auch hier.

Bild WG Burschn

In den Schweizer Städten traut man’s sich nicht so, eher dann dort wo der Käse her kommt und die Berge spitzer werden. Ach, was habt ihr wieder für schmutzige Gedanken, wenn ich über das Tracht tragen spreche…

Doch wo muss die Dirndl-Schleife denn nun eigentlich hin, fragte ich mich, als ich gestern Abend vor dem Spiegel stand. Schleife rechts ist schlecht, meinten meine WG-Burschn. Also bin ich mit der Schleife rechts wohl vergeben. Links müsste in dem Fall die «Single-Schleife» sein, und wenn ich sie in der Mitte binde? Ein Geschenk zum Auspacken? Ja, so kann man es fast bezeichnen, denn dann ist man noch Jungfrau hab ich mir mit einem verstohlenen Grinsen sagen lassen. Doch muss die Schleife von mir aus links gebunden sein oder vom Betrachter aus? Das werde ich wohl an der Mai-Dult herausfinden müssen. Ihr fragt euch was eine Dult ist? Ich muss zugeben, das wusste ich bevor ich nach Bayern kam auch nicht: Eine Dult ist im südostdeutschen Sprachraum ein Jahrmarkt mir Volksfestcharakter, quasi eine «Chilbi» im Appenzeller-Stil und so eine Dult ist gerade in Regensburg.

Ich habe euch ja gerade erzählt, dass ich gestern am Dirndl-Schleife binden war, das heisst ich hab in Bayern gleich ein Dirndl gekauft? Jawohl, gleich in der zweiten Woche als ich bayrisches Land betreten hatte, hielten meine Augen Ausschau nach einem Trachtengeschäften. Sich als Frau in solch einem Geschäft aufhalten zu können ist, wie im Himmel zu sein. Überall hat es Trachten aus wunderschönen Stoffen, mal mit Spitze, mal mit Samtrand verziert, mal bayrisch blau-weiss, mal schweizerisch rot-weiss kariert mit Edelweiß. Ich weiss, dass nun einige Feministinnen, denen ich ja eigentlich auch angehöre, nun die Augen verdrehen, doch ich finde so ein Dirndl schmeichelt jeder Frau, und Damen, die Männer dazu bringen die Knödel, die sie beim Essen anschauen sollten, mit der bayrischen Devise «Wenns koane Gnedl gibd, is need gessn», mit «menschlichen Knödeln» zu verwechseln, gibt es auch dort wo keine Dirndl getragen werden. Man muss sich ja nicht gleich den Push-Up-BH im gleichen Geschäft wie Pamela Anderson kaufen.

Ach ich schweife gedanklich irgendwie wieder ab, eigentlich wollte ich euch ja von meinen «philosophischen Gedankengängen» während der Betrachtung meiner vier Männern erzählen, meinen WG-Burschn, wie ich sie gerne bezeichne.

Ich kann euch versichern, wenn man nicht die Freundin ist, hat er nicht «immer» die schönsten Boxershorts an. Und so heiss benehmen sich die Burschn nicht, wie in der Cola-Werbung, wenn er sich oben ohne in Jeans am Automaten vor allen Frauen eine Cola aus dem Automaten holt (so man sich fragen muss, ob man als Frau überhaupt mal in den Genuss kommen wird, sich sowas anschauen zu dürfen). Dass einzige Mal, als ich in der WG «Ahn verdammt heiss»  gedacht habe, war, als ich letzte Woche am Morgen den Toast aus dem Toaster holte und mir fast die Finger verbrannte.

Wenn ich so, während dem ich meinem Mitbewohner beim Müsli essen zuschaue, daran denke, dass ich auch wie er, nur in meiner Unterhose und einem T-Shirt frühstücken würde. Ja, dann würden wohl plötzlich alle meine Burschn per Zufall, wie ich jeden Tag um acht frühstücken «müssen». Aber ich muss euch gestehen, eigentlich wohnen ja mit mir acht Frauen in der WG, wenn man(n) die fünf nackten Brünetten über dem Fernseher, die Frau daneben mit dem Krug zwischen den Beinen und die nackte Frau über dem Kühlschrank mitzählt. Nur sind die Frauen etwas still, nicht so gesprächig wie ich. Die eine über dem Kühlschrank hat mir noch nie geantwortet, wenn ich sie gefragt habe, ob sie auch noch ein Bier möchte. Vielleicht zieht dieser Spruch bei ihr nur, wenn sie das einer meiner WG-Burschn fragt. Denn ein Grund muss es ja geben, wieso sie’s die ganze Zeit über dem Kühlschrank hängt. Ich zieh mir jetzt mal für die Dult mein Dirndl an und was die Lage der Schleife angeht: «Scha ma moi, dann seng mas scho!»